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Missions-Spardosen auf Haus Kemnade: Nickneger halfen den Heiden

BOCHUM "Willst du den Heiden Hilfe schicken, so lass mich Ärmsten freundlich nicken!" So fordert es die kleine Figur. Nur ein Geldstück und schon tritt der "Nickneger" in Aktion.

von von Ronny von Wangenheim

, 20.11.2008

  Heute zuckt man bei dieser Bezeichnung zusammen. Bis vor 50 Jahren waren sie in vielen Kirchen zu finden - als freundliche Missions-Spardosen. Unter dem Titel "Gehet hinaus in alle Welt..." stellt das Museum in Kooperation mit der Sparkasse diese originellen Sammelbüchsen auf Haus Kemnade vor.

So viel wie nie

Etliche von ihnen befinden sich ständig in der "Schatzkammer Kemnade". Für die aktuelle Ausstellung hat Jürgen Stollmann, Direktor des Spardosenmuseums, weitere Leihgaben zusammen getragen. "Es ist die größte Ausstellung in Europa, die zu diesem Thema gezeigt wird", verweist Stollmann auf insgesamt 150 Exponate.

Kulturgeschichtliche Relevanz Fotografien, Filme, ethnographische Objekte tragen zu der kulturgeschichtlichen Relevanz der Ausstellung bei. Schließlich erzählen die Spardosen von der Missionierung, die Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts neue Impulse erhielt und sich in Deutschland beispielsweise von Wuppertal-Barmen aus über die Kontinente ausbreitete. Ein Kuriosum am Rande: Während im Tal der Wupper noch von Barmen und Elberfeld gesprochen wurde, gab es, so zeigt es eine Fotografie, bereits die Missionsstation Wupperthal in Südafrika.

Mit der Missionsbewegung kann zugleich die Geschichte der expansiven deutschen Kolonialpolitik erzählt werden. Dazu gibt es auch filmische Dokumente. Der Blick auf die Köpfe der vielen, vielen Nickneger zeigt, welche Meinung man in Deutschland von der afrikanischen Bevölkerung hatte. "Ich war ein armer Heidensohn, nun kenn ich meinen Heiland schon, ich bitte darum Jedermann, nehmt euch der armen Heiden an", heißt es da auf einer Missions-Spardose. Ganz klar wird da der Auftrag vermittelt, dass den "armen Heiden" der christliche Glaube und unsere Werte und Kultur vermittelt werden sollten.

Neue Sammelbüchsen

In den 50er Jahren verschwanden die Nickneger wegen der damit verbundenen Diskriminierung aus den Kirchen. Inzwischen werden sie wieder hergestellt. In Kevelaar fand Jürgen Stollmann drei Sammeldosen - ein Schwarzer, ein Weißer und ein Engel bitten jetzt um eine milde Gabe.

"Gehet hinaus in alle Welt..." wird am Sonntag, 23. November, um 12 Uhr eröffnet. Dazu spricht Julia Besten von der Archiv- und Museumsstiftung Wuppertal. Die Ausstellung läuft bis zum 1. Februar, dienstags bis sonntags, 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.