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Kredite in der Schweiz

NRW-Städten drohen Millionen-Verluste

NRW Der starke Schweizer Franken bereitet den Finanzchefs in vielen Kommunen Nordrhein-Westfalens Kopfzerbrechen. Die einst günstigen Kredite in der Schweiz werden durch den Wechselkurs immer teurer. Es drohen Verluste in dreistelliger Millionenhöhe, die die Städte zusätzlich belasten.

NRW-Städten drohen Millionen-Verluste

Die Abkoppelung des Franken von dem Euro hat weltweit Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst. Foto: Oliver Berg

Die überraschende Freigabe des Euro-Wechselkurses zum Schweizer Franken durch die Notenbank der Eidgenossen am Donnerstag bedeutet für die Kommunen in NRW einen Verlust bei den Kassenkrediten von 100 bis 200 Millionen Euro. Die Kämmerer in Essen, Bochum, Münster aber auch Lünen oder Gelsenkirchen und Dorsten sind geschockt. Essens Finanzchef Lars Martin Klieve spricht von einer „Katastrophe“. Manfred Busch, Kämmerer der Stadt Bochum, formuliert es vorsichtiger: Die Entwicklung sei „sehr ärgerlich“.

Verlockung nach billigem Geld 

„Jetzt rächt sich ein hochspekulatives Geschäft“, sagt Eberhard Kanski vom Bund der Steuerzahler in NRW. Diese Kredite hätte man nie aufnehmen dürfen. Doch gerade klamme Kommunen unterlagen der Verlockung nach billigem Geld. Denn über viele Jahre waren die Zinsen in der Schweiz deutlich geringer als im Euroraum. Also liehen sich die Kämmerer Geld bei den Eidgenossen und nahmen das Risiko von Währungsschwankungen billigend in Kauf. Ein fataler Fehler, wie sich inzwischen herausstellt.

Ein Rechenbeispiel aus Bochum: 150 Millionen Euro hat sich die Stadt 2010 in der Schweiz geliehen. Zum damaligen Kurs entsprach dies etwa 220 Millionen Schweizer Franken. Diese Summe schuldet Bochum den Banken noch immer – nur ist der Wechselkurs inzwischen ein völlig anderer. Statt 1,47 Franken gibt es für einen Euro nur noch etwa einen Franken.

Verlust zehn mal höher

Um die Schulden abzuzahlen, wären nun knapp 215 Millionen Euro fällig. Ein Minus in Höhe von 65 Millionen Euro. Demgegenüber stehen die gesparten Zinsen: 6,5 Millionen Euro – gerade Mal zehn Prozent der Verlustsumme. Die Stadt Essen hat sich seit 2002 etwa doppelt so viel Geld in der Schweiz geliehen wie Bochum, Münster halb so viel. Insgesamt haben die Kommunen in NRW nach Angaben der Landesregierung etwa 1,2 Milliarden Euro an Kassenkrediten in Fremdwährungen. Ein Großteil davon in Schweizer Franken, sagt der Bund der Steuerzahler. Jetzt müssen die Kämmerer entscheiden, was sie tun: So schnell wie möglich aussteigen – mit hohen Verlusten. Oder auf einen besseren Wechselkurs hoffen.

Bochums Kämmerer Busch glaubt nicht, dass der Franken so stark bleibt. „Wir müssen die Turbulenzen abwarten“, sagt er. Mitunter gehe es über kurz oder lang zurück in Richtung 1,20. Eberhard Kanski vom Bund der Steuerzahler ist davon nicht überzeugt: Die Politik des billigen Geldes durch die Europäische Zentralbank werde den Euro mittelfristig schwach und den Franken stark halten. „Ich erwarte eine Währungsparität“, sagt er mit Blick auf die nächsten Jahre. Heißt: ein Franken für einen Euro. „Das wäre für die Kommunen natürlich eine Katastrophe“, so Kanski. Seine Prognose: „Das sind die nächsten Gebühren- und Steuererhöhungen für die Bürger in den Städten.“

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