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Mammuts, Eisbären und Schamanen: Eiszeit in Hamburg

Hamburg (dpa) Eis, Kälte, wenig Licht: Die Polarvölker haben sich im Laufe der Geschichte hervorragend an ihre Umwelt angepasst. Wie sie das gemacht haben, zeigt eine spannende Doppelausstellung in Hamburg.

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Eine weibliche Figur aus Mammutstoßzahn (23.000 - 21.000 v. Chr.). Foto: Daniel Reinhardt

Nachbildung eines Mammuts. Foto: Daniel Reinhardt

Eine Jacke aus Eisbärenfell. Foto: Daniel Reinhardt

Eine Schamanen-Maske der Yupiit. Foto: Daniel Reinhardt

Das größte Exponat, die Nachbildung eines zotteligen Mammuts samt Stoßzähnen, ist vier Meter hoch, das kleinste, eine Nähnadel aus Polarfuchsknochen, wenige Zentimeter.

Unter dem Titel "Eiszeiten" geben das Archäologische Museum Hamburg und das Museum für Völkerkunde Hamburg vom 18. Oktober bis zum 14. Mai Einblicke in die Welt der Menschen am Ende der letzten Eiszeit und in den arktischen Regionen. "Dabei ist es den beiden Museen gelungen, noch nie außerhalb Russlands gezeigte Originale aus der Kunstkammer St. Petersburg nach Hamburg zu holen", sagte Kurator Michael Merkel. Die einzigartigen Leihgaben stammen aus einem eiszeitlichen Jagdlager bei Kostenki, am Westufer des Don.

Die aus Elfenbein, Knochen oder Stein geschnitzten Figuren stellen meist beleibte, unbekleidete Frauen dar und sind oft nur wenige Zentimeter groß. "Sie gehören zu den ältesten Werken figürlicher Kunst der Menschheitsgeschichte", sagte Merkel. Auch Mammut, Löwe oder Wildpferd waren beliebte Motive der eiszeitlichen Künstler. Neben den spektakulären Venusfiguren aus St. Petersburg zeigt das Archäologische Museum auch spannende Spuren vergangener Epochen vor der eigenen Haustür: Schon vor 14 000 Jahren hielten sich eiszeitliche Jäger im Gebiet des heutigen Hamburg auf. Sie hinterließen Waffen und Werkzeuge, die sie aus Stein, Knochen und Geweih fertigten.

Das Museum für Völkerkunde beschäftigt sich mit der Frage, wie die Menschen vom 19. Jahrhundert bis heute das Leben in der Polarregion meistern. "Wie lebt man eigentlich in diesem Klima, das geprägt ist durch die Kälte, die Weite, und die Tatsache, dass es die Hälfte des Jahres dunkel und die andere Hälfte hell ist?", sagte Kurator Carl Triesch. Die indigenen Völker, von den Samen in Finnland über die Nganasanen in Russland bis zu den Inuit in Kanada, hätten sich wunderbar angepasst an diese schwierigen Lebensbedingungen. "Sie könnten ihre Kultur überhaupt nicht leben, wenn es andere klimatische Verhältnisse geben würde", sagte Triesch. Deshalb seien die Folgen des Klimawandels für die Polarvölker besonders bedrohlich.

Die Ausstellung ist nicht nach einzelnen Volksgruppen, sondern nach Themengebieten geordnet. So erfahren die Besucher etwas über Rentierzucht und die Jagd auf Eisbären, Robben und Fische - die beiden Wirtschaftsformen zum Überleben. Zu sehen ist ein 100 Jahre alter Parka aus Seehunddarm - so genäht, dass kein Wasser hineinkommen kann, genauso wie der Kinderanorak aus Fischblasenhaut. Daneben gibt es noch Kleidung aus Eisbär- und Rentierfell zu sehen - schon beim Ansehen wird einem warm. Kleine Figürchen aus Elfenbein trugen die Jäger als Talisman mit sich - sie sollten Glück bringen bei der Jagd. "Um das Tier zu ehren, wurden nicht nur die besten, sondern sämtliche Teile verwertet", sagte Triesch.

Ein weiteres Thema ist der Schamanismus. "Schamanen waren so etwas wie die Mittler zwischen den Menschen und den Geistern. Sie konnten mit den Geistern kommunizieren, um Probleme zu lösen", erklärte Kuratorin Katharina Süberkrüb. Zu sehen ist eine wertvolle Maske der Yupiit aus Südwestalaska. Sie zeigt einen Hilfsgeist, der auf einem Biber reitet. "Die Masken waren dazu da, um die Visionen der Schamanen zu versinnbildlichen", erklärte die Kuratorin.

Der Surrealisten-Begründer André Breton war von der Maske so begeistert, dass er sie 1936 auf einer Surrealisten-Ausstellung in Paris zeigte. Als die Schau endete, wurden die Exponate versteigert. So kam die Maske in den Besitz des Völkerkundemuseums.

Museum für Völkerkunde Hamburg

Archäologisches Museum Hamburg

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