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Matthias Lilienthal verlässt 2020 die Kammerspiele

München. Die Münchner Kammerspiele gehören zu den renommiertesten Theaterhäusern der Republik. Doch der experimentelle Stil von Intendant Lilienthal trifft nicht jeden Geschmack - vor allem nicht den der CSU.

Matthias Lilienthal verlässt 2020 die Kammerspiele

Matthias Lilienthal verlängert seinen Vertrag nicht. Foto: Tobias Hase

Das von der CSU-Stadtratsfraktion betriebene Aus des Intendanten der Münchner Kammerspiele hat gemischte Reaktionen hervorgerufen.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zeigte sich enttäuscht über das angekündigte Ausscheiden von Matthias Lilienthal. „Mit Blick auf ähnlich ambitionierte Intendanzen, die wegweisende Veränderungen mit sich gebracht haben, hätte ich Matthias Lilienthal etwas mehr Zeit gewünscht“, sagte Reiter am Dienstag in München.

Sein Verständnis von Theater sei manchen zu extensiv, da er programmatisch und in der Form viel Neues wage. Zur Kultur und Kunst gehöre es, dass aus Reibungen mittelfristig Entwicklungen und Relevanz entstünden. „Manchmal erkennt man das erst rückblickend.“

Lilienthal hatte am Montagabend angekündigt, das renommierte Münchner Theater zum Ende seiner Vertragslaufzeit im Sommer 2020 zu verlassen. Er hatte keinen Rückhalt für die Fortführung der Zusammenarbeit gesehen, nachdem sich die CSU-Stadtratsfraktion gegen eine Vertragsverlängerung entschieden hatte. Ohne CSU-Zustimmung hätte es im Stadtrat wohl keine Mehrheit für den Intendanten gegeben.

Man habe an den sinkenden Abo-Zahlen der städtischen Kammerspiele sehen können, dass das Münchner Theaterpublikum Lilienthals „performative und gesellschaftskritische“ Inszenierungen nicht goutiert habe, sagte der kulturpolitische Sprecher der CSU-Stadtratsfraktion, Richard Quaas. „Er eckt mit seinem Stil an, weshalb sich viele dort nicht mehr wohlfühlen.“ Das sei für die Stadt auch in finanzieller Hinsicht schwierig.

Der Kulturreferent hatte sich an die Stadtratsfraktionen gewandt, um ein politisches Signal für eine mögliche Vertragsverlängerung um drei Jahre zu bekommen. Vieles habe für Lilienthal gesprochen, er habe national sowie international positive Reaktionen bekommen. Bis Ende des Jahres solle nun entschieden werden, wer den 58-Jährigen ablösen wird, hieß es vom Kulturreferat.

Die Münchner Grünen bezeichneten das nahende Aus des Intendanten als Verlust für die Theaterszene der bayerischen Hauptstadt. „Nicht alles ist ihm geglückt, doch die Risiken, die er eingegangen ist, haben das kulturelle Leben in München bereichert“, sagte Grünen-Stadtratsfraktionschef Florian Roth. „Welcher visionäre Theatermacher werde noch Lust haben, sich auf die Intendanz in einem derart innovationsfeindlichen Umfeld zu bewerben?“

Lilienthal ist seit 2015 im Amt und gilt als umstritten. Bereits die ersten zwei Jahre waren für ihn eine unruhige Zeit, auch wegen seines Theaterverständnisses: weniger klassisches Sprechtheater, mehr freie Gruppen. Weniger Zuschauer waren die Folge. In seiner zweiten Saison platzte eine Premiere, ein Regisseur warf das Handtuch, mehrere Schauspielerinnen kündigten. Vor seinem Engagement in München war Lilienthal unter anderem Intendant des Theaters Hebbel am Ufer (HAU) in Berlin, das unter seiner Leitung von Kritikern der Zeitschrift „Theater heute“ zweimal zum „Theater des Jahres“ gekürt wurde.

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