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Mehr als 30 Tote bei Anschlag in Pakistan

Islamabad (dpa) Bei einem verheerenden Selbstmordanschlag vor einem Krankenhaus in Pakistans unruhiger Nordwest-Grenzprovinz sind mindestens 32 Menschen ums Leben gekommen, darunter zwei Polizisten.

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Zerrissenes Pakistan: Die Erstürmung der Roten Moschee sollte die Extremisten zum Schweigen bringen (Archivfoto vom 12.07.2007).

Pakistan testet eine atomwaffentaugliche Mittelstreckenrakete vom Typ Ghauri (Foro vom 1.2.2008).

Pakistans Präsident Pervez Musharraf steht im politischen Kreuzfeuer.

Pakistans Produktionsanlage für Plutonium in Khushab (Archiv).

Das Militär war stets die Machtbasis von Pervez Musharraf (Archivbild).

Musharrafs Gegenspieler: Der pakistanische Premierminister Yousaf Raza Gilani (l.) im Gespräch mit Luftwaffen-Chef Tanvir Mahmud Ahmed.

Weltweite Trauer: In der pakistanischen Botschaft in London trägt sich eine Frau ins Kondolenzbuch für Benazir Bhutto ein (Archiv).

Eine Nation im Schockzustand: Begräbnis der ermordeten Ex-Premierministerin Benazir Bhutto am 28.12.2007.

Eine Nation im Schockzustand: Begräbnis der ermordeten Ex-Premierministerin Benazir Bhutto am 28.12.2007.

Wie der örtliche Polizeichef, Naveed Malik, am Dienstag mitteilte, wurden mindestens 20 weitere Menschen zum Teil schwer verletzt. Medien berichteten von bis zu 45 Verletzten. Nach Angaben der Polizei sprengte sich der Attentäter in der Stadt Dera Ismail Khan vor der Notaufnahme der Klinik inmitten einer Menschenmenge in die Luft.

Die dort versammelten Menschen trauerten um einen getöteten schiitischen Stammesführer. Der Leichnam des Mannes, der von Unbekannten erschossen worden war, sollte in dem Krankenhaus obduziert werden. Ein Polizeisprecher sagte, der Anschlag sei «detailliert geplant» gewesen. Mit dem ersten Mord hätten die Drahtzieher zahlreiche Schiiten dazu gebracht, sich zu versammeln. Dann sei diese Versammlung von dem Selbstmordattentäter angegriffen worden.

Die Taliban-Bewegung (Tehrik-e-Taliban), die als pakistanischer Ableger der in Afghanistan aktiven radikalislamischen Taliban gilt, bekannte sich zu dem Anschlag. Im Sender DawnNews kündigte Taliban-Sprecher Maulvi Omar weitere Anschläge an, sollten die Sicherheitskräfte ihre Militäroperationen in den an die Region Dera Ismail Khan grenzenden Stammesgebieten nicht beenden.

Die Region an der Grenze zu Afghanistan gilt als Hochburg der Extremisten und Rückzugsraum für im Nachbarland aktive Taliban-Kämpfer und El-Kaida-Terroristen. Zudem kommt gibt es immer wieder zu blutigen Unruhen zwischen der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit und Schiiten. Allein in den vergangenen zwei Wochen starben in der Region mehr als 200 Menschen bei Kämpfen verfeindeter Muslim-Gruppen.

Einen Tag nach dem Rücktritt des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf hat die Regierungskoalition die mit Spannung erwartete Entscheidung über eine Wiedereinsetzung von mehr als 60 entlassenen Richtern verschoben.

Nach Medienberichten konnten sich Spitzenpolitiker der Pakistanischen Volkspartei (PPP) und der Muslim-Liga (Nawaz/PML-N) bei Gesprächen in Islamabad nicht darauf verständigen, wann die von Musharraf nach Verhängung des Ausnahmezustands im vergangenen Herbst entlassenen Juristen auf ihre Posten zurückkehren sollten.

Kleinere Koalitionspartner müssten nun zwischen PPP-Chef Asif Ali Zardari und Ex-Premier Nawaz Sharif von der PML-N vermitteln, berichtete der Sender DawnNews. «Wir haben 72 Stunden Zeit, in denen wir das Problem lösen müssen», erklärte Maulana Fazalur Rehman von der Partei Jamiat Ulema-e-Islam. DawnNews zitierte zudem Parteikreise der Muslim-Liga, die von einem «24-stündigem Ultimatum» Sharifs an die Volkspartei berichteten. Sollte die Richter innerhalb dieser Zeit nicht wieder im Amt sein, werde die PML-N in die Opposition gehen, hieß es. Die PPP äußerte sich bislang nicht.

Vor Beginn der Gespräche hatten sich Vertreter beider Parteien noch optimistisch gezeigt. Eine Entscheidung könnte noch am Dienstag fallen, sagte PPP-Justizminister Farooq Naek. Ein Sprecher der Muslim-Liga erklärte, die entlassenen Richter würden «heute oder morgen» (Dienstag oder Mittwoch) wieder eingesetzt. Seit den Parlamentswahlen im Februar gibt es immer wieder Streit zwischen den Koalitionspartner in dieser Frage. Während Sharif die bedingungslose Wiedereinsetzung der Richter fordert, verfolgt die PPP einen moderateren Kurs.

Nach Regierungsangaben sollte bei den Gesprächen auch über einen Nachfolger für Musharraf diskutiert werden. Zuvor hatte PPP-Chef Zardari bereits angedeutet, dass das künftige Staatsoberhaupt aus den Reihen des großen Koalitionspartners, also seiner Partei, kommen müsse. Es wird jedoch erwartet, dass die Muslim-Liga einen eigenen Kandidaten präsentieren wird. Laut Verfassung bleiben dem Parlament 30 Tage Zeit, um ein neues Staatsoberhaupt zu bestimmen. So lange führt der Vorsitzende des Oberhauses, Mohammedmian Soomro, als Übergangspräsident die Amtsgeschäfte.

Musharraf war am Montag zurückgetreten. Mit dem freiwilligen Rückzug kam der ehemalige Armeechef einem Verfahren zur Amtsenthebung zuvor, das die aus seinen politischen Gegnern zusammengesetzte Regierungskoalition gegen ihn eröffnet hatte. Unklar ist weiterhin, ob Musharraf, wie von pakistanischen Medien berichtet, ins Ausland ins Exil gehen wird.

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