Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Massenprotest gegen Waffengewalt bewegt USA

Washington. Die Überlebenden des Schulmassakers von Parkland sind nicht allein. Hunderttausende schließen sich ihrem Protest gegen die Waffenlobby NRA und die Politik an. In bewegenden und kämpferischen Reden machen sie klar, dass sie nicht locker lassen wollen.

/
urn-newsml-dpa-com-20090101-180324-99-624686
Protest gegen Waffengewalt in Parkland, wo ein 19-Jähriger 14 Jugendliche und drei Erwachsene erschossen hatte. Foto: Joe Skipper/AP

urn-newsml-dpa-com-20090101-180324-99-624734
Solidarität in London: Demonstration für strengere Waffengesetze in den USA vor der amerikanischen Botschaft. Foto: Stefan Rousseau/PA Wire

urn-newsml-dpa-com-20090101-180324-99-623834
„Marsch für unsere Leben“ in Washington. Foto: Jose Luis Magana/AP

urn-newsml-dpa-com-20090101-180324-99-624728
Die Proteste begannen direkt nach dem Massenmord in Parkland: Überlebende Schüler der Marjory Stoneman Douglas High School demonstrieren im Florida State Capitol. Foto: Gerald Herbert/AP

urn-newsml-dpa-com-20090101-180324-99-624724
Gedenken: Die Namen der Todesopfer von Parkland sind auf Kerzen geschrieben. Foto: Greg Lovett/Palm Beach Post via ZUMA Wire

urn-newsml-dpa-com-20090101-180324-99-622579
Protest in Sydney: Die Demonstration ist teil einer Veranstaltungsreihe für eine strengere Kontrolle von Waffen. Foto: Danny Casey, AAP

urn-newsml-dpa-com-20090101-180323-99-617802
Die Protestaktion mit dem Titel „Marsch für unsere Leben“ könnte eine der größten in der jüngeren Geschichte der USA werden. Foto: Dirk Shadd/Tampa Bay Times via ZUMA Wire

urn-newsml-dpa-com-20090101-180324-99-622580
Schüler in Sydney, Australien, nehmen mit ihren Familien an einer Demonstration für strengere Waffengesetze in den USA teil. Foto: Danny Casey, AAP

Mit Massenprotesten haben Hunderttausende Menschen in den USA den Druck auf die mächtige Waffen-Lobby und die Politik erhöht.

Mehr als einen Monat nach dem Schulmassaker von Parkland folgten nach Schätzungen allein in Washington mindestens eine halbe Million vorwiegend junge Menschen dem Aufruf zu einem „Marsch für unsere Leben“. Überlebende Schülern des Angriffs vom 14. Februar mit 17 Toten führten die Demonstration an. Unter dem Motto „genug ist genug“ betrauerten die Teenager ihre toten Klassenkameraden und forderten striktere Waffengesetze. In zahlreichen US-Städten und auch im Ausland gab es Solidaritätskundgebungen.

Viele Medien nannten die US-Märsche historisch. Luftaufnahmen zeigten vielerorts ein Meer von Menschen. Die zentrale Kundgebung in Washington war eine der größten in der jüngeren Geschichte der USA. Immer wieder sagten junge Redner und Rednerinnen der mächtigen Waffenlobby NRA den Kampf an - und Politikern, die sich ihr beugen.

Oder sie drückten ihren Protest mit Schweigen aus - wie die Parkland-Schülerin Emma Gonzalez, die mehrere Minuten wortlos vor der Menge stand, um die Dauer der Schüsse in ihrer Schule zu symbolisieren. Zu den besonders bewegenden Augenblicken zählte auch ein Auftritt der neunjährigen Enkeltochter des vor fast 50 Jahren ermordeten schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King.

Die NRA reagierte zunächst nicht auf die großen Protestmärsche, hatte aber kurz vor deren Auftakt ein Video zur Mitgliederwerbung auf Facebook veröffentlicht. Darin hieß es, die Proteste seien nicht spontan, vielmehr steckten „waffenhassende Milliardäre und Hollywood-Eliten“ dahinter. Sie würden Kinder manipulieren und benutzen, um den Verfassungsartikel über das Recht auf Waffenbesitz zu zerstören „und uns das Recht zu nehmen, uns und unsere Lieben zu verteidigen“. Dann wurde dazu aufgerufen, der NRA beizutreten, „um für die Sicherheit unserer Kinder zu kämpfen“.

An der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland (Florida) hatte ein 19-Jähriger am 14. Februar 14 Jugendliche und drei Erwachsene erschossen. Seitdem haben Gonzalez und weitere überlebende Schüler eine Protestbewegung gestartet, der sich immer mehr Menschen anschließen.

Bei der Demo in Washington traten auch Stars wie Miley Cyrus, Ariana Grande und Jennifer Hudson auf. Prominente wie Schauspieler Matthew McConaughey und Ex-Beatle Paul McCartney kamen zu großen Kundgebungen in anderen US-Städten wie Parkland, Chicago, Boston, Philadelphia, Miami, Houston, Los Angeles sowie New York, der Heimatstadt von US-Präsident Donald Trump.

Weltweit gab es ebenfalls Solidaritätsaktionen, so in Sydney (Australien), Tel Aviv (Israel), London (Großbritannien. In Berlin kamen etwa 150 Menschen zum Protest vor dem Brandenburger Tor zusammen. In München versammelten sich 175 bis 200 Teilnehmer, in Hamburg waren es etwa 100 Teilnehmer.

Trump hielt sich am Wochenende auf seinem privaten Luxusanwesen Mar-a-Lago in Florida auf. Das Weiße Haus veröffentlichte jedoch eine Erklärung, in der es hieß: „Wir applaudieren den vielen mutigen jungen Amerikanern, die heute ihr Verfassungsrecht nach Artikel 1 (Recht auf freie Meinungsäußerung) ausüben. Unsere Kinder zu schützen ist eine Top-Priorität des Präsidenten (...).“

Die Parkland-Aktivisten dagegen werfen Trump wie auch dem Kongress vor, nichts gegen die Waffengewalt im Land zu tun. Sie fordern unter anderem ein völliges Verbot von Sturmgewehren für Zivilisten und eine generelle Heraufsetzung des Alters bei Waffenkäufen auf 21 Jahre. Trump hatte zwar diesen Monat unter dem Druck der Proteste ein Maßnahmenbündel zur Schulsicherheit verkündet, aber praktisch nichts zur Verschärfung der Waffengesetze unternommen. Auch der Kongress ist weitgehend untätig geblieben.

Zwar stellte das Justizministerium am Freitag ein Verbot von Schnellfeueraufsätzen in Aussicht, die halbautomatische Waffen zu Maschinengewehren umfunktionieren. Aber diesen Schritt halten die Aktivisten für bei weitem nicht ausreichend.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Panorama

Unbekannter droht - Felseninsel Mont-Saint-Michel evakuiert

Paris. Die bei Touristen beliebte Felseninsel Mont-Saint-Michel in der Normandie ist vorsorglich evakuiert worden. Polizisten riegelten das Unesco-Kulturerbe ab, nachdem ein Unbekannter Sicherheitskräfte bedroht hatte, wie französische Medien berichteten.mehr...

Panorama

Zahl der Straftaten 2017 um fast 10 Prozent gesunken

Berlin. Die gute Nachricht: Die Zahl der erfassten Straftaten ist 2017 so stark zurückgegangen wie seit fast 25 Jahren nicht. Die schlechte: Die Zahl der Gewaltverbrechen geht weniger stark zurück als etwa die der Diebstähle. Und die Zustände an den Schulen verschlechtern sich.mehr...

Panorama

Anstieg von Kriminalität an Schulen gibt Rätsel auf

Hannover. Mehr Prävention und ein guter Draht zur Polizei: Damit hatten deutsche Schulen in den vergangenen Jahren einen stetigen Rückgang von Gewalt und Kriminalität in Klassenräumen und auf Pausenhöfen erreicht. Nun steigen die Zahlen wieder. Wie lässt sich das erklären?mehr...

Panorama

Zeitung: Polizei erschoss im vergangenen Jahr 15 Menschen

Osnabrück. Polizisten haben nach einem Medienbericht im vergangenen Jahr 15 Menschen bei Einsätzen in Deutschland erschossen. Das gehe aus einer Umfrage unter den Innenministerien und Polizeibehörden der Bundesländer hervor, berichtete die „Neue Osnabrücker Zeitung“.mehr...

Panorama

Kriminalität an Schulen nimmt nach langem Rückgang wieder zu

Hannover. Jahrelang sind Kriminalität und Gewalt an der Mehrzahl deutscher Schulen stetig zurückgegangen. Nun registrieren etliche Bundesländer einen erneuten Anstieg.mehr...

Panorama

Zwangspause für Hunderte Flugzeuge nach Triebwerksexplosion

Philadelphia/Frankfurt. Ein Vorfall wie der an der Bord der Southwest-Airlines-Maschine darf sich nicht wiederholen, das ist klar: Ein Triebwerk explodierte, beinahe wurde eine Frau aus einem geborstenen Fenster gesogen. Jetzt sollen Hunderte Maschinen zur Wartung am Boden bleiben.mehr...