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Minister: Werkstätten bleiben trotz Inklusion wichtig

Geburtstag der Lebenshilfe

Eine berufliche Perspektive bietet die Wittener Werkstatt der SoVD Lebenshilfe den Behinderten seit 40 Jahren. Die politisch angestrebte stärkere Teilhabe dieser Menschen an der Gesellschaft (Inklusion) verunsichert die Werkstätten aktuell, wie bei der Geburtstagsfeier der Einrichtung in der Ruhrstadt deutlich wurde.

WITTEN

von Von Jessica Strotmann

, 24.06.2012

Die hochrangige Rednerliste machte bereits zu Beginn der Feierlichkeiten deutlich, wie sehr die Arbeit der Werkstatt für behinderte Menschen der SoVD-Lebenshilfe geschätzt wird: Seit 40 Jahren vermittelt die Einrichtung Behinderten eine berufliche Perspektive.

Doch während der Begriff der Inklusion die Diskussionen über die Teilhabe behinderter Menschen aktuell bestimmt, müssten sich Werkstätten mit daraus entstehender Kritik auseinandersetzen: Kritiker sähen Werkstätten als überholtes Modell, das ein Hindernis für den Zugang zum Arbeitsmarkt sei und damit der Inklusion entgegenstehe, führte Adolf Bauer, Präsident des SoVD, aus. „Diese Kritik geht vollkommen an unserer Lebenswirklichkeit vorbei. Sie berücksichtigt nicht, dass die Voraussetzungen für einen vollinklusiven Arbeitsmarkt überhaupt nicht vorhanden sind.“

Ähnlich sah es Guntram Schneider, Landesminister für Arbeit, Integration und Soziales: „Inklusion bedeutet keine schrittweise Abschaffung der Werkstätten.  Wir brauchen mehr Integrationsunternehmen - und wir brauchen die Werkstätten“, sagte er. Die Inklusion werde zukünftig noch mehr Bedeutung erlangen. „Es geht dabei nicht nur um Barrierefreiheit im physischen Sinne, sondern um Barrierefreiheit in den Köpfen“, betonte er.

„Menschen, die auf uns vertrauen, müssen auch weiterhin wissen, dass jemand für ihre behinderten Angehörigen da ist, wenn sie sich nicht mehr zu helfen wissen“, sagte Robert Antretter, Vorsitzender der Bundesvereinigung Lebenshilfe. Ebenso argumentierte Dr. Ralf Brauksiepe, Staatssekretär der Bundesministerin für Arbeit und Soziales: „Die allermeisten Werkstatt-Beschäftigten sind dort, wo sie sind, an der richtigen Stelle. Dass es für die überwiegende Zahl der Beschäftigten ernstzunehmende Alternativen auf dem ersten Arbeitsmarkt gebe, sehe ich nicht.“