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Muharram Ince: Feuriger Erdogan-Herausforderer

Istanbul. Als größte Oppositionspartei hat die CHP bislang eine traurige Figur gemacht. Nun nominiert sie einen Abgeordneten für die Präsidentenwahl in der Türkei, der Erdogan zumindest in einer Sache nicht nachsteht.

Muharram Ince: Feuriger Erdogan-Herausforderer

Als Präsidentschaftsbewerber kann Ince nicht bei der gleichzeitigen Parlamentswahl kandidieren. Foto: Burhan Ozbilici/AP

Muharrem Ince (54) eint zumindest eine Eigenschaft mit Recep Tayyip Erdogan, und die ist für ihn als Herausforderer des türkischen Präsidenten enorm wichtig.

Wenn Ince wild gestikulierend über die Bühne läuft und mit zunehmender Erregung redet, wenn er Ungerechtigkeiten anprangert und eine unabhängige Justiz verspricht, dann kann er die Massen begeistern.

Zumindest gilt das für einen guten Teil jener Türken, die sich bei der Wahl am 24. Juni - nach mehr als 15 Jahren mit Erdogan als Minister- oder Staatspräsident - einen Politikwechsel wünschen.

Ince ist nicht der einzige Kandidat aus dem Feld der Gegner Erdogans, aber er tritt für die größte Oppositionspartei CHP an. Nach seinen Angaben schloss er sich vor 39 Jahren der Mitte-Links-Partei an, die sich als Bewahrer des Erbes des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk versteht, bis zur Kandidatur Inces aber kraftlos und verstaubt daherkam. Seit 2002 - dem Jahr, als Erdogans AKP an die Macht kam - sitzt der frühere Physiklehrer und Schuldirektor für die CHP im Parlament in Ankara. Mit der Bewerbung um das höchste Amt geht der feurige Abgeordnete ein hohes persönliches Risiko ein.

Als Präsidentschaftsbewerber kann Ince nicht bei der gleichzeitigen Parlamentswahl kandidieren - und der mit Abstand aussichtsreichste Kandidat für das höchste Amt im Staat ist immer noch Erdogan. Mit dem Verlust seines Parlamentssitzes würde Ince auch seine Immunität abhanden kommen. Ince scheut aber weder Angriffe auf Erdogan (die für dessen Gegner mit Klagen enden können), noch lässt er sich von politischen Rückschlägen entmutigen: 2014 und im Februar diesen Jahres versuchte er erfolglos, Parteichef Kemal Kilicdaroglu den Vorsitz zu nehmen. Nun ist Ince dennoch auf der großen Bühne.

Ince hatte im Mai 2016 im Parlament gegen das von Erdogan betriebene, auch von vielen seiner CHP-Kollegen unterstützte Vorhaben gestimmt, vor allem Abgeordneten der pro-kurdischen HDP die Immunität zu entziehen. Heute sitzen zahlreiche Parlamentarier der HDP im Gefängnis. Am Freitag betonte Ince erneut, er wolle Präsident aller Menschen in der Türkei sein - „von Rechten und Linken, Kurden und Türken, Alewiten und Sunniten“. Ince stammt aus Yalova am Marmarameer. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes.

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