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Hintergründe zur RWE-Beteiligung

NRW-Städte hoffen auf Schwung durch Innogy-Börsengang

ESSEN Endlich hat RWE wieder Geld für Investitionen: Mit dem Börsengang des Tochter-Konzers Innogy am Freitag hat der Energieriese rund fünf Milliarden Euro eingenommen. Der historische Schritt könnte auch Auswirkungen auf die Kommunen in der Region haben. Denn die sind mit etlichen Aktienpaketen an RWE beteiligt.

NRW-Städte hoffen auf Schwung durch Innogy-Börsengang

Die RWE-Tochter Innogy. Foto: Roland Weihrauch/Archiv

Wie sind die Städte mit RWE verbunden? Die Verbundenheit mit RWE ist historisch gewachsen. Die Stromversorgung war oftmals kommunale Aufgabe. Über viele Jahre sind die Städte an Rhein und Ruhr mit ihren Versorgungsunternehmen in RWE beziehungsweise den Vorgängerfirmen aufgegangen. So kamen die Kommunen zu ihren Anteilen. Noch heute halten sie fast ein Viertel der RWE-Aktien und haben zahlreiche gemeinsame Unterfirmen mit dem Energieriesen. Seit das Geschäft durch die Liberalisierung des Strommarktes und nicht zuletzt die Energiewende schwieriger wird, löst sich die Verbundenheit mit RWE auf. Erst langsam, zuletzt schneller.

Viele Kommunen haben ihre RWE-Anteile schon vor etlichen Jahren verkauft. Düsseldorf ist ein Beispiel, aber auch Gelsenkirchen und viele kleinere Städte. Zuletzt hat auch Bochum angefangen, sich von seinem RWE-Aktienpaket zu trennen. Die Intensität der Trennung ist sehr unterschiedlich, aber: Je mehr Aktien - und dadurch mehr Dividendeneinnahmen - und je mehr Arbeitsplätze von RWE in einer Stadt liegen, desto schwieriger tun sich die Städte mit dem Abschied. Auffällig: Auch die Verbundenheit auf der Kapitalseite nimmt ab. Städte als Aktionäre spielen für den RWE-Vorstand nur noch eine untergeordnete Rolle.

Wie viele RWE-Aktien haben die Städte denn noch?

  • DORTMUND: Klein erscheint der Anteil der Stadt Dortmund. Laut Beteiligungsbericht 2014/15 hat sie nur 1915 Stammaktien direkt im Besitz. Aber natürlich ist die Stadt Dortmund größte RWE-Aktionärin unter den Kommunen. 23,6 Millionen Aktien halten die Stadtwerke DSW21, das ist ein Anteil von etwa 4,1 Prozent an RWE. Das ist der Anteil, den die Stadtwerke für ihre Beteiligungsholding KEB ausweisen.

DORTMUND Soll sich Dortmund auch an der neuen Öko-Tochter des Energiekonzerns RWE beteiligen, die im Herbst an die Börse geht? Oberbürgermeister Ullrich Sierau sieht darin eine große Chance. Im Energieausschuss der Stadtwerke wurde jetzt erstmals diskutiert, wie ein Einstieg bei "Newco" aussehen könnte. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.mehr...

  • ESSEN: Ein ähnliches Konstrukt findet man auch in Essen, das bis heute Hauptsitz von RWE ist und  dies auch nach der Konzernaufteilung bleiben wird - auch wenn RWE aus seinem die Stadt überragenden Turm ausziehen wird. Insgesamt hält die Kommune etwa 3,1 Prozent an RWE, genau wie in Dortmund über die stadteigene Tochter, die Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft.
  • MÜLHEIM: Die Stadt ist nach Essen und Dortmund der größte kommunale Aktionär mit einem Anteil von circa 1,5 Prozent. Stolze 9,8 Millionen Aktien liegen im Depot der Mülheimer Beteiligungsholding, die – der Name verrät es - Beteiligungen der Stadt managt. Ein Großteil der Mülheimer Aktien ist mit Auflagen gebunden, nur rund ein Drittel könnte man verkaufen – wenn man denn wollte.
  • BOCHUM: Die Kommune hatte  bis Ende September 6,6 Millionen Aktien, die von der Fernheizgesellschaft Bochum-Ehrenfeld (FHE) gehalten werden, einer 100-prozentigen Tochter der Holding für Versorgung und Verkehr (HVV), die zu den Stadtwerken gehört und somit zum Konzern der Stadt Bochum. Zum ersten Oktober hat die Stadt ihre RWE-Aktien aus den Beteiligungen geholt, um selbst darüber verfügen zu können. Ein Ratsbeschluss ermächtigte die Kämmerei anschließen ein Aktienpaket von 2,2 Millionen zu verkaufen, sobald der Kurs wieder über 15 Euro je Aktie steigt. Das war kurz vor dem Börsengang von Innogy der Fall. Bochum stieß 2,2 Millionen Aktien ab. 

Beschlüsse im Bochumer Rat

Vonovia-Neubau und Abschied von RWE-Aktien

BOCHUM Die Stadt Bochum wird sich aller Voraussicht nach schon bald von ihren RWE-Aktien trennen. Der Rat hat in seiner Sitzung am Donnerstag einen entsprechenden Fahrplan verabschiedet – einige Grundvoraussetzungen inklusive. Außerdem auf der Tagesordnung: die verkaufsoffenen Sonntage und der Neubau der Vonovia-Zentrale.mehr...

  • OBERHAUSEN: Die Stadt besitzt noch rund 1,2 Millionen Aktien, die über die Verkehrsbetriebe gehalten werden. Auch Oberhausen arbeitet im operativen Geschäft mit RWE zusammen: Der örtliche Energieversorger gehört zur Hälfte dem Essener Konzern.
  • GLADBECK: Etwa 1,1 Millionen Aktien hält die Stadt direkt an RWE. Zudem ist man noch über die Emscher-Lippe-Energie GmbH, dem örtlichen Versorger, mit dem Energie-Konzern im operativen Geschäft verbunden. RWE ist an dieser GmbH beteiligt.
  • LÜNEN: Ein „kleiner“ Restbestand von 24.163 Aktien ist noch in den Büchern der Stadtwerke Lünen. Nur noch ein Bruchteil der einst deutlich größeren Beteiligung: Diese haben die Stadtwerke jedoch schon 2006/07 abgestoßen. Aufgrund strategischer Überlegungen trennte man sich lange vor den schlimmsten Kursverlusten. Im Depot blieb nur ein „Merkposten“, der noch mal anwuchs, als Aktien zugeteilt wurden. Mit RWE arbeitet man jetzt aber noch im operativen Geschäft zusammen.
  • NORDKIRCHEN: Auch die Gemeinde Nordkirchen hält noch exakt “49 RWE-Aktien”, teilt die Stadt mit. Ein Anteil von 0,0001 Prozent am Konzern. Das ist deutlich weniger, als manch ein Privataktionär hält. In den Büchern der Gemeinde sind die Aktien mit insgesamt 562,77 Euro verbucht.
  • Hinzu kommen noch viele kleine Kommunen aber auch Landkreis vor allem im rheinischen Braunkohle-Revier, die weitere Aktienpaket halten.

Haben die Städte ihre Aktien gekauft und was mussten sie dafür bezahlen? Die Kommunen sind keine normalen Aktionäre, die irgendwann ihr saures Haushaltsgeld in Aktien investiert haben. Die Anteile sind ihnen historisch zugewachsen. Oder wie ein Kämmerer sagt: „Die Aktien sind uns zugefallen.“ Die Verbundenheit mit dem Stromproduzenten ist im Ruhrgebiet fast so alt wie die Stromproduktion: Seit mehr als hundert Jahren sind beide Seiten eng miteinander verwoben. Die Kommunen vergaben die Konzessionen an Unternehmen zur Stromproduktion.

ESSEN Der kriselnde Stromriese RWE nutzt die Hauptversammlung in Essen, um die Politik in der angespannten finanziellen Situation um Hilfe zu bitten. RWE-Chef Peter Terium muss seine Rede allerdings kurzzeitig unterbrechen - denn Umwelt-Aktivisten stürmen die Bühne.mehr...

Kein Wunder also, dass diese schon früh versuchten, die Kommunen an sich zu binden. So sicherte sich RWE 1905 die Ausweitung des Versorgungsgebietes, in dem die Städte Essen, Gelsenkirchen und Mülheim erstmals auch am Aktienkapital beteiligt wurden. Städte wie Dortmund oder Bochum gründeten dagegen eigene Elektrizitätswerke, um die als Konkurrenz wahrgenommene RWE aus dem Stadtgebiet abzuwehren.

1925 wurden diese Unternehmen in den Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen (VEW) zusammengeführt. Seit die VEW wiederum 2000 mit der RWE fusionierten, sind auch Dortmund und Bochum direkt an RWE beteiligt. Bis heute ist diese Zweiteilung zwischen rheinischen Kommunen und den westfälischen Ex-VEW-Städten in der Struktur der Beteiligungsgesellschaften abzulesen. Dortmund dominiert die westfälischen Anteilseigner, Essen die rheinischen.

Was haben die Kommunen heute noch von der Beteiligung an RWE? Finanziell haben sie zum einen die Aktien als Wertanlage und zumindest hatten sie die Dividende als Einnahmequelle. So kam über Jahre viel Geld entweder direkt in die kommunalen Haushalte oder zu den Tochterfirmen der Städte, die wiederum Geld an die Konzernmutter, also die Stadt, überwiesen. In den vergangenen zehn Jahren wurden für jede Aktie insgesamt mehr als 27 Euro ausgeschüttet. Kommunen wie Gladbeck und Oberhausen haben allein dadurch 30 beziehungsweise 35 Millionen Euro eingenommen.

Städte, die größere Aktienpakete haben wie Bochum und Mülheim, konnten sich über 180 und 265 Millionen Euro freuen. Und die kommunalen Hauptanteilseigner Essen und Dortmund kamen sogar allein über die Dividende auf deutlich mehr als eine halbe Milliarde Euro. Der Wert der Aktien spiegelt sich zudem in den Bilanzen der Städte oder Tochterunternehmen wieder und bietet somit Raum für Handlungsspielraum.

Bei den Städten, die direkt an RWE beteiligt sind, ist der Aktienkurs mit entscheidend für die Höhe der Kredite, die die Stadt aufnehmen darf. Nicht zuletzt sind auch heute noch zahlreiche Städte wirtschaftlich mit RWE verbunden, etwa indem sie gemeinsam die örtliche Energieversorgung betreiben. Die Kommunen, die sich dank ihrer Aktienpakete in den Gremien der RWE wiedergefunden haben, können so auch einen gewissen Einfluss auf den Energie-Konzern ausüben. Jedoch ist dieser Einfluss zuletzt immer weiter geschrumpft.

170 Millionen Verlust in 2015

RWE kündigt weitere Einsparungen an

ESSEN Der angeschlagene Energiekonzern RWE steht vor weiteren Einschnitten. 170 Millionen Euro Verlust verbuchte der Konzern in 2015. Vor allem in den klassischen Großkraftwerken und im britischen Vertriebsgeschäft soll es weitere Einsparungen geben, teilte RWE am Dienstag in Essen mit. Geplant ist, bis 2018 die Kosten um weitere 500 Millionen Euro zu drücken.mehr...

Was haben die Kommunen vom Börsengang der RWE-Tochter Innogy Mit Innogy bringt RWE sein sogenanntes Zukunftsgeschäft aus Ökostrom, Netzen und Vertrieb an die Börse. Hier sehen Investoren Wachstumsperspektiven. Zudem verspricht das Netzgeschäft mit seinen staatlich vorgegebenen Preisen zwar keine üppigen, aber gut kalkulierbare Erträge. In Zeiten niedriger Zinsen sind solche Anlagen gefragt. Vor allem aber kommt Innogy ohne Altlasten aus Atom- und Kohlekraftwerken auf den Markt und winkt mit hohen Dividenden.

Allerdings sind die Kommunen dabei zunächst außen vor. Eine Umwandlung von RWE-Aktien in Innogy-Aktien gab es nicht - er lade die Städte ein in die neue Tochter zu investieren, hatte RWE-Chef Peter Terium auf der Hauptversammlung gesagt. Die Stadtwerke Dortmund könnten sich durchaus vorstellen, neben den RWE-Aktien auch Papiere von Innogy nachzukaufen, wenn die Gesellschaft erfolgreich agiere, so ein Stadtwerke-Sprecher. Einige kommunalen Anteilseigner des Energiekonzerns setzen darauf, dass ein Erfolg der abgespaltenen RWE-Großtochter Innogy auch wieder Geld in ihre Kassen spült. „Wir erhoffen und erwarten eine Hebelwirkung durch gute Geschäfte der Innogy auch für die RWE-Aktie“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes der kommunalen RWE-Aktionäre, Ernst Gerlach. Denn wenn Innogy viel Geld an RWE ausschüttet, könnte dort auch wieder Geld für eine Dividende sein. 

Was hat RWE von dem Börsengang der Tochtergesellschaft? In erster Linie verschafft sich der Mutterkonzern RWE neue finanzielle Spielräume. Vor einem Jahr schien das noch undenkbar. Kaum ein Investor wollte RWE angesichts wegbrechender Gewinne der alten Großkraftwerke und der Unsicherheiten über die Kosten für den Atomausstieg noch Geld geben. Jetzt bringt der Börsengang von Innogy Milliarden ein. Geld, dass der Konzern für Neuinvestitionen in Energiewende-Produkte die Kosten des Atomausstiegs gut gebrauchen kann.  

Welche Optionen haben die Kommunen? Sie müssen sich entscheiden, was sie mit ihren RWE-Aktien machen. Einige Städte haben angefangen, ihre Beteiligung zu verkaufen. "Die emotionale Bindung an das Unternehmen RWE gibt es so nicht mehr", sagt ein Kämmerer. Bleibt noch die ökonomische Betrachtung und der Blick in die Glaskugel. Noch Anfang des Jahres lag die Aktie bei 11 Euro, ist im Vorfeld des Börsengangs von Innogy auf deutlich mehr als 15 Euro geklettert. Am Freitag aber brach sie mit dem Börsengang um gut 7 Prozent auf etwas mehr als 13 Euro ein. Zur Einordnung: Die Aktie hatte in Spitzenzeiten 100 Euro gemacht, lag auch vor zwei Jahren noch doppelt so hoch wie heute. 

Den letzten Kurssturz sehen Analysten vor allem durch Umstrukturierung der großen Fonds bedingt. Sie würden ein Teil ihrer RWE-Aktien durch Innogy-Aktien austauschen. Das führe zwischenzeitlich zu Verkäufen. Langfristig ist kaum eine Prognose abzugeben. 

Hiobsbotschaft für Anleger

RWE schockt Dortmunder Stadtwerke

DORTMUND Eine Schockwelle rollte am Mittwoch durch die Führungsetage bei den Dortmunder Stadtwerken (DSW21), ausgelöst durch die Ankündigung des Energieriesen RWE, in diesem Jahr die Dividende fast komplett zu streichen. Wir erklären, welche Auswirkungen das für die Stadtwerke hat.mehr...

Sowohl bei den Analysten als auch bei den Kommunen gehen die Meinungen über die Zukunft auseinander. Ein Teil sagt: verkaufen, besser wird es nicht. Die anderen setzen auf Abwarten und einen steigenden Kurs. Für Kommunen mit RWE-Standorten wie Essen und Dortmund kommt dagegen ein Verkauf "schon politisch eher nicht in Betracht", heißt es.  „Wenn das Tafelsilber einmal weg ist, ist es weg“, sagte ein Sprecher der Dortmunder Stadtwerke. Die RWE-Dividenden hätten viele Jahre lang geholfen, etwa die strukturellen Defizite des Nahverkehrs auszugleichen. Auch die Stadt Essen hat ein klares Bekenntnis zu seinen RWE-Aktien ausgesprochen. 

Mit Material von dpa

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