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Verteidiger trauen dem Braten nicht

Prozess um den Tod des kleinen Nils zieht sich hin

Noch immer ist unklar, wann das Schwurgericht das Urteil gegen die Mutter des 2010 zu Tode gekommenen Säuglings Nils sprechen kann. Die Verteidiger lassen nichts unversucht, um das Gericht von der Unschuld ihrer Mandantin zu überzeugen.

Lünen/Dortmund

, 26.04.2018
Verteidiger trauen dem Braten nicht

Seit 2014 wird vor dem Landgericht Dortmund über den Tod des kleinen Nils verhandelt. © Dieter Menne

Am 90. Verhandlungstag in diesem seit Januar 2014 laufenden Verfahren stellten die Rechtsanwälte am Donnerstag weitere Anträge. Ein neuer Gutachter soll gehört, zwei bereits mehrmals befragte Mediziner noch einmal vernommen werden.

Die Verteidiger Rüdiger Deckers und Christian Koch sind fest davon überzeugt, dass die Richter am Ende nicht anders können, als die Lünerin zumindest nach dem Grundsatz „Im Zweifel für die Angeklagte“ von allen wesentlichen Anklagepunkten freizusprechen.

Freispruch gefordert

Die Staatsanwaltschaft ist bereits an diesem Punkt angekommen. Sitzungsvertreter Felix Giesenregen hat schon vor einigen Wochen ein von seiner Kollegin Sandra Lücke geschriebenes Plädoyer verlesen. Lücke hatte in den ersten drei Jahren in diesem Prozess jeden einzelnen Verhandlungstag wahrgenommen. Es lasse sich nicht zweifelsfrei feststellen, dass die Angeklagte das Baby geschüttelt und dabei mit dem Kopf gegen einen harten Gegenstand geschlagen habe, lautete das Fazit des Plädoyers.

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Bei so vielen Gutachtermeinungen, die das Gericht inzwischen eingeholt hat, sei es unmöglich, die Version der Anklageschrift sicher zu beweisen.

Die Verteidiger trauen dem Braten aber noch nicht. Denn natürlich können die Richter den Fall am Ende ganz anders sehen und doch eine Strafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge verhängen. Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, wollten die Anwälte deshalb in jedem Fall dafür sorgen, dass der neue Sachverständige nach Dortmund kommen wird.

Entscheidung im Mai?

Nachdem die Richter beschlossen hatten, den Sachverständigen nicht kommen zu lassen, forderten die Verteidiger, den Experten auf eigene Faust kommen lassen zu dürfen. Doch auch dieses Ansinnen wurde abgeschmettert. Wie es mit diesem Antrag weitergeht, entscheidet sich Anfang Mai.

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So oder so: Im Fall Nils drängt die Zeit immer mehr. Ende Juni wechselt der Vorsitzende Richter in den Ruhestand. Hat er das Verfahren bis dahin nicht angeschlossen, würde der Prozess platzen und müsste noch einmal komplett von vorne beginnen.