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Viele Lüner schufteten auf der Zeche Gneisenau

Ehemalige Zechenkumpel im Interview

Rund 30 Jahre lang haben Ernst Schäfer und Horst Krischer auf der Zeche Gneisenau in Dortmund-Derne gearbeitet. So wie es viele Lüner auch taten. Als das Bergwerk 1985 schloss, ging für sie ein wichtiger Lebensabschnitt zu Ende. Im Gespräch mit blicken die ehemaligen Zechenkumpel zurück.

LÜNEN-SÜD/DERNE

, 08.08.2015

Herr Krischer, Herr Schäfer, Sie haben beide knapp drei Jahrzehnte auf Gneisenau gearbeitet. Was genau haben Sie hier während dieser Zeit hier getan? Krischer: Ich habe 1956 als Berglehrling angefangen, war dann viele Jahre als Hauer unter Tage tätig. Und von 1975 bis 1985 war ich im Betriebsrat.

Schäfer: Bei mir ging es schon 1953 los. Und auch ich war später im Betriebsrat – allerdings schon ein Jahr früher als Horst.

 

Kommen wir erst einmal zur Arbeit unter Tage … Krischer: Das war natürlich richtige Knochenarbeit. Heute würde das wohl niemand mehr machen wollen. Man war mit 20 bis 25 Kumpeln in einem Streb und bekam täglich seine Vorgaben, wie viel man abbauen musste. Nach einer achtstündigen Schicht kam dann der Rutschenmeister und hat alles überprüft. Aber wir waren alle gerne Bergleute, nicht zuletzt aufgrund der besonderen Kameradschaft.

Schäfer: Ach, man könnte da unendlich viele Anekdoten erzählen. Unsere Toiletten waren einfache Kübel, bis 1969 bekamen wir noch nicht einmal Arbeitskleidung gestellt, es gab für jeden Kumpel genau elf Stücke Seife pro Quartal… Letztlich waren wir aber alle froh, dass wir Geld verdienen konnten.

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Das änderte sich ja dann mit der Schließung 1985. Schildern Sie doch mal, was da passierte. Krischer: Das ging ja nicht erst 1985 los. Wir waren schon 1958 das erste Mal in Bonn, um zu demonstrieren. Da ging es schon um die ersten Stilllegungen und das Herunterfahren des Bergbaus. Wir wussten schon damals, dass es auch uns in Derne treffen könnte. Diese ganze Sache war ein Politikum, das sich über 30 Jahre zog.

 

Unvorbereitet hat Sie die Schließung also nicht getroffen? Krischer: Nein, das Thema stand schon länger im Raum. Dass man das riesige Gelände hier mit den vielen Schächten nicht würde halten können, war uns schon klar. Ab 1984 haben wir dann Verlegungsgespräche mit jedem einzelnen Mitarbeiter geführt. Und das war nicht einfach.

 

Inwiefern? Krischer: Zum einen gab es hier rund 6000 Kumpel. Und jeder hatte seine eigene Qualifikation – vom Elektriker über den Sprengbeauftragten bis hin zum Hauer. Das war eines der wichtigsten Kriterien für die Wahl der aufnehmenden Anlagen – der jeweilige Bedarf an entsprechenden Fachkräften. Zudem galt das wohnortnahe Prinzip. Man konnte ja nicht einfach alle zur Zeche Ewald nach Herten oder zum Haus Aden nach Bergkamen schicken. Wir konnten aber alle unterbringen.

Alle 6000 Mann? Krischer: Ja. Allerdings wurden diejenigen, die bereits über 50 Jahre alt waren, nicht verlegt, sondern gingen in Anpassungsmaßnahmen. Da gab es nach dem Ausscheiden einen entsprechenden Sozialplan.

 

Und wie ging es für Sie persönlich weiter? Krischer: Ich habe weiterhin als Kontaktmann für die Verlegten fungiert.

Schäfer: Für mich ging es nach der Schließung für drei Jahre zur Grubenwehr nach Werne, zur Hauptabteilung Sicherheit. Wir waren für fünf Anlagen zuständig. Im Falle eines Brandes habe ich die Löscharbeiten koordiniert.

Inzwischen hat sich auf Gneisenau einiges verändert. Wie finden Sie das? Schäfer: Ich hätte früher nie geglaubt, dass es hier einmal einen Discounter und Parks geben würde. Und es sind ja auch noch weitere Dinge geplant. Heute ist hier viel Grün, und es scheint die Sonne. Das ist schon toll.

Krischer: Das stimmt schon. Derne wurde dadurch stark aufgewertet. Allerdings hat man mit der Neugestaltung mindestens 15 Jahre zu spät begonnen. Deswegen hat es so lange gedauert, bis der Stadtteil die Schließung der Zeche wirklich verkraftet hat.