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Mehr als 150.000 länger als fünf Jahre ohne Job

Berlin. Hunderttausende Menschen sind lange ohne Beschäftigung, viele über Jahre. Die künftigen Koalitionspartner wollen das ändern. Doch ihre Pläne stoßen auf geteiltes Echo.

Mehr als 150.000 länger als fünf Jahre ohne Job

Viele Arbeitnehmer sind über Jahre ohne Beschäftigung. Foto: Jan Woitas

Trotz kräftiger Konjunktur sind im vergangenen Jahr mehr als 150.000 Arbeitslose fünf Jahre und länger ohne Job gewesen.

Ihre Zahl schwankte im Jahresdurchschnitt zwischen 176.140 im Jahr 2008 und 153.950 im Jahr 2017, wie aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervorgeht, auf die die Linke im Bundestag aufmerksam machte. Den niedrigsten Wert gab es in dieser Zeit im Jahr 2012 mit 138.215 Betroffenen.

Insgesamt gab es im Januar mehr als 868.000 Langzeitarbeitslose - also Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos waren, darunter 487.000 ohne abgeschlossene Ausbildung. Ihre Zahl hatte über Jahre bei rund einer Million verharrt, bevor sie vor gut eineinhalb Jahren zu sinken begann. BA-Chef Detlef Scheele plant, die Zahl bis Ende des Jahres auf unter 800.000 zu drücken.

Union und SPD wollen in einer neuen Koalition das Problem vorrangig angehen, wie Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) am Mittwoch ankündigte. „Wir wollen Vollbeschäftigung in unserem Land“, sagte er. „Langzeitarbeitslose sind eine besondere Herausforderung.“

Geplant sind dabei auch Lohnkostenzuschüsse für einen sozialen Arbeitsmarkt. Das heißt: Der Staat bezahlt einen Teil des Lohns, damit die Betroffenen nicht länger arbeitslos sind. Bis zu 150 000 Menschen sollen davon profitieren, vier Milliarden Euro zusätzlich sind dafür vorgesehen.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kritisiert den Plan eines sozialen Arbeitsmarkts. „Wir halten das für problematisch und riskant“, sagte IW-Beschäftigungsexperte Holger Schäfer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Es sei zweifelhaft, ob staatlich bezahlte Jobs wirksam zu einer Eingliederung auf dem normalen Arbeitsmarkt führten.

Die Linke-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann hingegen forderte Union und SPD zu einer weitergehenden „Kehrtwende in der Arbeitsmarktpolitik“ auf. „Wir fordern die Einrichtung eines öffentlichen geförderten Beschäftigungssektors mit 200.000 voll sozialversicherungspflichtigen existenzsichernden Arbeitsplätzen“, sagte Zimmermann der dpa. Trotz Beschäftigungszunahme habe sich für viele Langzeiterwerbslose keine Verbesserung eingestellt. Hunderttausende würden aufs Abstellgleis geschoben. „Das ist ein echter Skandal.“

IW-Experte Schäfer hingegen meinte, Betroffene, die einen staatlich bezahlten Job bekämen, reduzierten ihre eigenen Bemühungen auf dem normalen Arbeitsmarkt. „Stattdessen erscheint es angebracht, die Bemühungen um die Aktivierung zu intensivieren“, heißt es in einem IW-Bericht vom Februar. Nötig seien ein ausreichendes Budget für die Jobcenter und mehr Kontakte zwischen Arbeitslosen und Fallmanagern.

„Niemand ist auf Dauer völlig chancenlos“, sagte Schäfer. Betroffen sind laut dem Institut oft Menschen geringer Qualifikation, Ältere und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Für sie staatliche Jobs zu schaffen, komme aber eine Kapitulation gleich. Besser sei es, Langzeitarbeitslose weiterzubilden, sich um sie zu kümmern, auch individuelle Probleme wie etwa Verschuldung mit ihnen zu lösen.

Laut BA-Statistik beträgt die durchschnittliche bisherige Dauer der Erwerbslosigkeit allgemein im vergangenen Jahr 490 Tage. 2008 waren es noch 525, im Jahr mit dem niedrigsten Wert seither 451 Tage 2010.

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