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„Molly's Game“: Jessica Chastain setzt alles auf eine Karte

Los Angeles. „Molly's Game“ ist die wahre Geschichte der „Poker-Prinzessin“ Molly Bloom, die heimliche Pokerturniere mit Promis und Reichen organisierte, mit Jessica Chastain perfekt besetzt.

„Molly's Game“: Jessica Chastain setzt alles auf eine Karte

Der verliebte Douglas Downey (Chris O'Dowd) würde alles für Molly (Jessica Chastain) tun. Foto: Michael Gibson//Courtesy of STXfilms

So eine filmreife Lebensgeschichte hätten sich Hollywoods Drehbuchautoren wohl kaum ausdenken können. Basierend auf den Memoiren der Amerikanerin Molly Bloom führt „Molly's Game - Alles auf eine Karte“ von Colorados Ski-Pisten in Hollywoods Untergrund-Pokerszene, wo Promis und Firmenbosse um Millionenbeträge spielen.

Die russische Mafia nimmt die „Poker-Prinzessin“ in die Zange, das FBI legt ihr bei einer nächtlichen Razzia Handschellen an. Jessica Chastain („Der Marsianer“) spielt Molly Bloom, die als Teenager zu Amerikas Top-Skiläuferinnen zählt, doch nach einem schweren Sturz ihre Olympia-Hoffnungen begraben muss. Sie zieht nach Los Angeles, jobbt als Kellnerin - bald organisiert sie exklusive Pokerturniere, die Stars wie Tobey Maguire, Leonardo DiCaprio und Ben Affleck anlocken.

In Kathryn Bigelows „Zero Dark Thirty“ (2013) jagte Chastain in der Rolle einer jungen CIA-Agentin besessen dem Al-Kaida Terroristen Osama bin Laden nach. Das brachte ihr eine Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin ein. Nun legt die Schauspielerin an Intensität noch zu. Selbstsicher, sexy und diszipliniert hält sie die Zügel in der von schwerreichen Männern und großen Egos dominierten Poker-Szene in der Hand. Chastain ist die Erzählerin, sie feuert mit Wortsalven um sich und kommt quasi in jeder Szene vor. Ein Oscar-würdiger Auftritt, doch die verdiente Nominierung blieb in diesem Jahr aus.

Die einzige Gewinn-Chance gab es für den Erfolgsautor Aaron Sorkin, der zuvor mit dem wortlastigen Skript für den Facebook-Film „The Social Network“ den Drehbuch-Oscar gewonnen hatte. Mit „Molly's Game“ gibt Sorkin zudem sein Regie-Debüt. Für den Film hat er eng mit der jetzt 39 Jahre alten Bloom zusammengearbeitet. Im Interview mit dem „San Francisco Chronicle“ beschreibt er sie als „fesselnde Persönlichkeit mit einer inneren Stärke“. Sie habe auf ihn wie eine wahre Filmheldin gewirkt, auch wenn sie mitten in den größten Problemen steckte.

Zehn Jahre hält die Erfolgssträhne an, mit immer höheren Einsätzen der Spieler und noch mehr Trinkgeldern für Bloom. Doch am Ende zahlt sie den Preis, wird von Drogen und Alkohol abhängig, von einem Mitglied der russischen Mafia brutal zusammengeschlagen. 2013 steht Nachts die Bundespolizei FBI vor der Tür - wegen illegaler Profite muss Bloom vor Gericht. Das Millionenvermögen ist weg.

140 Minuten lang dreht sich alles um Chastain, doch Sorkin stellt seiner Powerfrau starke Männer zu Seite. Der britische Star Idris Elba („Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“, „Thor: Tag der Entscheidung“) spielt ihren Anwalt. Michael Cera („Juno“) glänzt als der kaltschnäuzige „Player X“, dessen Figur an den Schauspieler und Pokerspieler Tobey Maguire anlehnt sein soll. Kevin Costner („Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“) spielt Blooms Vater, ein Psychologe, der seine Kinder zu Höchstleistungen anhält. 

In Rückblenden geht es zurück in Blooms Kindheit. Der dominierende Vater, die rebellische Tochter, die sich als Poker-Prinzessin völlig von ihm entfremdet hat. Sorkin bringt den Vater für ein rührseliges Zusammentreffen wieder ins Spiel. Damit trägt der Regisseur am Ende etwas dick auf: Der mögliche Versuch, dem Drama noch mehr Tiefgang zu geben, wäre nicht nötig gewesen. Mit temporeicher Unterhaltung, einer fesselnden Hauptdarstellerin und dem Einblick in eine sonst völlig verborgene Welt hat „Molly's Game“ schon genug zu bieten.

Molly's Game - Alles auf eine Karte, USA 2017, 140 Min., FSK ab 12, von Aaron Sorkin, mit Jessica Chastain, Idris Elba, Kevin Costner , Michael Cera

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