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Musical-König der DDR wird 80

Berlin (dpa) Viele Menschen in der DDR sind mit seiner Musik aufgewachsen und haben sie noch heute oft im Ohr. Das brachte Gerd Natschinski den Titel «Musical-König» ein. Der Komponist feiert am Samstag seinen 80. Geburtstag.

Musical-König der DDR wird 80

Der Komponist Gerd Natschinski gilt als der unumstrittene "Musical-König" der DDR.

Fred Frohberg sang zum Beispiel «Zwei gute Freunde», einen Top-Hit der DDR-Schlagergeschichte. Gerd Natschinski war auch mit seinen Bühnenerfolgen wie «Mein Freund Bunbury» oder «Messeschlager Gisela» der unumstrittene «Musical-König» in der DDR. Und seine Filmmusik zum «Heißen Sommer» mit Chris Doerk und Frank Schöbel («Lieb mich so wie dein Herz es mag») war Ende der 60er Jahre Jugendkult pur im damaligen «Arbeiter- und Bauernstaat». An seinem 80. Geburtstag ist der gefeierte Jubilar bei einer großen Musical-Gala der Musikakademie Rheinsberg unter dem Motto «Bunbury und seine Freunde gratulieren!» zu Gast.

Mit dem 1964 komponierten Musical «Bunbury» nach Oscar Wilde schuf Natschinski eines der erfolgreichsten deutschen Musiktheater-Stücke überhaupt mit bisher mehr als 150 Inszenierungen und 6000 Aufführungen im In- und Ausland in zehn Sprachen. Außerdem komponierte er elf weitere Stücke für das Musiktheater und die Musik zu 70 Defa-Filmen wie «Revue um Mitternacht», «Reise ins Ehebett» und «Der Mann, der nach der Oma kam». Eine Musicalfassung des Defa-Musikfilms «Heißer Sommer» kam vor einigen Jahren in Rostock auf die Bühne.

«Es ist ein schönes Gefühl, wenn man sagen kann, man hat einige Sachen geschrieben, die Freude gemacht haben, die zwar modisch waren und doch eine gewisse Zeitlosigkeit haben, das ist eigentlich eine Gnade, auch wenn einem nicht alles gelungen ist», meinte Natschinski dieser Tage in Berlin. Und wohl kaum ein anderer zeitgenössischer Komponist hat es wohl bei den Drehorgelspielern der Nachkriegszeit an der Schönhauser Allee im Berliner Osten geschafft, neben Paul Lincke und Walter Kollo auf den Musikwalzen verewigt zu werden. Einen Geburtstagswunsch hat Natschinski auch: «Ich würde mich freuen, wenn die deutsche kulturvolle Unterhaltungsmusik, die eine Brücke schlägt zwischen der sogenannten E- und U-Musik, wieder etwas mehr Beachtung finden würde.»

Natschinski schrieb Orchesterwerke, Lieder, Schlager und Chansons, von denen zum Beispiel «Damals» und «Treu sein muss ein Mann» oder «Zwei gute Freunde» zu Evergreens in Ostdeutschland wurden. Auch Natschinskis Kinderlieder wie «Blaue Wimpel im Sommerwind» und «Die Heimat hat sich schön gemacht» wurden viel gesungen oder auch staatlich unterstützt populär gemacht.

Als ein «Zeitstück im sozialistischen Sinne» wurde das Leipziger Natschinski-Musical «Messeschlager Gisela» 1960 am Ostberliner Metropol-Theater uraufgeführt und von vielen DDR-Theatern auch nachgespielt. Nach der Wende erzielte 1998 eine schräge Neufassung an der Neuköllner Oper in Berlin einen großen Erfolg. In der DDR war das Stück damals nach etwa 700 Aufführungen landesweit aber plötzlich auf «Berliner Anweisung von ganz oben», wie sich Natschinski heute erinnert, wieder abgesetzt worden.

«Ein unfähiger Firmendirektor, der mal ein guter Buchhalter war, wird zum Modezar gemacht, er lebt das sehr selbstgefällig aus und wird schließlich von seiner Belegschaft zum Rückzug gedrängt», fasst Natschinski den Inhalt seines Musicals zusammen. «Das Ganze war in Messe, Mode, Frauenmacht und FDJ verpackt, aber nach dem Mauerbau 1961 in Berlin stieß das einigen Parteifunktionären sauer auf.»

Der am 23. August 1928 in Chemnitz geborene Natschinski überlebte mit 17 Jahren die Zerstörung Dresdens. Nach dem Krieg studierte er zunächst in Dresden, später war er in Berlin auch Meisterschüler von Hanns Eisler. Mit 20 Jahren gab er in Leipzig bereits Konzerte. «Mein eigentlicher Entdecker ist der Mitteldeutsche Rundfunk» wird er später sagen - und mit 24 Jahren wird Natschinski 1952 Chefdirigent des Großen Tanz- und Unterhaltungsorchesters beim (Ost-)Berliner Rundfunk. 1978 war er für drei Jahre auch Intendant des Ost-Berliner Metropol-Theaters, dem Operetten- und Revuetheater am Bahnhof Friedrichstraße. Natschinski wurde mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet und war auch Mitglied der Ostberliner Volkskammer.

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