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Matthias Lilienthal geht in den Libanon

Berlin (dpa) Zum Abschied geraten die Kritiker ins Schwärmen: Der Berliner Matthias Lilienthal (52) habe mit seinem Theater Hebbel am Ufer die deutsche Theaterlandschaft mehr verändert als jede Großbühne. Nach neun Jahren ist nun für den Intendanten Schluss am «HAU», das ohne festes Ensemble viel von sich reden machte.

Matthias Lilienthal geht in den Libanon

Matthias Lilienthal geht nach Beirut. Foto: Karlheinz Schindler/Archiv

«Ich habe Lust auf etwas Neues», sagte Lilienthal der Nachrichtenagentur dpa. Im September geht er für zehn Monate nach Beirut, ans Ashkal Alwan, ein Institut für bildende Kunst, um Studenten zu unterrichten.

«Das ist für den Nahen Osten ein extremes Prestigeprojekt und für Beirut ein wichtiger Ort», so Lilienthal. Er will zum Beispiel Gäste wie das Dokumentartheater-Projekt Rimini Protokoll und den Künstler Phil Collins in den Libanon einladen.

In Lilienthals Zeit gab es an den drei «HAU»-Bühnen 1000 Produktionen und 2004 den Titel «Theater des Jahres». Grundsätzlich habe er festgestellt, dass man nicht länger als zehn Jahre an einem Theater sein sollte. «Es ist auch gut, wenn man wieder einen freien Blick bekommt.» Im Juli 2014 wird Lilienthal das Festival der Welt in Mannheim leiten.

Gerade läuft eine «Weltausstellung» auf dem alten Flughafen Tempelhof. Und von der avantgardistischen Sängerin Peaches als «Orfeo» bis zum Theater mit vietnamesischen Markthändlern: Die Bühne gilt als sehr experimentierfreudig. Das Doku-Theater, für das das «HAU» bekannt ist, hält Lilienthal aber für sehr ausgebaut. Ihn bewegt, was Berlin betrifft, eher eine «politische Polemik». «Berlin sollte nicht zu einer Stadt verkommen, wo die Bewohner aus der Innenstadt verdrängt werden wie in Paris und London.»

Auf der anderen Seite interessiert Lilienthal das Zusammenwachsen von Kunstformen. «Ich mache keinen Unterschied mehr zwischen Film, Performance, Theater und bildender Kunst. Wenn ich mir die Welt aussuchen könnte: Gebt mir einen Hangar in Tempelhof, baut mir das Ding aus und gebt mir fünf Millionen Euro im Jahr. Wenn mir jemand in einer anderen Stadt etwas Ähnliches bieten will: auch gerne!»

Mit Blick auf die steigenden Mieten in Berlin sagt Lilienthal: «Die Stadt muss sich die Attraktivität für die nächste Generation junger Künstler erarbeiten. Wenn man nichts tut, wird diese Szene wegbrechen.» Und die Höhepunkte am Hebbel am Ufer? Da fallen Lilienthal zwei Stücke ein: Janet Cardiffs Videoprojekt «Ghost Walk» und die Inszenierung von Rimini Protokoll, die eine Aktionärsversammlung von Daimler zum Theaterschauplatz machte.

Seine Nachfolgerin ist die belgische Kuratorin und Produzentin Annemie Vanackere. Was Lilienthal dem Theater wünscht: «Dass es weiterhin diesen wichtigen Stellenwert in der Stadt hat - und dass es sich den politischen und sozialen Konflikten in Berlin nicht verschließt.»

Hebbel am Ufer

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