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Mitsubishi Lancer: Raus aus dem Schatten

Hamburg (dpa-infocom) -Es gibt ihn in Deutschland schon seit 30 Jahren. Doch bislang führte der Mitsubishi Lancer selbst dann ein Schattendasein, als er eine Generation lang «Carisma» hieß. Damit soll jetzt Schluss sein.

Wenn jetzt die neunte Generation des Lancer an den Start rollt, wird aus dem Mauerblümchen ein Charakterdarsteller. Mitsubishi nennt den Wagen an der Nahtstelle zwischen Kompakt- und Mittelklasse nicht umsonst «Sportlimousine».

Ein Kühlergrill wie ein Kampfjet

An diesem Anspruch lässt bereits das Design keinen Zweifel: Inspiriert von leidenschaftlichen Marken wie Alfa Romeo haben die Designer im europäischen Studio vor den Toren Frankfurts das 4,57 Meter lange Stufenheck fast schon aggressiv gezeichnet. Vorn trägt der Lancer einen Kühlergrill wie ein Kampfjet und eine Nase wie ein Hai. Die ausgestellten Kotflügel zeugen von Kraft und solidem Stand, die Seitenlinien folgen der Form eines Keils, und am Heck zeigen die Japaner Mut zu Ecken und Kanten. Dazu gibt es vorn scharf geschnittene Scheinwerfer mit einem «bösen Blick» und hinten Rückleuchten, die wie Katzenaugen auf dem Heckdeckel funkeln.

Die Langeweile ist vorbei

Auch innen ist der Lancer nicht mehr so langweilig wie frühere Mittelklasse-Japaner. Im Vergleich zu deutschen Anbietern gibt es zwar noch immer zu viel dunklen Kunststoff. Doch wirken ein paar geschwungene Linien und die metallisch schimmernden Konsolen wie ein kleiner Wirbelsturm, der den Staub aus dem Cockpit geblasen hat. Außerdem sind die Platzverhältnisse bei einem Radstand von 2,63 Metern recht ordentlich: Vorn sitzt man bequem und hat alle Bedienelemente gut zur Hand. Die Rückbank taugt auch für Erwachsene. Nur der Kofferraum ist mit 400 Litern eher knapp bemessen. Das ist besonders unglücklich, weil deutsche Lancer-Kunden vor allem den Kombi gekauft haben, den es künftig nicht mehr geben wird. Doch Abhilfe ist in Sicht, verspricht Pressesprecher Albrecht Trautzburg: «Im nächsten Herbst kommt noch ein Fließheck, das besser aussieht und genauso viel Platz bietet wie ein Kombi.»

Elektronik auf der Höhe der Zeit

Auf der Höhe der Zeit ist die Elektronik-Architektur des Lancer. Er nutzt die technische Basis des Outlander und wird deshalb in der Topversion auch mit einem praktischen Hightech-Würfel in der Mittelkonsole ausgeliefert, der Navigationssystem, digitale Musikbox und Bluetooth-Freisprechanlage in einem ist. Ebenfalls nur für das Topmodell gibt es erstmals Xenon- und Kurvenlicht sowie ein schlüsselloses Start- und Zugangssystem. Serienmäßig für alle ist dagegen eine Sicherheitsausstattung, die manchen Wettbewerber alt aussehen lässt: Denn neben ESP und den üblichen Airbags für Front, Seite und Fenster gibt es hier auch einen Luftsack unter der Lenksäule.

Start als Sparer, nicht als Sportler

Zwar positioniert Mitsubishi den Lancer als Sportler, doch starten wird er als Sparer. Denn zur Markteinführung im November gibt es erstmal nur einen zwei Liter großen Dieselmotor, den die Japaner bei VW einkaufen. Der serienmäßig mit einem Partikelfilter bestückte Vierzylinder nutzt die Pumpe-Düse-Technik, kommt auf 103 kW/140 PS und hat mit seinem maximalen Drehmoment von 320 Newtonmetern genügend Kraft für schaltfaules Fahren: Egal welcher der sechs Gänge gerade eingelegt ist, immer quittiert der Wagen den Tritt aufs Gaspedal mit ordentlichem Vortrieb.

Der Diesel nagelt laut vernehmlich

So beschleunigt der Lancer in 9,7 Sekunden auf Tempo 100, erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 206 Kilometern pro Stunde (km/h) und ist im Mittel dennoch mit 6,4 Litern zufrieden. Dabei verhält sich das Fahrwerk angenehm straff und die Lenkung sehr präzise. Außerdem ist der Lancer mit einem Wendekreis von nur zehn Metern handlich. Das alles wäre schön und gut, wenn der Diesel nur nicht so laut nageln würde. Vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb das CD-Radio serienmäßig an Bord ist.

Fazit: Auf einem guten Weg

Neben dem Diesel wird es im nächsten Frühjahr auch einen Benziner geben, für den Mitsubishi 1,8 Liter Hubraum und 106 kW/144 PS in Aussicht stellt. Mit ihm sinkt auch der Preis: Während der Selbstzünder bei 21 490 Euro beginnt und bis 27 990 Euro reicht, ist der Benziner schon für 19 250 Euro zu haben. Natürlich sind ein sportliches Design, ein straffes Fahrwerk, eine gute Sicherheitsausstattung und ein attraktiver Preis nicht genug, um aus einem Mauerblümchen einen Showstar zu machen. Doch ist der Lancer auf einem guten Weg - zumal das Feld der Wettbewerber mit dem VW Jetta, Seat Cordoba, Volvo S40 und dem Stufenheck des Mazda 3 eher überschaubar ist. Doch hat der erwartete Erfolg auch seine Schattenseiten. Schon jetzt müssen die Europäer deshalb um genügend Produktionskapazität ringen.

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