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Megafon-Festival lockte junges Publikum in die Innenstadt

Spielwiese der Künste

Megafon ist mittlerweile nicht mehr nur Theaterfestival, sonder auch Ort der wissenschaftlichen Auseinandersetzung, für Ausstellungen und Konzerte. Die innerstädtische Rotunde wurde so einmal mehr Spielplatz für viele Kunstformen.

BOCHUM

von Von Max Florian Kühlem

, 18.06.2012
Megafon-Festival lockte junges Publikum in die Innenstadt

Mit Performances, Ausstellungen und Musik lockte das Megafon-Festival viel junges Publikum in die Innenstadt.

Das Internationale Videofestival an der Ruhr-Universität musste in diesem Jahr wegen fehlendem Engagement abgesagt werden. Gerade vor diesem Hintergrund ist es höchst erfreulich, dass sich genug aktive Studierende gefunden haben, die neben ihren Bachelor- und Masterstudiengängen noch Zeit fanden, das Festival Megafon zu organisieren.

Vor einem Konzert der großartigen Instrumental-Rockband Weird Wired und neben einer witzigen und klugen Grafik-Ausstellung von Wasted Rita zeigte am Eröffnungstag die Bochumer Truppe Orenda Fail dort noch einmal ihr Stück „Allein die Dosis macht das Gift“. Am Anfang steht die Irritation: Mit der zahnlosen Beschimpfung eines heutigen Theater-Publikums, das alles hinnimmt, in altertümlichem Sprachgestus und schülertheaterhafter Betonung. Der Clou an Orenda Fails Inszenierung: Irgendwann fragt sich der Zuschauer, ob das vielleicht gewollt war. Immer wieder stellt die Truppe Lustlosigkeit aus, führt eine Medien- und Kommunikationsgesellschaft vor, in der jeder sendet und sich alles versendet, aber jede Haltung zur Egal-Haltung verkümmert.

Eine ähnliche Anfangs-Irritation bot die Performance „20% mehr Inhalt - Limited Edition“ des Freien Künstlerkollektivs Annette & Annette in der Galerie chrom: Minutenlang wurde da praktisch betonungsfrei eine Einführung in die Theorie des Konsums verlesen. In der Folge kam jedoch Leben in das Geschehen im bewundernswert detailliert ausgestatteten Raum. Spielerisch formulierten die drei Performerinnen eine Konsumkritik, die allzu plakative Aussagen immer mit einem geschickten Umweg umschiffte und am Ende mit riesigem Applaus bedacht wurde. Megafon war eine freie Spielwiese der Künste ohne Anspruch auf perfekte Darbietungen und ein wichtiges, leider seltenes innerstädtisches Signal dafür, dass Bochum Universitätsstadt ist.