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Max Hollein holt Julian Schnabel nach San Francisco

San Francisco. Im August wird der Österreicher Max Hollein Direktor am renommierten New Yorker Metropolitan Museum. Noch ist der langjährige Frankfurter Museumschef in San Francisco - dort zeigt Julian Schnabel nun seine monumentalen Werke.

Gewöhnlich hat die monumentale Rodin-Skulptur „Der Denker“ den riesigen Säulenhof vor dem Legion of Honor-Museum in San Francisco für sich allein. Doch nun teilt der Abguss des berühmten Werkes des französischen Bildhauers Auguste Rodin den Platz mit Julian Schnabel. Der für seine großformatigen Werke bekannte US-Künstler, als einer der bedeutendsten Maler der Gegenwart gefeiert, hält nicht zurück.

Sechs riesige Gemälde - jedes gut 7 mal 7 Meter groß - und drei Gipsskulpturen hat der „Bad Boy“ der New Yorker Kunstszene in San Francisco unter blauem Himmel aufgebaut. Dazu mischen sich drinnen acht Gemälde aus drei Schaffensphasen, zurück bis 1990, in die Rodin-Galerien des für antike und europäische Kunst berühmten Museums. 

Es ist die erste Schau des Neo-Expressionisten in Kalifornien seit über 30 Jahren. Der gebürtige Österreicher Max Hollein (48), seit 2016 Museumschef in der Westküstenmetropole und zukünftiger Direktor am renommierten New Yorker Metropolitan Museum, hat den 66-jährigen Maler, Regisseur und leidenschaftlichen Surfer eingeladen. Zur Ausstellungs-Eröffnung am Donnerstag schenkte ihm Schnabel ein Surfer-T-Shirt mit der Aufschrift „Wave Warriors“ (Wellen-Kämpfer). Und er lobte Hollein als Visionär, „der über den Tellerand schaut“.

„Als er mir vorschlug, mir die Räumlichkeiten anzuschauen und etwas anzufertigen, habe ich sofort Ja gesagt. Ich vertraue ihm vollkommen“, sagt Schnabel im dpa-Interview über Hollein. Sie kennen sich bereits seit den 1990er Jahren, als Hollein seine Laufbahn am Guggenheim Museum in New York startete. „Ich schätze seine Arbeit sehr und habe 2004 in Frankfurt eine große Retrospektive seiner Gemälde gemacht“, sagt der frühere Chef der Kunsthalle Schirn und des Städel Museums über Schnabel. „Einer meiner letzten großen Einkäufe für das Städel waren drei große Werke von Schnabel.“

Seit den 1980er Jahren experimentiert der Künstler mit ungewöhnlichen Materialien: vorgefundene Stoffe wie Sackleinen, Markisen, Zeltplanen oder Porzellanscherben bearbeitet er mit Öl, Wachs und Gipsbindemitteln. Für die Installation im Legion of Honor wurde Schnabel auf einem Gemüsemarkt in Mexiko fündig. Er kaufte ein von der Sonne verblichenes Zeltdach. „Ich habe ein gutes Geschäft gemacht, aber habe ihnen für das Material mehr gezahlt, als sie verlangten, denn mir war das viel wert“, erzählt Schnabel.

Die Stoffstreifen in Grau, Lila und Rosatönen nähte er zu riesigen Quadraten zusammen. Mit einem Pinsel an einer langen Stange befestigt, teils von einer Leiter, bemalte er die Flächen mit weißen Figuren. „Die Farben sind verblüffend“, schwärmt Schnabel über die wettergegerbten Stoffe. Die von der Sonne verblichenen Stellen würden den Werken etwas „Malerisches“ geben. Solche Fundstücke, die andere vielleicht als Weggeworfenes ansehen, seien für ihn so etwas wie der „Schatz der Sierra Madre“, sagt Schnabel.

Zwei Werke aus seiner „Jane Birkin“-Serie von 1990 teilen sich mit Rodin-Skulpturen aus den 1880er Jahren einen Raum. Als Leinwand dienten alte Segel, die er auf einer Ägypten-Reise gekauft hatte. Ein Foto einer ausgestopften Ziege in seinem New Yorker Studio war die Vorlage für drei weitere monumentale Werke, kombiniert mit einer Tapete aus dem Jahr 1850, auf Polyester vergrößert, mit Farbe übermalt.

Für Hollein ist Schnabel „ein absolut offener Mensch und Künstler, ein 'Receiver'“, der alles von seiner Umgebung aufnimmt. „Alles kann die Vorlage für ein Gemälde sein“, pflichtet Schnabel bei. 

Die Ausstellung „Julian Schnabel: Symbols of Actual Life“ ist Teil einer Museumsinitiative, bei der sich zeitgenössische Künstler mit dem historischen Gebäude und der Sammlung auseinandersetzen. „Das ist eine Qualität, die ein Museum haben sollte. Es sollte ein Empfänger von neuer Kunst sein, auch im Dialog mit dem, was schon in den Räumen ist“, erklärt Hollein.

Und was würde „Der Denker“ von Rodin wohl darüber denken? „Was immer er möchte“, schmunzelt Schnabel vor der großen Statue. Dem New Yorker Künstler scheint die neoklassische Kulisse des Legion of Honor für seine eigenen Werke zu gefallen. „Wir werden alle irgendwann krank werden und sterben, aber bis dahin können wir glückselige Momente erleben. Als Maler oder Bildhauer passiert das, wenn man seine Arbeit in einem Umfeld sieht, das einem gefällt. Dies hier ist ein riesiges Geschenk für mich.“

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