Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Mann trägt Strickjacke: Christoph Metzelder machts vor

Hamburg (dpa) Als Roger Federer sich mit Strickjacke über seinem Tennisdress auf dem Grün von Wimbledon zeigte, überschütteten ihn die englischen Klatschblätter mit Hohn und Spott.

Mann trägt Strickjacke: Christoph Metzelder machts vor

Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder trägt auf der Modewoche in Berlin eine graue Strickjacke. (Bild: dpa)

Doch kurze Zeit später musste die Yellow Press eingestehen: Das Tennis-Ass liegt damit voll im Trend. Alle namhaften Designer schwören in diesem Herbst und Winter auf die Strickjacke. David Beckham, Orlando Bloom, Robert Downey Jr. kürten sie längst zu ihrem neusten Lieblingsstück. Auch Nationalspieler Christoph Metzelder bewies auf der Berliner Fashion Week Stilsicherheit in grauer Wolljacke, Hemd und Lederschlips.

Dabei ist die einreihige Strickjacke mit V-Ausschnitt - Cardigan genannt - eigentlich ein Veteran der Männer-Garderobe. Lange haftete ihr ein verstaubtes, spießiges Image an - wurde sie doch bevorzugt von älteren Herren getragen, die den Schlabber-Look kultivierten. In den 80er Jahren verhalf das britische Elektropop-Duo OMD dem Cardigan zu neuer Beliebtheit. Aus Protest gegen die Fans, die jedes ihrer Outfits sofort kopierten, zogen sie einfach das Hässlichste an, was sie sich vorstellen konnten: nämlich die Strickjacken aus dem Schrank ihrer Großväter. Und trotzdem fanden sie massenhaft Nachahmer.

Auch die neue Cardigan-Welle entstand als ein Protest gegen modische Konventionen. «Der spießige Look ist zurück, als Gegentrend zu dieser lauten, sportiven, plakativen Mode», erklärt Mara Javorovic vom Fachmagazin «TextilWirtschaft». «Wenn mittlerweile selbst der Vater knallige T-Shirts trägt, möchte der Sohn sich davon absetzen.» Das gepflegte Äußere feiert mit Buntfaltenhosen, klassischen Hemden, exakten Haarschnitten, ordentlicher Rasur und eben der Strickjacke sein Comeback.

Fashion-Victims kombinieren die Strickjacke mit einem Hemd mit kleinen Kragen und einer schmalen Krawatte. «Und immer den untersten Knopf offen lassen», empfiehlt Javorovic. Sie kann aber auch als Alternative zum Dreiteiler dienen, mit Jeans und T-Shirt getragen werden oder bei kühleren Temperaturen den Rollkragenpulli ergänzen. Die Strickjacke ist nicht nur vielseitig, sondern auch äußerst praktisch, wie René Lang vom Verband Deutscher Mode- und Textildesigner betont. «Man kann sie einfach kurz überziehen.»

Das wusste auch schon Helmut Kohl zu schätzen, ein ausgesprochener Liebhaber des wollenen Überziehers. Der frühere Bundeskanzler reiste sogar zu Gesprächen mit Michail Gorbatschow über die deutsche Einheit in schwarzer Strickjacke. Heute hängt das legendäre Stück in Konfektionsgröße 68 im Haus der Geschichte in Bonn - und da ist sie gut aufgehoben.

Denn Strickjacke ist nicht gleich Strickjacke. Angesagt sind nur schmal geschnittene, körperbetonte Modelle aus feinen Materialien wie Cashmere und Mohair. «Die weite Schlabberjacke ist absolut tabu», sagt Modeexpertin Javorovic. Im Herbst und Winter kommen die Cardigans vor allem in gedeckten Farben wie schwarz und grau daher. Zum Sommer hin werden die Farben wieder heller, die Wolle noch leichter und feiner.

Allerdings wird sich der Trend während der warmen Jahreszeit etwas zurückziehen. «Im Herbst 2009 kehrt er aber wieder voll zurück», erläutert Lang. Deshalb lohnt sich jetzt selbst für Einkaufsmuffel der Gang ins Geschäft. Das Modell aus diesem Jahr können sie nämlich nächste Saison problemlos wieder anziehen. «Die Herrenmode ist nicht so schnelllebig wie die Frauenmode.» Und dass die Strickjacke noch länger Trend bleibt, ist ziemlich wahrscheinlich. Denn im Vergleich zum Pulli hat sie einen entscheidenden Vorteil, wie das Buch «Der Gentleman» (Könemann Verlag) weiß: Sie runiniert beim An- und Ausziehen nicht die Frisur.

TextilWirtschaft: www.twnetwork.net

Verband Deutscher Mode- und Textil Designer e.V.: www.vdmd.de

THEMEN

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Leben : Lifestyle

Rock-Stars im Herbst: Glockenform und Kellerfalten

Hamburg (dpa/tmn) Die Sanduhr gilt als Symbol für eine wohlproportionierte Frauenfigur: oben etwas breiter, an der Taille schmal und ab den Hüften wieder weiter. Der weit abstehende, auf der Hüfte sitzende Glockenrock formt das. Er - und andere Rock-Klassiker - kommen wieder in Mode.mehr...

Leben : Lifestyle

Bei High-Waist-Hosen auf die Taschen am Po achten

Brekendorf (dpa/tmn) Diese Saison angesagt sind High-Waist-Hosen. Die können die Figur betonen - und dabei ganz nebenbei von kleinen Problemstellen ablenken. Worauf Frauen achten müssen, wenn sie die modischen Hosen tragen wollen.mehr...

Leben : Lifestyle

Designerin Anja Gockel will Frauen sichtbar machen

Mainz (dpa) Feministin möchte Designerin Anja Gockel nicht genannt werden. Aber für Frauenrechte kämpft sie schon - mit farbenfroher Seide, Tüllröcken, Blumenmuster, Glitzer-Leggins. Diese sollen Sichtbarkeit einfordern.mehr...

Leben : Lifestyle

Wer kann Puffärmel und Schulterpolster gut tragen?

Köln (dpa/tmn) Ärmel mit stark gebauschter Weite sind wieder in Mode - auch bekannt als Puffärmel. Das kann ein schöner Hingucker sein, vorausgesetzt man hat nicht zu breite Schultern und Oberarme. Das gilt auch für Schulterpolster, die nun ebenfalls im Trend liegen.mehr...

Leben : Lifestyle

Von Turn- zum Trendschuh: Das Geschäft mit dem Sneaker-Kult

Kassel (dpa) Hunderte Euro für einen Sportschuh, lange Warteschlangen vor Geschäften: Der Kult um Sneakers treibt merkwürdige Blüten. Die modischen Schuhe sind ein Stück Zeitgeist - und ein Milliardengeschäft.mehr...

Leben : Lifestyle

Streber-Look für alle: «Nerd»-Brillen groß in Mode

Berlin (dpa/tmn) Die Sonnenbrillen haben es vorgemacht - nun geht auch bei den Fassungen für den Alltag der Trend zu Übergrößen. Besonders angesagt seien Modelle, die an die «Streberbrillen» vergangener Jahrzehnte erinnern, so das Kuratorium Gutes Sehen in Berlin.mehr...