Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Germanwings-Katastrophe

Lufthansa verweist Angehörige der Absturz-Opfer an den Staat

Haltern/Frankfurt Die Lufthansa empfiehlt den Angehörigen der Germanwings-Opfer sich für Entschädigungszahlungen zunächst an den deutschen Staat zu wenden. Ein Opferanwalt bezeichnet die Aussagen der Lufthansa als hilflos. Bislang wurden 50.000 Euro Soforthilfe vonseiten der Fluggesellschaft gezahlt.

/
Der Konvoi aus Leichenwagen mit Opfern des Germanwings-Absturzes auf dem Weg vom Flughafen Düsseldorf nach Haltern.

25. März: Ein Mitglied der Bergungsmannschaft vor einer Trümmerstück der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen. Foto: Guillaume Horcajuelo

Das Foto des französischen Innenministeriums zeigt von Helfern geborgene Wrackteile an der Absturzstelle des Germanwings-Flugzeuges in den französischen Alpen nahe Seyne les Alpes.

Die Lufthansa empfiehlt Angehörigen der Germanwings-Opfer, sich für Entschädigungszahlungen zunächst an den deutschen Staat zu wenden. Dies sei der übliche Weg, erklärte ein Sprecher des Mutterkonzerns Lufthansa am Montag in Frankfurt am Main. Nach dem Opferentschädigungsgesetz haben die Opfer von Gewalttaten Ansprüche gegen den deutschen Staat, wobei ausdrücklich Ereignisse in deutschen Flugzeugen eingeschlossen sind.

Opferanwalt Christof Wellens zeigte sich von der Ankündigung irritiert. „Ich kann diesen Hinweis nicht einordnen“, sagte der Anwalt, der nach eigenen Angaben 15 Opfer-Familien mit mehr als 60 Angehörigen zivilrechtlich vertritt. Er bezeichnete den Hinweis der Lufthansa auf das Opferentschädigungsgesetz als hilflos. Gespräche über zivilrechtliche Ansprüche stünden ganz am Anfang. Der Rechtsanwalt und Professor für Luftrecht an der TU Berlin, Elmar Giemulla, zeigte sich zuletzt im Gespräch mit dem "Tagesspiegel" zuversichtlich, dass die Angehörigen weit höhere Summen bekommen könnten, als die bisher geleistete Soforthilfe. "Ich habe den Eindruck, dass sich die Lufthansa der Katastrophe stellt", sagte Giemulla.

Lufthansa hat bisher 50.000 Euro gezahlt

Lufthansa hat den Hinterbliebenen bislang eine Soforthilfe von 50.000 Euro pro Todesopfer gezahlt. Über das weitere Vorgehen würden nun die Betroffenen und ihre Anwälte informiert, sagte der Konzernsprecher. Zusätzlich zu den Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz seien zivilrechtliche Ansprüche und Entschädigungen nach dem nationalen Recht der jeweiligen Opfer möglich. 

Bei dem Absturz am 24. März in den französischen Alpen kamen alle 150 Menschen an Bord ums Leben, darunter auch eine Schulklasse und zwei Lehrerinnen aus Haltern. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatte Copilot Andreas L. psychische Probleme, sperrte seinen Kollegen aus dem Cockpit aus und brachte die Maschine absichtlich zum Absturz. Er wurde am Samstag in seiner Heimat Montabaur beigesetzt. 

Die in Frankreich für die Untersuchung des Absturzes zuständige Behörde für Flugsicherheit Bea geht weiterhin davon aus, ihren Abschlussbericht bis Anfang kommenden Jahres vorzulegen. Im Fall von Germanwings müssten die Untersuchungen breiter angelegt werden als Fragen von Flugbetrieb oder Konstruktion des Flugzeugs, sagte Bea-Chef Rémi Jouty der französischen Nachrichtenagentur AFP.  

Luftfahrt zieht Lehren

Die deutsche Luftfahrtbranche zieht derweil erste Lehren aus dem Absturz der Germanwings-Maschine. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und der Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) stellen am Dienstag den Zwischenbericht einer Experten-Arbeitsgruppe in Berlin vor, wie das Ministerium am Montag mitteilte. Erörtert wurde vor allem, ob es Veränderungen an den Sicherheitsfunktionen der Cockpittüren geben muss und wie die Flugtauglichkeit von Piloten künftig besser überprüft werden kann. Vorschläge sollten an europäische und internationale Behörden, Branchenverbände und Luftfahrtorganisationen weitergeleitet werden.

HALTERN Die Stadt hat damit begonnen, die Gedenkstätte für die Opfer der Flugkatastrophe vom 24. März in den französischen Alpen auf dem städtischen Friedhof im Sundern herzurichten.Wir erklären, wie sie aussehen soll.mehr...

Halterner Opfer wieder zu Hause

"Es ist unfassbar und bleibt es für immer"

Haltern/Düsseldorf Zweieinhalb Monate nach der Germanwings-Katastrophe in den französischen Alpen sind die ersten Opfer zu ihren Angehörigen nach Deutschland zurückgebracht worden. In Haltern rückten die Menschen am Mittwoch zusammen, als der Konvoi aus weißen und schwarzen Bestattungswagen die Stadt erreichte. 16 Schüler und zwei Lehrerinnen waren bei dem Absturz ums Leben gekommen.mehr...

von dpa

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Sondierungen in Berlin

Optimismus und Skepsis nach Jamaika-Gesprächen

Berlin Jamaika ausloten, Tag zwei: FDP und Grüne wollten am Donnerstag bei ihrem Treffen bei Blumenkohlsuppe und Streuselkuchen nicht zu sehr in Verletzungen der Vergangenheit rumwühlen. Nebenbei rumort es aber ordentlich - vor allem im konservativen Lager.mehr...

Fußball: Champions League

FC Bayern schlägt Celtic Glasgow ohne Probleme

MÜNCHEN Der deutsche Fußball-Meister FC Bayern München hat den Einzug in das Achtelfinale der Champions League wieder fest im Visier. Die Münchner gewannen am Mittwoch am dritten Spieltag der Gruppe B daheim 3:0 (2:0) gegen Celtic Glasgow.mehr...

Nach ersten Gesprächen

Jamaika: "Gutes Gefühl", aber steiniger Weg

Berlin Ein Anfang ist gemacht: Von einem "guten Gefühl" ist die Rede nach der ersten Jamaika-Runde von Union, FDP und Grünen. In den kommenden Tagen folgen weitere Gespräche nun Schlag auf Schlag. Allerdings ist der Weg bis zu einem Koalitionsvertrag noch lang und steinig.mehr...

Nach ersten Gesprächen

Jamaika: "Gutes Gefühl", aber steiniger Weg

Berlin Ein Anfang ist gemacht: Von einem "guten Gefühl" ist die Rede nach der ersten Jamaika-Runde von Union, FDP und Grünen. In den kommenden Tagen folgen weitere Gespräche nun Schlag auf Schlag. Allerdings ist der Weg bis zu einem Koalitionsvertrag noch lang und steinig.mehr...

Urteil naht

13 Jahre Haft gefordert: Camperin vergewaltigt?

BONN 156 Monate Freiheitsentzug – das fordert die Staatsanwaltschaft im Fall gegen einen 31-Jährigen. Dieser soll im April in der Nähe von Bonn eine junge Frau bedroht und vergewaltigt haben. Am Donnerstag soll das Urteil fallen. Der Angeklagte hat zum Vorfall eine völlig andere Sichtweise.mehr...

Politik

Sachsens Regierungschef Tillich wirft nach Wahlschlappe hin

Dresden (dpa) Bei der Bundestagswahl jubelte die AfD in Sachsen - und löste die CDU als stärkste Kraft im Freistaat ab. Nun zieht Regierungschef Tillich persönliche Konsequenzen. Seine CDU wird kalt erwischt.mehr...