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Miroslav Klose: „Pendeln zwischen Bayern und DFB geht nicht“

Eppan. Die Zeit von Miroslav Klose als Praktikant bei Joachim Löw läuft mit der WM ab. Danach steigt der beste WM-Torschütze beim FC Bayern als Nachwuchscoach ein. Vor seiner fünften WM spricht der Jogi-Schüler über Neuer, Müller, Werner und Deutschland als Turniermannschaft.

Miroslav Klose: „Pendeln zwischen Bayern und DFB geht nicht“

Widmet sich nach der WM voll und ganz der Jugendarbeit beim FC Bayern: Mirolav Klose. Foto: Christian Charisius

Miroslav Klose ist im Trainerstab der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zuständig für die Stürmer. Den deutschen Angriff sieht er gut aufgestellt für die WM in Russland.

„Mir ist nicht bange vor Russland“, sagt der WM-Rekordtorjäger im Interview der Deutschen Presse-Agentur im Trainingslager in Südtirol. Für Klose (39) ist die WM die vorläufige Endstation beim DFB-Team.

Frage: Sie haben vier Fußball-Weltmeisterschaften als Spieler erlebt. Jetzt kommt Nummer fünf in einer neuen Rolle als Mitglied des DFB-Trainerstabes dazu. Ist die Faszination WM für Sie unendlich?

Antwort: Das ist jetzt erstmal die letzte WM, bei der ich dabei bin. Es ist fantastisch, wenn ich an die Anfänge zurückdenke. Meine Karriere als Spieler hat sich Stück für Stück entwickelt. Erst habe ich mich in der Bundesliga etabliert, dann habe ich mir einen Namen in der Nationalmannschaft gemacht. Vier Weltmeisterschaften, drei Europameisterschaften - das ist schon fantastisch, was ich über Jahre mit der Nationalmannschaft erreichen konnte.

Frage: Noch neun Weltmeister von 2014 stehen im vorläufigen WM-Kader. Die können es in Russland auf dem Platz richten. Sie sind der Zehnte. Was können Sie zur angestrebten Titelverteidigung beitragen?

Antwort: Ich sehe mich in der Rolle, dass ich noch als Spieler denke. Natürlich fordern Joachim Löw und die Trainer viel ein von mir - und ich gehe auch schon in Richtung Trainer. Ich habe viele Einblicke aus Trainersicht dazu gewonnen, was taktische Varianten angeht. Aber ich glaube, dass ich dem Trainerteam auch helfen kann, sich in die Spieler hineinzuversetzen, wie sie ticken, wann sie müde sind, wann man Trainingseinheiten dosieren muss. Da bin ich ein Bindeglied.

Frage: Wie werden Sie von Joachim Löw bei Nominierungsfragen des WM-Kaders in das Trainerteam eingebunden?

Antwort: Wir besprechen uns. Über Monate werden von unserer Scouting-Abteilung Videos erstellt, wie sich die Stürmer bewegen. Ich habe mir jeden Spieler mindestens dreimal live angeschaut. Da trage ich zur Nominierung meinen Teil bei. Entscheiden aber muss der Bundestrainer, ich sehe mich als Teil des Teams. Ich habe meine Meinung auch als Spieler immer rausgehauen.

Frage: Wie gut ist der deutsche Angriff aufgestellt für die WM?

Antwort: Ich denke gut. Wir haben wie beim Confed Cup wieder drei Stürmer. Wir haben einen schnellen, spielerischen Typen wie Timo (Werner) dabei und mit Mario (Gomez) einen Brecher mit einem super Abschluss im Sechzehner. Und Nils (Petersen) schaue ich mir jetzt im Trainingslager genau an. Für ihn ist alles neu. Es geht hier auf dem Platz ein bisschen schneller zu als beim SC Freiburg. Wie kommt er damit zurecht? Wie positioniert er sich im Strafraum? Ich schaue mir das genau an und werde dann ein Gespräch mit ihm führen.

Frage: Portugal hat Cristiano Ronaldo. Argentinien hat Lionel Messi. Frankreich hat Antoine Griezmann. Und Brasilien Neymar...

Antwort: ...und wir haben die Mannschaft...

Frage: ... und Deutschland hat Timo Werner, sollte das Ende dieser Aufzählung sein.

Antwort: Ich wiederhole mich: Und wir haben die Mannschaft. Das war bei Turnieren schon immer so. Ich bin der festen Überzeugung, dass Einzelspieler nur glänzen können, wenn die Mannschaft intakt ist. Bei uns war es immer so: Jeder einzelne Spieler weiß es zu schätzen, dass alles von der Mannschaft kommt. Das ist das A und O. Das Ego-Denken hat bei uns kein Spieler.

Frage: Trotzdem noch einmal zu Timo Werner. Beim Confed Cup 2017 ist er im Nationalteam durchgestartet, war Torschützenkönig. Sie haben seine Entwicklung hautnah miterlebt. Zählt er schon zur Weltklasse?

Antwort: Nein. Ich sehe ihn als fantastischen Spieler an, aber noch nicht in der Weltklasse. Er ist schon richtig weit. Aber er kann noch so viel lernen. Wie er sich zum Ball bewegt. Wie er in die Tiefe geht. Das sind Nuancen, aber er hat noch richtig Potenzial nach oben. Ich hatte damals als Profi fünf Jahre in Kaiserslautern gespielt und erkannt, dass ich stagnierte. Es musste eine Veränderung her. Dann habe ich mich in Bremen spielerisch entwickelt, ich meine auch nochmal deutlich weiterentwickelt. Alle zwei, drei Jahre musst du dich verändern, um etwas dazuzulernen.

Frage: Könnte die Antwort auf Ronaldo, Messi oder Griezmann auch lauten: Und Deutschland hat Thomas Müller? Sie sind mit 16 Treffern WM-Rekordschütze. Aber Müller kommt auch schon auf zehn. Droht Ihnen da Gefahr?

Antwort: Ich habe es schon oft betont: Von mir aus kann Thomas gerne zehn Kisten in Russland machen. Er hat bei seinen ersten zwei WM-Turnieren jeweils fünf Tore gemacht, so wie ich 2002 und 2006. Und ich sehe ihn notfalls auch als Stürmer. Thomas hat Qualität, rechts auf dem Flügel, als Zehner, im Sturm. Das ist ein Spieler, der sich sofort anpassen kann. Er weiß, wie man laufen muss auf verschiedenen Positionen. Und er hat eine super Nase im Strafraum. Er hat einen guten Abschluss und er macht gute Laufwege für seine Mitspieler. Thomas Müller finde ich einfach super.

Frage: Manuel Neuer hat acht Monate nicht mehr im Tor gestanden bei einem Spiel. Können gegnerische Stürmer nach so einer langen Pause immer noch denselben Respekt haben, wenn sie nun auf ihn zulaufen?

Antwort: Ich sehe ihn im Training wie in alten Zeiten. Wir müssen zwar abwarten. Aber ich hätte auch jetzt genauso eine Ehrfurcht vor Manuel Neuer, wenn ich wieder vor ihm stehe als Stürmer, wie früher. Da hat sich nichts geändert.

Frage: Sie haben vorhin erwähnt, wie Sie Ihre Karriere als Spieler sukzessive aufgebaut haben. Ihre neue Laufbahn als Trainer scheinen Sie ähnlich zu verfolgen. Sie steigen nicht gleich im Profibereich ein, sondern werden nach der WM U17-Trainer beim FC Bayern. Warum?

Antwort: Als Spieler war das auch mein Weg. Ich will mich Stück für Stück weiterentwickeln. Ich sehe das als Lernprozess. Jetzt mache ich meine ersten Schritte als Trainer. Seit drei Monaten bin ich fast jeden Tag auf dem Bayern-Campus, schaue mir die Spiele an und versuche mir ein großes Bild zu machen. Ich habe viel Lust genau auf diese Aufgabe. Ich würde nie den Fehler machen, Bayerns Nachwuchs als Sprungbrett nutzen zu wollen, um so schnell wie möglich nach oben zu kommen. So ein Typ war ich nie, das ist nicht mein Charakter.

Frage: Sie lernen bei der Nationalmannschaft von einem der besten Trainer der Welt. Was nimmt der Jogi-Schüler Miro Klose mit?

Antwort: Viel! Es sind nun fast zwei Jahre, die ich beim Trainerstab dabei bin. Ich nehme die taktische Finesse mit, die Jogi Löw hat. Da ist er ohnehin die Nummer 1. Dazu kommt das Zwischenmenschliche. Er hat ein Gespür für Spieler, für den Zusammenhalt in der Gruppe. Er weiß, wann er jemanden kitzeln muss. Da habe ich viel gelernt.

Frage: Ist die WM für Sie der Schlusspunkt beim Nationalteam?

Antwort: Ja. Jetzt kommt die WM - und dann der Cut. Zweigleisig, das wollte ich nicht. Ich steige nach der WM ohne Urlaub sofort ein bei Bayern. Wir fangen am 2. Juli mit der Vorbereitung an bei der U17. Und im worst case bin ich dann schon in den ersten zwei Wochen bei der Saisonvorbereitung nicht dabei.

Frage: Im worst case? Also im schlimmsten Fall sagen Sie? Wollen Sie lieber vor dem WM-Finale am 15. Juli aus Russland abreisen?

Antwort: Nein, nein, absolut nicht. Aber ich bin danach nur noch Vereinstrainer. Was irgendwann kommt, weiß ich nicht. Ich denke, dass die Türen hier offen bleiben für mich. Aber ich will es als Trainer selbst ausprobieren auf dem Platz. Pendeln zwischen Bayern und DFB geht nicht.

Frage: Aber Trainer im Nachwuchsbereich soll nicht die Endstufe sein, oder?

Antwort: Ich habe zwei Jahre Vertrag bei Bayern. Irgendwann will ich natürlich mal hoch, das ist klar. Sonst hätte ich den Weg als Trainer nicht eingeschlagen. Aber ich sage Ihnen ganz ehrlich: Ich muss ein Gefühl entwickeln, was wann richtig ist. Ich war auch als Spieler immer ehrlich zu mir. Ich brauchte nie Berater und keine Freunde um mich herum, die mir gesagt haben, dass ich nicht gut gespielt hatte, weil die Flanke schlecht war, die Sonne zu tief stand oder der Rasen zu hoch war. Ich habe immer selbst gewusst, das ist mein Weg.

Frage: Dieser war lang bis zum WM-Triumph. Warum hat es beim vierten und letzten Turnier in Brasilien 2014 gepasst? Und was muss in Russland passieren, damit die Titelverteidigung gelingt?

Antwort: Ich war zweimal Dritter, einmal Zweiter und am Ende Erster bei der WM. Wenn man am Ende den Pokal in der Hand hält, wertet es den Weg auf. Ich bin der einzige Spieler der Welt, der bei Weltmeisterschaften viermal im Halbfinale stand. Man kann keine WM vergleichen. Aber beim Confed Cup habe ich gesehen, was bei uns an Qualität und Talent nachkommt. Mir ist nicht bange vor Russland. Aber man braucht auch Glück, keine Verletzten und keine Gesperrten.

Frage: Der WM-Spielplan meint es ausnahmsweise gut mit Ihnen. Den 9. Juni, wenn Sie 40 werden, können Sie zwischen Trainingslager und Abreise nach Russland daheim verbringen. Glück gehabt, oder?

Antwort: Ja. Denn in 17 Jahren als Fußball-Profi war ich genau an zwei Geburtstagen daheim.

Frage: Und wie werden Sie den runden Geburtstag feiern?

Antwort: Ich hatte meiner Frau zu Ihrem 40. Geburtstag am 17. April ein Geschenk gemacht. Wir haben mit 80 Leuten in Rom gefeiert. Das habe ich mit organisiert. Ich denke schon, dass sie sich revanchiert. Am 8. Juni ist noch das Testspiel in Leverkusen gegen Saudi-Arabien - und am Tag danach komme ich nach Hause. Und so, wie ich meine Frau kenne, wird sie mich bestimmt überraschen.

ZUR PERSON: Miroslav Klose (39) ist WM-Rekordtorschütze (16 Tore) und Weltmeister von 2014. In 137 Länderspielen erzielte er 71 Tore. Nach der WM wechselt er vom DFB zur U 17 des FC Bayern München.

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