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Mit jeder Menge Puppenspiel-Büchern geht's zurück nach Indien

Recherchen am dfp

„Amazing – erstaunlich“ und „incredible – unglaublich“. Mit diesen Worten beschreibt Inderin Anurupa Roy die Bibliothek des dfp (Deutsches Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst) in Bochum. Fast drei Wochen lang hat sie hier mit ihrer Kollegin Choiti Ghosh recherchiert.

BOCHUM

von Von Claudia Staudt

, 01.06.2012

„So viele Bücher“ sagt Choiti Ghosh und meint damit nicht nur den umfangreichen Literatur-Fundus des dfp, sondern vor allem das, was sie am Sonntag nach Hause, nach Indien transportieren müssen. Die beiden Inderinnen haben Lektüre gekauft. Denn: „In Indien gibt es kaum Bücher zum Thema Puppenspiel, Figurentheater oder Objekttheater“, erzählt Anurupa Roy. Und wenn, dann seien sie in Privatbesitz. Und völlig unsortiert. Aber hier...

„Unfassbar“, finden die beiden Stipendiatinnen des dfp-Programms „Researcher in Residence“. Am Sonntag gehen beinahe drei spannende Wochen zu Ende, in denen sich die beiden Anregungen und Informationen aus dem Fundus des dfp geholt haben. Sie haben Filme gesehen – an die 70 Stück –, in Zeitschriften geblättert und ihre Nasen in Büchern vergraben. Rund um die Uhr seien die beiden beschäftigt gewesen, erzählt Anke Meyer vom dfp –  und das, obwohl die beiden nur die englischsprachigen Medien nutzen können, da sie kein Deutsch sprechen. Doch selbst davon hat das dfp genug zu bieten. Und genug Input haben die beiden Frauen jetzt auch. Genug, um ihre Arbeit in der Heimat zu bereichern. Choiti Ghosh hat im vergangenen Jahr eine eigene Company gegründet: das Tram Theater, ein Objekttheater, das in Mumbai und Neu Delhi arbeitet. Die Literaturwissenschaftlerin kann von sich behaupten, die einzige Objekttheater-Gruppe des Landes zu leiten. Zuvor hatte sie jahrelang mit Anurupa Roy zusammengearbeitet. Die leitet das Figurentheater Katkata.

Mit ihrer achtköpfigen Truppe greift sie gerne mal Themen auf, die die Probleme des Landes diskutieren: Armut, Zwangsheirat, Gesundheit. „Wir engagieren uns in vielen Jugend-Projekten, arbeiten mit Schülern und Kindern aus Armen-Vierteln“, erzählt sie. Viele der jungen Menschen blieben ihrem Figurentheater verbunden, seien nun feste Mitglieder der Truppe oder arbeiteten für kurze Zeit mit. Den Austausch mit anderen Kulturen findet sie wichtig: „Wir haben in Indien eine lange Tradition des Figurentheaters – hier lerne ich auch die Form des europäischen Spiels kennen.“ Und die zeichne sich vor allem durch eine gute Vernetzung der einzelnen Theater-Gruppen und -Companys aus. Kontakte seien eben wichtig. Und auch davon werden Ghosh und Roy einige mit in die Heimat nehmen.