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Essener Polizei ermittelt weiter

Menschen steigen über Sterbenden - Bischof entsetzt

ESSEN Entsetzte Reaktionen ruft der schockierende Fall von unterlassener Hilfeleistung in Essen hervor. Vier Personen waren im Vorraum einer Bankfiliale über einen zusammengebrochenen Mann hinweggestiegen, ohne ihm zu helfen. Der Mann starb später. Essens Bischof und der Oberbürgermeister zeigten sich am Wochenende entsetzt.

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Der 82-jährige Rentner war in dem Vorraum der Bank zusammengebrochen. Niemand half. Der Mann starb später.

Ein krasser Fall von unterlassener Hilfeleistung beschäftigt die Essener Polizei. Sie ermittelt gegen vier Personen, die am 3. Oktober im Vorraum einer Bankfiliale über einen zusammengebrochenen Mann hinweggestiegen sind, ohne ihm zu helfen.

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat sich bestürzt über den Fall eines zusammengebrochenen alten Mannes geäußert, der im Vorraum einer Bank von vier Kunden ignoriert wurde. „Mir geht dieser tragische Fall von unterlassener Hilfeleistung sehr nahe“, teilte der katholische Bischof am Sonntag mit. „Ich glaube ganz fest, dass ohne echte Barmherzigkeit keine Gesellschaft letztlich existieren kann.“ Wenn eher eingegriffen worden wäre, hätte der Tod des Mannes möglicherweise verhindert werden können.

Der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) äußerte sich "nachdenklich und betroffen zugleich“. „Statt einen Rettungswagen oder die Polizei zu alarmieren, wird notwendige Hilfe unterlassen“, kritisierte er. Die Essener Polizei sucht unterdessen weiter nach den vier Bankkunden, die dem 82 Jahre alten Rentner nicht geholfen hatten und dabei von Überwachungskameras gefilmt worden waren. Erst der fünfte Kunde wählte den Notruf. Der Mann starb später im Krankenhaus. 

Der Rentner wollte am Nachmittag des 3. Oktobers an einem der Kundenterminals Überweisungen tätigen. Dabei geriet er in eine medizinische Notfallsituation. Er fiel zu Boden und blieb mitten in dem Vorraum der Bank in Essen-Borbeck liegen. Einige Menschen ignorierten seinen offensichtlich hilflosen Zustand und leisteten keine Hilfe.

Im Gegenteil: "Teilweise gingen sie nah an dem Sterbenden vorbei oder stiegen hinüber, um ihre eigenen Finanzgeschäfte durchzuführen", berichtete die Polizei am Freitag. Anschließend hätten die Kunden den Vorraum wieder verlassen. Die Szenen wurden von einer Überwachungskamera festgehalten.

Mann starb vergangene Woche

Auf den Videoaufnahmen ist laut Polizei zu sehen, wie etwa fünf Minuten nach dem Zusammenbruch die erste Person den Vorraum betritt und sich nicht um den Mann kümmert. Dieser habe mitten in dem Raum gelegen und sei gut gekleidet gewesen, sagte ein Sprecher. Die vier Kunden seien auf dem Weg zum Geldautomaten über den Mann hinüber gestiegen, hätten einen großen Bogen um ihn herum gemacht oder seien auch nah an ihm vorbeigegangen.

Die vier hätten nacheinander den Raum betreten, zwei Kunden hätten den Vorraum fast gleichzeitig wieder verlassen. Der vierte Kunde verließ etwa 19 Minuten nach dem Zusammenbruch die Filiale. Erst der fünfte holte Hilfe.

Bitte um Selbstverständliches

Ein von der Polizei veröffentlichtes Foto zeigt den dunkel gekleideten Mann auf der Seite liegend. Ein Schriftstück liegt auf dem Boden, halb verdeckt durch seine offene Jacke. Der 82 Jahre alte Mann kam nicht mehr zu Bewusstsein und starb vergangene Woche. Zum Schutz der Angehörigen wird auf die Schilderung weiterer Details verzichtet, sagt Polizeisprecherin Tanja Horn.

Das Kriminalkommissariat 11 der Essener Polizei ermittelt nun gegen mindestens vier Personen wegen Unterlassener Hilfeleistung. Polizei und Rettungsdienste baten in der Pressemitteilung um eigentlich Selbstverständliches: „Schauen Sie hin! Wählen Sie 110 oder 112 und retten Sie das Leben Ihrer Mitmenschen.“ 

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