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Mehr als 12 000 Gäste beim Erlanger Poetenfest

Erlangen (dpa) - Mehr als 12 000 Bücherfreunde sind am Wochenende zum 28. Poetenfest nach Erlangen gekommen. Was die Schriftsteller bei Sommerwetter in der mittelfränkischen Stadt vorstellten, reichte von Biographien und politischen Büchern über Liebeslyrik bis hin zu feministischer Literatur.

«Ein übergeordnetes Thema gibt es bei uns ganz bewusst nicht», sagte Veranstalter Bodo Birk. «Die dramaturgische Abwechslung auf dem Podium ist uns wichtig.»

Der Autor Kurt Drawert verlegte in seinem Roman «Ich hielt meinen Schatten für einen anderen und grüßte» die DDR kurzerhand unter die Erde in eine Art Vorhölle. Unter den Schriftstellern, die einem durchweg eher älteren Publikum im Erlanger Schlossgarten aus ihren aktuellen Werken vorlasen, waren mit mit Marcel Beyer, Judith Kuckart, Norbert Niemann, Hans Pleschinski, Ingo Schulze und Uwe Timm 6 der 20 für den Deutschen Buchpreis nominierten Autoren vertreten. Der türkische Schriftsteller Feridun Zaimoglu hatte seine Teilnahme am Fest wegen Krankheit kurzfristig absagen müssen. Auch Bachmann- Preisträger Tilman Rammstedt konnte wegen Krankheit nicht kommen.

Auf dem «Jungen Podium» traten Kinder- und Jugendbuchautoren auf, darunter die preisgekrönte Schriftstellerin Mirjam Pressler («Bitterschokolade»). Sie las aus ihrem aktuellen Buch «Golem stiller Bruder» vor, in dem sie die Geschichte des 15-jährigen Jankel erzählt, der im Prag des 16. Jahrhunderts Freundschaft mit dem künstlich aus Lehm geschaffenen Josef schließt. «Es fällt mir auch mit fortgeschrittenem Alter nicht schwer, aus der Sicht eines Kindes zu schreiben. Sobald die Hauptperson jung ist, schreibe ich auch so», sagte die im Jahr 1940 in Darmstadt geborene Autorin am Rande der Veranstaltung im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Das viertägige Poetenfest war am Donnerstag mit einem Autorenporträt der Österreicherin Marlene Streeruwitz eröffnet worden. Die in Baden bei Wien geborene Schriftstellerin, die neben Elfriede Jelinek zu den einflussreichsten Feministinnen im Literaturbetrieb zählt, stellte ihren neuen Roman «Kreuzungen.» vor. Mit der Arbeit an diesem Roman hatte sie drei Wochen nach der Wahl von Nicolas Sarkozy zum französischen Präsidenten im Frühjahr 2007 begonnen. Sie beschäftigt sich darin mit einem neuen Männertypus, für den Macht und Geld nicht nur Statussymbole sind, sondern Teile der Persönlichkeit. Das Buch ist in einen silberfarbenen Umschlag eingefasst, in dem der Leser sein Spiegelbild erkennt.

Der diesjährige Büchner-Preisträger Josef Winkler («Das wilde Kärnten») gab in einer sehr persönlichen Lesung einen tiefen Einblick in sein preisgekröntes Werk, das sich in erster Linie mit den Themen Herkunft, Tod und Katholizismus beschäftigt. Er erzählte von seiner Zeit als Messdiener, als «kleiner, weiß-rot gekleideter Transvestit» in seinem kleinen Heimatdorf in Kärnten und las aus seinem Buch «Roppongi. Requiem für einen Vater», in dem er den Tod des eigenen Vaters, zu dem er zeitlebens ein sehr gespanntes Verhältnis hatte, verarbeitet hat.

Den Höhepunkt des Festes bildete aber der Auftritt Volker Schlöndorffs im ausverkauften Markgrafentheater. Vor 650 Zuhören erzählte der Filmregisseur («Die Blechtrommel») sehr offen und persönlich und las in seiner ersten öffentlichen Lesung aus seiner Autobiografie «Licht, Schatten und Bewegung». Der Filmemacher trug sich auch ins Goldene Buch der Stadt ein.

Mit Spannung erwartet wurde auch der Auftritt des türkischen Schriftstellers Murathan Mungan am Sonntagabend. Der Autor, der sich offen dazu bekennt, schwul zu sein und sich als «Sprachrohr der Minderheiten» versteht, wird in seiner Heimat bereits wie ein Popstar verehrt. Dort hat er bereits 50 Bücher veröffentlich. Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse, auf der die Türkei Gastland ist, kommt in Deutschland erst sein zweites Buch mit dem Titel «Tschador» auf den Markt. Im Gespräch mit der dpa sprach Mungan von einem «verspäteten kulturellen Kennenlernen» der Türkei.

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