Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

McLaren und Co. enthüllen Russland-Skandal

Frankfurt/Main. Mit Enthüllungen und Ermittlungen haben sie die Doping-Machenschaften in Russland aufgedeckt. Die Kronzeugen Julia Stepanowa und Grigori Rodschenkow sowie die Ermittler Richard Pound und Richard McLaren haben die Sportwelt erschüttert - und sich Anfeindungen ausgesetzt.

McLaren und Co. enthüllen Russland-Skandal

Richard McLaren bei einer Anhörung im Bundestags-Sportausschuss im April 2017 in Berlin. Foto: Maurizio Gambarini

Zwei Whistleblower und zwei Anwälte haben das flächendeckende, staatlich unterstützte Doping in Russland und die unfassbare Manipulationen bei den Winterspielen 2014 in Sotschi aufgedeckt.

Ohne die Enthüllungen der russischen Kronzeugen Julia Stepanowa und Grigori Rodschenkow sowie die akribischen Ermittlungen der kanadischen Juristen Richard Pound und Richard McLaren wäre der unfassbare Betrug in der Sportgroßmacht nicht ans Tageslicht gekommen.

„Das Quartett hätte den höchsten Orden und mehr Wertschätzung vom Internationalen Olympischen Komitees verdient“, meinte Anti-Doping-Experte Clemens Prokop. Mit ihrem Einsatz hätten die Vier - trotz aller Anfeindungen aus Russland - einen hohen Maßstab in puncto „Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit im Sport“ gesetzt.

In der ARD-Dokumentation „Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht“ schilderte im Dezember 2014 die Ex-Weltklasseläuferin Julia Stepanowa das systematische Doping in der Leichtathletik ihres Landes. Damit gab sie die Initialzündung für Ermittlungen der Welt-Anti-Doping-Agentur in Russland, die offenbarten, dass das ganze Sportsystem auf Betrügereien aufgebaut war.

Auf die Frage, ob die Ergebnisse der Untersuchung zur Leichtathletik nur die Spitze eines Eisbergs sein könnten, entgegnete WADA-Ermittler Pound bei der Präsentation seines schon schockierenden Reports: „Ich fürchte, Sie haben recht.“ Neben ihm saß Richard McLaren, der dabei den ersten Blick in den russischen Doping-Abgrund werfen konnte. Der Pound-Bericht veranlasste den Weltverband IAAF, Russlands nationalen Leichtathletik-Verband zu suspendieren und von den Olympischen Spielen 2016 in Rio auszuschließen. Die Sperre ist bis heute nicht aufgehoben worden.

So konsequent reagierte das IOC nicht auf den danach folgenden ersten McLaren-Report über ein System von Staatsdoping in Russland von 2011 bis 2016, in dem auch über Austausch und Manipulation von Doping-Proben eigener Athleten im Analyselabor der Winterspielen 2014 in Sotschi berichtet wurde. Das IOC verzichtete auf einen kompletten Bann der Russen von den Rio-Spielen.

WADA-Sonderermittler McLaren profitierte auch vom Insiderwissen Rodschenkows. Der Chemiker war von 2006 bis 2015 Leiter des Moskauer Labors und einer der Schlüsselfiguren des Dopings in seinem Land. Rund 1000 russische Athleten sollen selbst gedopt oder von der Doping-Verschleierung durch den Staat profitiert haben, berichtete McLaren.

Ausgepackt hatte Rodschenkow zunächst im Mai 2016 in der „New York Times“. Außerdem war er zentrale Figur der Dokumentation „Icarus“. Rodschenkow und auch Stepanowa mussten nach ihren Enthüllungen Russland verlassen, weil sie sich dort nicht mehr sicher fühlten. Stepanowa und ihr Mann Witali wurden als Verräter beschimpft.

„Wenn uns etwas passiert, sollten Sie alle wissen, dass dies kein Unfall war“, sagte Stepanowa nach ihrer Flucht. Bei den Rio-Spielen wurde der ehemaligen Dopingsünderin der Olympia-Start verweigert, inzwischen wird sie vom IOC finanziell unterstützt.

Rodschenko, den Russlands Präsident Wladimir Putin als „Mann mit einem skandalösen Ruf“ bezeichnete, lebt in den USA unter Zeugenschutz. Die WADA-Ermittler McLaren und Pound wurden aus Russland als Verräter oder Idioten beschimpft - und der Wahrheitsgehalt ihrer Berichte wird bis heute geleugnet.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Hintergründe

Trümmer statt Taten: Die Unsicherheitskonferenz

München. Die nordkoreanische Atomkrise, das Pulverfass Nahost und der Konflikt mit Russland: 48 Stunden lang wird bei der Sicherheitskonferenz in München gerungen, gedroht und gestritten. Danach herrscht vor allem eines: Ratlosigkeit.mehr...

Hintergründe

Vier Dinge, die keiner in München auf dem Zettel hatte

München. Die Münchner Sicherheitskonferenz ist ein Ereignis der Superlative. Mehr als 500 Politiker und Experten beraten 48 Stunden lang über die Krisen dieser Welt. Das Treffen wird ein Jahr lang minutiös geplant. Dennoch geschieht immer wieder Unerwartetes auf dem Münchner Parkett. Überraschungen der diesjährigen Konferenz:mehr...

Hintergründe

Köpfe der Münchner Sicherheitskonferenz

München. Am letzten Tag der Münchner Sicherheitskonferenz stehen die großen Konflikte im Nahen und Mittleren Osten im Mittelpunkt. Zeigen sich entscheidende Politiker gesprächsbereit? Auf die Worte der folgenden drei dürfte es besonders ankommen:mehr...

Hintergründe

Darum geht es bei der Sicherheitskonferenz

München. Es ist das wohl wichtigste informelle Treffen zur Sicherheitspolitik weltweit: 20 Staats- und Regierungschefs und mehr als 80 Minister werden zur Münchner Sicherheitskonferenz erwartet. Gespannt sein darf man aber auch auf eine Handvoll „lahmer Enten“.mehr...

Hintergründe

Köpfe der Sicherheitskonferenz

Berlin. Hunderte Gäste, darunter Staats- und Regierungschefs, Außen- und Verteidigungsminister, auf einer Bühne. Ein Überblick über die neun wichtigsten Player in München.mehr...

Hintergründe

Hoffnung für Yücel?

Belgrad. Als Deniz Yücel vor einem Jahr festgenommen wurde, war Sigmar Gabriel gerade zwei Wochen Außenminister. Der Fall wurde zum wichtigsten Thema seiner Amtszeit. Nun steht vielleicht das Ende der Haft Yücels bevor - gleichzeitig mit dem Ende der Amtszeit Gabriels?mehr...