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Mambo "King of Heimorgel" Kurt trotzt dem Regen

Zeltfestival Ruhr

Regenwolken über dem Zeltfestival Ruhr. Sonntagnachmittag an der kleinen Piazza-Bühne zwischen den Zelten. Es ist ein undankbarer Termin für jeden Musiker. Doch Mambo Kurt ist schließlich der King of Heimorgel.

BOCHUM/WITTEN

, 22.08.2016
Mambo "King of Heimorgel" Kurt trotzt dem Regen

Bei seinem Auftritt am Sonntagnachmittag fing es an zu regnen - kurzerhand holte Mambo Kurt sein Publikum biem Zeltfestival Ruhr auf die überdachte Piazza-Bühne

Wer hätte gedacht, welche Karriere, ja Weltkarriere vom Wettbewerb "Jugend musiziert" 1982 ausging? Mambo Kurt hieß noch nicht Mambo Kurt, gewann nach eigenen Angaben aber den NRW-Wettbewerb in der Kategorie Heimorgel in der Altersstufe bis 14. Das Instrument führte ihn nach Wacken Open Air, zuletzt zu einem gefeierten Auftritt bei "Bochum Total" – und am Sonntag zum Zeltfestival Ruhr.

König der Alleinunterhalter

Es ist nicht das große Zelt, es ist nicht kleine Zelt, es ist die kleine Piazza dazwischen. Es ist der späte Nachmittagstermin. Die Leute strömen hier vorbei, um zu essen, bevor die Konzerte in den Zelten beginnen. Undankbar. Aber der König der Alleinunterhalter ist der verdammte König der Alleinunterhalter. Unter den Kleinen ist er der Große. Mambo Kurt sagt: "Es war nicht immer cool, Heimorgel zu spielen." Das wird oft vergessen.

Im Gegensatz zum cremig-hellen Sommeranzug Mambo Kurts ist der Himmel schwer und schwarz. Es regnet. "Ich habe ein Herz für Leute, die keinen Schirm haben", sagt Mambo Kurt und verrückt umständlich seine Yamaha D85. "Kommt, ich schiebe die Orgel in die Ecke, dann könnte ihr alle auf die Bühne". Applaus bevor der erste Ton erklingt. Immerhin zwei Dutzend der Besucher drängen sich im Trockenen und wer Pech hat, muss selbst ran. Ein Junge muss an die Tasten: "Hör auf Handy zu spielen, spiele Heimorgel." Falsch machen kann der Junge nichts: Die Begleitautomatik hält den Rhythmus. Der Meister selbst schwingt derweil das Tanzbein.

Vom Arzt zum gehobenen Nonsens

Mambo Kurt heißt eigentlich Rainer Limpinsel. Hat Medizin studiert, hat ein Buch über Typ-2-Diabetes geschrieben. Seit dem Ende der 90er-Jahre ist er mit Coversongs auf der Heimorgel im Auftrag des gehobenen Nonsens unterwegs. Mambo Kurt steht in großen gelben Flower-Power-Buchstaben auf der braunen Orgel. Die Tasten so bunt wie die kleine billige Diskokugel, die darauf steht. Am Ende des Konzertes wird Mambo Kurt neben der CD mit Weihnachtsliedern auch sein Markenzeichen feilbieten: die große runde Sonnenbrille. Seine Auftritte sind skurril, irrwitzig. Musikalisch runtergedimmt, aber ausgetüftelt. Wer ein Konzert verlässt, ohne gegrinst zu haben, muss ein trauriger Troll sein.

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Konzerte vom Mambo Kurt sind immer Streifzüge durch die Jugendzeit. Die eigene, die der Eltern oder die der Kinder. Mambo Kurt veredelt die Popgeschichte. Auch am Sonntag. "Just can’t get enough" von Depeche Mode,  Scooters "Maria", Dr. Albans "Sing Halleluja" oder "Musik ist Trumpf". Als Mambo, als Polka, als Swing, immer schräpend auf der Heimorgel. Bei "Remmidemmi" von Deichkind nutzt er einen Gameboy - die Älteren erinnern sich - als Synthesizer. Bei "Killing in the Name of" von "Rage Against the Machine" in Mambos Swing-Version bewegen sich auch ältere Damen, die bei der Originalversion das Radio ausschalten würden.

Bis auf eine zu kurz geratene Polonaise weniger Enthusiasten gelingt Mambo Kurt am Sonntag alles: Selbst eine Bierbestellung von der Bühne aus für zwei spontan von ihm berufene Gogo-Tänzerinnen aus dem Publikum. Die Dreiviertelstunde Nachmittagsshow verfliegt, die Regenwolken auch, wenn auch nur kurz. Am Ende hat Mambo Kurt das Fernsehgartenartige der Piazza mit Wacken verschmolzen. Mission erfüllt.

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