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Mieter erzürnt - Hausmeister arbeitet nicht

Evangelische Kirche ist Vermieter

Rund 90 Mietparteien der Robert-Stolz-Straße erheben Vorwürfe gegen die evangelische Kirche – ihren Vermieter. Grund dafür ist ihr Hausmeister.

WICKEDE

, 07.09.2017
Mieter erzürnt - Hausmeister arbeitet nicht

2017.09.04 Wickede Aufreger Frau Schellenberg hat Mieterärger

Die Gemeinsame Versorgungskasse für Pfarrer und Kirchenbeamte (VKPB) beschäftigt seit Mitte 2015 für mehrere Häuser einen in Vollzeit angestellten Hausmeister, dessen Entlohnung die Mieter mittragen. Laut Aussage der Mieter arbeite der Hausmeister nicht oder nur unzureichend. Und: Einem Schreiben des eingeschalteten Mietervereins Dortmund zufolge seien die umgelegten Kosten „viel zu hoch“.

Anwohner kümmerten sich selbst um Haus

"Ich bin ein halbes Jahr zu Hause gewesen", sagt eine Mieterin, deren Name der Redaktion bekannt ist. In dieser Zeit habe der Hausmeister hat so gut wie nicht gearbeitet. In den Häusern, die die VKPB vermietet, würden unter anderem Menschen mit Behinderung leben. "Die kamen bei der Überwucherung der Wege teilweise nicht mehr auf die Straße." Also hätten die Anwohner sich auf eigene Faust darum gekümmert. Auch Winterdienst, Mülltonnen, kleine Arbeiten wie Glühbirnen auswechseln – das habe man zum großen Teil selbst erledigt. "Wir fühlen uns um unser Geld betrogen", so die Mieterin.

Nach eigenen Berechnungen hätte sie von ihren Nebenkosten Ende des vergangenen Jahres rund 800 Euro erstattet bekommen müssen. Bei ihr kamen jedoch nur 400 Euro an. Und nicht nur sie habe kurz vor Weihnachten 2016 beim Blick auf ihre Nebenkostenrückerstattung gestutzt. Im März dieses Jahres schickten die Bewohner der betroffenen Häuser, rund 90 Parteien, ein Beschwerdeschreiben an die VKPB. Der Hausmeister, heißt es im Bewohner-Beschwerdeschreiben, "ist nur selten in unserem Wohngebiet anzutreffen geschweige denn zu erreichen". Sie fordern die Herstellung eines "akzeptablen Zustands" der Häuser und Außenanlagen und formulieren ihre Bereitschaft die Arbeit des Hausmeisters zwar zu tragen – doch nur zu „den alten Konditionen“, also denen vor der Umstellung auf Vollbeschäftigung im Jahr 2015: in Teilzeit und mit sichtbarem Arbeitserfolg.

VKPB: Zustand äußerst annehmbar

Die VKPB reagierte: "Wir finden den Zustand, dafür, dass lediglich eine Person die Pflege durchführt, äußerst annehmbar." Diese Aussage, heißt es in einem wenig später verfassten Schreiben des Mietervereins, stehe „in Gegensatz zu der Aussage zahlreicher Mieter“. Die umgelegten 18 871,69 Euro seien zudem "viel zu hoch". Schließlich seien vier Häuser verkauft worden und nur noch sieben statt elf zu pflegen. „Das, was der Hausmeister vorher zu geringeren Kosten in einer größeren Wirtschaftseinheit ... erledigt hat, wird heute ... nur nach vorheriger Mängelanzeige durch Mieter erledigt“, heißt es vom Mieterverein.

Hierzu heißt es seitens der VKPB: "Eine Reduzierung der Wirtschaftseinheit auf sieben Häuser (...) hat bislang nicht stattgefunden. Wir wissen nicht, woher diese Information kommt. Sie ist nicht richtig." Zu den Beschwerden über die Umlagen der Hausmeisterkosten in den Jahren 2014 und 2015 heißt es: "Wir haben auf die auch schriftlich durch den Mieterverein vorgetragenen Einwendungen reagiert und am 10. März 2017 eine Korrektur der Betriebskostenabrechnung übermittelt. Die so korrigierte Abrechnung bezog auch die Position Hausmeister ein."

Regelmäßige Kontrollen im Wohnhaus

Angesichts der Größe der Wohnanlage und der Fülle der Aufgaben halte man bei der VKPB eine Vollzeitbeschäftigung des Hausmeisters für notwendig. Und: "Wir haben uns durch regelmäßige Kontrollgänge vom Zustand der Anlage überzeugt und können nicht feststellen, dass der Hausmeister seinen Aufgaben nur unzureichend nachkommt." Einen weiteren Spielraum für Kostensenkungen sehe man nicht. Möglichen juristischen Schritte der Mieter steht die Versorgungskasse gelassen gegenüber: "Auch wenn dies von uns grundsätzlich nie angestrebt wird, bleibt wie in anderen strittigen Fällen auch am Ende natürlich immer die Möglichkeit, die verbleibenden Differenzen auf dem Rechtsweg zu klären."

Kostenangaben der Versorgungskasse
Laut VKPB, die die Wohnanlage am 1. März 2014 übernommen hat, betrugen die Kosten für Hausmeister- und Gartenpflegearbeiten 0,25 Euro pro Quadratmeter. Damit hätten die umgelegten Kostenden Betriebskostenspiegel 2016 unterschritten, der bei 0,30 Cent gelegen habe. Nach Auffassung der Versorgungskasse seien die umgelegten Kosten für eine Wohnanlage mit 89 Wohneinheiten, 6500 Quadratmetern Wohnfläche und einer Grundstücksgröße von 10 700 Quadratmeter angemessen. Die Kosten für Hausmeisterarbeiten hätten in den vergangenen Jahren bei 0,21 Euro (2009), 0,23 Euro (2011), und 0,25 Euro (2015) pro Quadratmeter gelegen.