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Max Frischs «Antwort aus der Stille» uraufgeführt

Recklinghausen (dpa) Man könnte so viel, wenn man Mut hat», lautet der Schlüsselsatz von Max Frischs kleinem Jugendroman «Antwort aus der Stille» aus dem Jahr 1937. Frank Abt und Meike Schmitz haben ihn jetzt fürs Theater bearbeitet. Abt hat auch Regie geführt, die Uraufführung im Rahmen der Ruhrfestspiele am Donnerstag im Theaterzelt auf Recklinghausens grünem Hügel fand lebhaften Beifall.

Frisch (1911 - 1991) beschreibt einen Konflikt, den er ziemlich offensichtlich selbst durchlitt. Ein nicht mehr ganz junger Mann verzweifelt, weil es ihm bislang nicht gelungen ist, aus der Spur des gewöhnlichen Lebens auszuscheren. Schon mit 17 wollte er etwas Besonderes werden - bislang hat es nicht geklappt. Jetzt geht er ins Gebirge, um auf einem bislang nie gegangenen Weg einen Gipfel zu stürmen.

Ganz deutlich schimmert der Wunsch des jungen Schriftstellers in seinen Mittzwanzigern unter der Erzähloberfläche, etwas wirklich Neues zu schaffen abseits des Bleis der Konvention. Die Fabel ist mit zwei kompliziert-reizvollen Liebesgeschichten verflochten - und im letzten Moment geht alles gut aus. Die Entschlossenheit des jungen Mannes stählt ihn, Todesgefahr zu überstehen. Eine der üblichen Geschichten über die Sehnsucht nach neuen Ufern - Frisch selbst war von seinem Elaborat wenig begeistert. Er wollte seinen Wunsch, Schriftsteller zu werden, aufgeben. Ihm ist es später doch noch gelungen, die Gefilde des Unbetretenen zu erobern. Sein Oeuvre hat die Jahre überdauert, viele seiner Stücke kann man auch heute noch gut spielen.

Dennoch hat sich die Bearbeitung Abts gelohnt. Die Geschichte wird aufgeteilt auf drei wunderbare Darsteller gespielt: Zwei Damen, ein Herr. Sie sind älter, vergegenwärtigen die Geschichte nicht, sondern erzählen sie als Erinnerung. Markwart Müller-Elmau, Katharina Matz und Gabriele Heinz betonen den Aspekt des Lehrstücks: Nehmt Euch was vor! Bleibt nicht beim Gewöhnlichen stehen! Nutzt das Leben, die Zeit, spannt Eure Kräfte an! - Diese optimistische Grundstimmung, die auf die eigenen Kräfte vertraut, belebte und durchzog Frank Abts gesamte Uraufführungsinszenierung, der die Schauspieler Glanz verliehen: «Man könnte so viel, wenn man Mut hat.»

Ruhrfestspiele Recklinghausen

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