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Missbrauchs-Anklage gegen Papst-Vertrauten Pell

Melbourne. Als Finanzchef des Vatikans war Kardinal Pell ein enger Vertrauter des Papstes. Jetzt wird ihm in seiner Heimat Australien wegen Missbrauchsvorwürfen der Prozess gemacht.

Missbrauchs-Anklage gegen Papst-Vertrauten Pell

Kardinal George Pell kommt zum Gericht in Melbourne. Foto: James Ross/AAP

Der bisherige Finanzchef des Vatikans, Kardinal George Pell, muss sich wegen Missbrauchsvorwürfen einem Prozess stellen. Die australische Justiz entschied in Melbourne, dass nach monatelangen Vorprüfungen vor Gericht gegen den 76-Jährigen auch ein Hauptverfahren eröffnet wird.

Der Kurienkardinal ist weltweit der bislang ranghöchste katholische Geistliche, der wegen solcher Vorwürfe angeklagt wird. Pell selbst streitet alles ab. 

Als Finanzchef war der Vertraute von Papst Franziskus die inoffizielle Nummer drei des Kirchenstaats. In früheren Jahren wurde er mehrfach auch als Papst gehandelt. Derzeit ist er beurlaubt. Nach der Missbrauchsanklage zieht der Vatikan zunächst keine weiteren personellen Konsequenzen. „Die Beurlaubung gilt weiterhin“, teilte Vatikan-Sprecher Greg Burke mit.

Bereits seit längerer Zeit gibt es Vorwürfe, dass Pell sich als junger Pfarrer und später als Erzbischof an Jungen vergangen haben soll. Mit der jetzigen Entscheidung ist äußerst unwahrscheinlich, dass Pell jemals auf seinen Posten im Vatikan zurückkehrt.

Zur Bekanntgabe der Entscheidung musste der Kardinal persönlich vor dem Amtsgericht Melbourne erscheinen - der Stadt, in der er früher Erzbischof war. Nach Auffassung von Richterin Belinda Wallington gibt es in neun Fällen ausreichend Hinweise, um die Vorwürfe von einer höheren Instanz prüfen zu lassen. Andere Vorwürfe hielt das Gericht nicht für glaubwürdig. Pell äußerte sich vor Gericht erstmals selbst. Er bezeichnete sich als „nicht schuldig“.

Die australischen Behörden haben sich bislang in der Öffentlichkeit noch nicht näher dazu geäußert, was genau dem Kardinal vorgeworfen wird. Offiziell heißt es nur, es gehe um länger zurückliegende Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs. Die Beschwerden reichen in Pells Zeit als Priester in seiner Heimatgemeinde Ballarat (1976-1980) und als Erzbischof von Melbourne (1996-2001) zurück.

Das Hauptverfahren soll bereits an diesem Mittwoch beginnen, wieder in Melbourne. Allerdings werden anfangs nur Terminfragen und sonstige administrative Dinge geklärt. Pell bleibt gegen Kaution frei, musste aber seinen Reisepass abgeben. Damit kann er Australien nicht verlassen und auch nicht zurück in den Vatikan.

Der Kardinal nahm die Entscheidung ohne sichtbare Regung zur Kenntnis. Zu seinem Schutz wurde er von zwei Dutzend Polizeibeamten begleitet. Vor dem Gebäude demonstrierten Anhänger und Gegner. Als Pell ging, riefen Kritiker: „Nie wieder Stille“ und „Hip-hip-hurra“.

Der jetzige Papst Franziskus hat immer wieder bekräftigt, in Sachen Missbrauch ein „Null-Toleranz-Prinzip“ zu verfolgen. Doch auch unter dem Argentinier sieht sich die katholische Kirche immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, Fälle von Kindesmissbrauch zu vertuschen. In Australien wurden nach einem offiziellen Bericht seit 1950 Zehntausende Kinder Opfer sexueller Gewalt - oft in Einrichtungen der Kirche, aber auch in Schulen, Sportvereinen oder bei den Pfadfindern.

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