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Nach Germanwings-Absturz

Lufthansa bietet 25.000 Euro Schmerzengeld

Düsseldorf/Frankfurt Fast 100 Tage nach Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen legt die Konzernmutter Lufthansa den Angehörigen ein erstes Angebot zum Schmerzensgeld vor. Anwälte der Opfer-Familien lehnen es als "Lachnummer" ab. Was steht den Angehörigen überhaupt zu?

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Kondulenzbuch. Foto: Federico Gambarini/Archiv

Am Informationschalter von Germanwings steht nach dem Absturz ein Gedenkschild mit Blumen und einer Kerze für die Opfer.

Die Lufthansa hat den deutschen Hinterbliebenen der Germanwings-Katastrophe pauschal 25.000 Euro als Schmerzensgeld angeboten. Zusätzlich sollen nächste Angehörige der Opfer wie Eltern, Kinder oder Lebenspartner ohne weitere Prüfung jeweils ein individuelles Schmerzensgeld von 10.000 Euro erhalten, wie die Fluggesellschaften am Dienstag mitteilten. Das Schmerzensgeld solle nicht mit den bereits geleisteten 50.000 Euro Soforthilfe verrechnet werden, erläuterte ein Lufthansa-Jurist.

Das Schmerzensgeld werde auch zusätzlich zu den Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz fließen, für das sich die Familien der deutschen Opfer an den Staat wenden müssen. Nach dem Opferentschädigungsgesetz haben die Opfer von Gewalttaten Ansprüche gegen den deutschen Staat, wobei ausdrücklich Ereignisse in deutschen Flugzeugen eingeschlossen sind. Der Staat, hier der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), kann sich die Leistungen möglicherweise bei Germanwings zurückholen.

Anwälte sind mit Angebot nicht einverstanden

Mehrere Anwälte bestätigten am Dienstag den Eingang des Lufthansa-Vorschlags. Der Mönchengladbacher Anwalt Christof Wellens nannte das Angebot nicht angemessen: „Ich kann mir kaum vorstellen, dass auch nur eine Opfer-Familie das annimmt“, sagte Wellens. Lufthansa versuche, sich der Verantwortung zu entziehen. Wellens vertritt nach eigenen Angaben 15 Opfer-Familien mit mehr als 60 Angehörigen zivilrechtlich. Ein weiterer Anwalt nannte die angebotene Summe eine "Lachnummer", wie Zeit Online berichtet. "So kann man keine Verhandlungen führen. Das ist international beschämend."

Anders als beispielsweise in den USA orientiert sich das deutsche Recht ausschließlich an den unmittelbaren finanziellen und körperlichen Folgeschäden eines Unglücks, erklärte Elmar Giemulla, Honorarprofessor für Luftrecht an der TU Berlin, gegenüber der Deutschen Welle. In den USA sei auch der emotionale Schaden der Hinterbliebenen anerkannt und ersatzfähig. In Frankreich und Spanien werden zwar keine Beträge wie in Amerika gezahlt, trotzdem enthalten die Regelungen dort auch das Anliegen, den verursachten seelischen Schaden durch die Entschädigung anzuerkennen, schreibt die Deutsche Welle. Gezahlt werden dort etwa 50.000 Euro. 

Bei dem Absturz am 24. März in den französischen Alpen kamen alle 150 Menschen an Bord ums Leben, darunter viele Deutsche - unter anderem eine Schulklasse und zwei Lehrerinnen aus Haltern. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sperrte der Copilot seinen Kollegen aus dem Cockpit aus und brachte die Maschine absichtlich zum Absturz. 

In der Vergangenheit gab es bei Flugzeugabstürzen bei der Zahlung von Schadenersatz sowohl gerichtliche als auch außergerichtliche Lösungen. In einem Prozess in Luxemburg um den Absturz einer Luxair-Maschine im Jahr 2002 mit 20 Toten bekamen Angehörige etwa im vergangenen Jahr zwischen 21.000 Euro und 130.000 Euro je Opfer zugesprochen.

Ansprüche aus dem Opferentschädigungsgesetz

Die Ansprüche aus dem Opferentschädigungsgesetz unterscheiden sich nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales von Fall zu Fall deutlich, schreibt Zeit Online:

  • Für Witwen und Witwer, Hinterbliebene aus eingetragenen Lebenspartnerschafen und Waisen kommen Hinterbliebenenrenten in Betracht. Zusätzlich kann es im Bedarfsfall ergänzende Hilfsansprüche geben – etwa auf Krankenbehandlung und Fürsorgeleistungen.
  • Eltern von bei dem Flugzeugabsturz gestorbenen Kindern haben Ansprüche auf Rentenzahlungen, wenn sie selbst im Rentenalter oder voll erwerbsgemindert sind und das getötete Kind 18 Jahre oder älter war.
  • Bei den Hinterbliebenen der Flugbegleiter und des Piloten greift die Unfallversicherung an Stelle des Opferentschädigungsgesetzes. 

Ein Versicherungskonsortium mit der Allianz an der Spitze hat nach früheren Angaben 278 Millionen Euro zur Schadensregulierung zurückgestellt. Das sei zunächst eine bilanzielle Rechengröße und sage nichts über die zu erwartende Schadenssumme aus, erklärte ein Experte der Versicherung. Neben den Opferentschädigungen müssten unter weiteren Posten auch die Bergung, die Sanierung von Umweltschäden, das Krisenmanagement, Rechtskosten und das zerstörte Flugzeug bezahlt werden.

Lufthansa übernehme langfristige soziale Verantwortung für die Angehörigen der Opfer, erklärte eine Konzernsprecherin. So werde ein Treuhandkonto mit 7,8 Millionen Euro eingerichtet, um Kinder der Opfer in der Ausbildung zu unterstützen. Ein allgemeiner Hilfsfonds werde mit 6 Millionen Euro ausgestattet. Zudem richte Lufthansa vier Gedenkstätten ein: In Le Vernet in der Nähe des Absturzortes sowie in Barcelona, Köln und Haltern.

HALTERN Die Stadt hat damit begonnen, die Gedenkstätte für die Opfer der Flugkatastrophe vom 24. März in den französischen Alpen auf dem städtischen Friedhof im Sundern herzurichten.Wir erklären, wie sie aussehen soll.mehr...

mit Material von dpa   

 

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