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Berliner Band im Interview

Mia: "Ich brenne nicht dafür, es allen recht zu machen"

BERLIN Die Berliner Mia um die quirlige Mieze Katz (bürgerlich: Maria Mummert) gehören zu den wenigen Bands, die deutsche Musikgeschichte geschrieben haben. Ihr Sound ist stilprägend und vibriert zwischen Elektro, Pop und Punk.

Mia: "Ich brenne nicht dafür, es allen recht zu machen"

Bunt und schrill: Mieze Katz, Sängerin der Berliner Band Mia.

Zur Live-Premiere des neuen Album „Biste Mode“ luden Mia in ihren Proberaum im Osten Berlins ein. Schaumstoff an der Wand dämmt die Lautstärke, alte Lampen sorgen für Gemütlichkeit, Pop-Art-Kunstwerke mit den Konterfeis der vier Musiker prangern unübersehbar an Wänden und hinter Verstärkern. Ein Interview mit Sängerin Mieze Katz.

Auf dem Album mit dem zweideutigen Titel „Biste Mode“ stellen Sie sich die Frage, ob Sie denn in Mode sind oder nicht. Geht es Ihnen darum, mit Ihrer Musik den Zeitgeist zu treffen oder nicht?

Ich persönlich strebe keinem Zeitgeist nach. Es ist eher immer wieder eine Identitätsfindung für jeden einzelnen von uns. Aber das größte Experiment ist: Wer sind wir zusammen? Was ist unsere Identität nach 18 Jahren? Für mich ist das etwas viel Persönlicheres als sich an dem großen Wort „Zeitgeist“ zu messen. Falls es so etwas gibt, dann ist es ein persönlicher Zeitgeist.

Wie funktioniert die Chemie, die Mia am Laufen hält?

Ich finde es ganz wichtig, dass unsere Abteilung Musik Strömungen aufnimmt oder verwirft, aber die Abteilung Text operiert immer vom Herzen aus. Das ist einfach meine Kraft. Genau diese Kombination macht uns aus.

Songs wie „Geld“ oder „Nein! Nein! Nein!“ klingen sehr zornig. War Wut bei diesem Album eine Triebfeder?

Wut ist tatsächlich eine Strömung in dem Album, aber auch Liebe, Melancholie und Neugierde. Letzteres ist sogar eine sehr wichtige Triebfeder gewesen. Die Wut, auf der Mia gründet, haben wir mit diesem Album wieder ein stückweit erkannt. Musik ist ein tolles Transportmittel für Wut, weil sie eine nach vorne gerichtete Energie ist und sich gerade auf einem Konzert potenzieren lässt. Es geht bei einem Album auch darum, stellvertretend für andere wütend, laut und zärtlich zu sein.

„Ich habe die Wut in mir auf alle Ungerechtigkeit“, heißt es in dem Song „Geld“. Gab es ein Ereignis, das diesen Text ausgelöst hat?

Ich habe mich lange mit unserem Produzenten Nhoah unterhalten. Er war viel in der Welt unterwegs und wir haben unsere Eindrücke abgeglichen. „Cash machines and homeless people“ war so ein Satz, der mit Geld und Bling fest verbunden ist, auch wenn er in dem Song direkt nicht auftaucht. Ob das jetzt in Amerika ist oder in Deutschland: Die Obdachlosigkeit nimmt definitiv zu, die Flaschensammler nehmen zu. Man kann der sozialen Ungerechtigkeit direkt beim Wachsen zugucken. Das stößt mir jeden Tag auf, und Wut ist der rote Teppich für meine Traurigkeit. Manchmal denke ich mir: „Dieser Mann, der da in dem Flaschencontainer wühlt, könnte mein Papa sein“. Ein komplexes und anstrengendes Lied wie „Geld“ ist für mich eine Befreiung. Live ist der Song die pure Energie. Wut, Mut, Ungerechtigkeit sind so klare Worte!

Ihre Jury-Mitgliedschaft in der elften DSDS-Staffel hat der Band den Zugang zu einer ganz neuen Öffentlichkeit ermöglicht. Wollen Sie deshalb insgesamt gefälliger klingen?

Gefällig ist ein subjektiver Begriff. Ich möchte nicht, dass er im Zusammenhang mit Mia fällt. Dann würde ich mich unwohl fühlen. Dafür sind wir nicht da, wir wollen gar nicht jedem gefallen. Weil uns völlig klar ist, dass jeder anders ist. Aber jeder kann mal gucken kommen. Mia ist für mich die Freiheit, das zu tun und zu lassen, wofür man brennt. Und ich brenne nicht dafür, es allen recht zu machen.

Hat DSDS auch eingefleischte Fans vergrätzt?

Gerade die Fans, die uns schon lange kennen, wissen, dass wir immer unserem Herzen folgen. Mein Leben ist nicht ihr Leben. Irgendwie hat es sich so die Waage gehalten. Ich fand es interessant, wer jetzt dazu gekommen ist: Eine neue Generation, die das Fansein ganz anders auslebt. Es gibt zum Beispiel eine Mieze-Fruppe. Sie wollen sich nicht „Gruppe“ nennen, weil sie das langweilig finden und heißen lieber „Fruppe“. Das sind sehr coole Mädchen aus ganz Deutschland. Zuerst haben sie DSDS geschaut, dann die Band für sich entdeckt und schließlich sind sie mir auch rüber zu Kika gefolgt. Und pass mal auf: Die fangen jetzt auch an, Musik zu machen!

Was wollten Sie bei DSDS?

Das, was ich dort wollte, habe ich auch gekriegt: Mich hat vor allem interessiert, wie Fernsehen in dieser Dimension gemacht wird. Und dann wollte ich einmal meine eigenen Vorurteile gegenüber Castingshows überprüfen. Auch wollte ich nach 15 Jahren mit Mia mal etwas anderes sehen. Das DSDS-Phänomen hat dann bei mir dazu geführt, dass ich mich total gefreut habe, wieder in den Proberaum zu kommen. Bei DSDS ist alles Theorie, ich liebe aber die Praxis.

Würden Sie es noch einmal tun?

Ich mache es ja immer noch. Bei „Dein Song“ geht es zwar nicht um Interpreten, sondern um Komponisten, aber es ist eine Castingshow. Mir macht es großen Spaß, mit jungen Talenten zu arbeiten. Davon könnte ich mir sogar mehr vorstellen, aber eben anders: Jemanden längerfristig zu begleiten, um den Menschen wirklich zu erzählen, was ein Musiker macht. Wie ein Lied entsteht und wie man die Miete für einen Proberaum zusammenkriegt. Sowas könnte über solch ein Format wie „Dein Song“ noch mehr transportiert werden, um den Wert von Musik wieder zu steigern, weil sie insgesamt einen Wertverlust erlitten hat.

„Biste Mode“ ist ein alter Berliner Ausdruck für „Wir haben dich auf dem Kieker!“ Hatten Sie schon in der Schule das Gefühl, dass alle nur darauf warteten, Sie kritisieren zu können?

Oh ja. Aber ich kenne den Spruch auch aus dem Elternhaus. Deshalb kam es jetzt zu diesem Text. Wobei ich glaube, dass jeder im Leben schon mal irgendwo auf dem Kieker gewesen ist. Aber es ist eben auch ein Mia-Thema. Ich verstehe nicht, weshalb die Menschen so eine starke Haltung zu uns haben, entweder pro oder contra. Das wird ja auch in „Nein! Nein! Nein!“ thematisiert. Wir wurden schon hoch gefeiert, um dann gleich wieder verschrien zu sein. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Deutschen sich ihre Stars auch wieder klein machen wollen.

Fühlen Sie sich manchmal missverstanden?

Britische Forscher behaupten, inhaltlich kämen nur 30 Prozent von dem an, worüber Menschen miteinander sprechen. Das ist doch bestürzend! Wie hoch ist dann die Trefferquote, wenn du auch noch ein Lied schreibst, das sich mit Doppeldeutigkeiten beschäftigt und vielleicht sogar darum geht, den Hörer aufs Glatteis zu führen. Da ist das Missverständnis einfach vorprogrammiert.

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