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NSU-Opfer: Wissen um Hintergründe wichtiger als Strafe

München. Zwei Männer, die bei dem Nagelbombenanschlag des NSU in Köln verletzt wurden, üben scharfe Kritik an Ermittlern und am damaligen Innenminister. Im NSU-Prozess forderten sie vor allem Aufklärung.

NSU-Opfer: Wissen um Hintergründe wichtiger als Strafe

Das Gerichtsgebäude in München. Foto: Peter Kneffel/Archiv

Einer der Verletzten eines Bombenanschlags des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ in Köln hat das Oberlandesgericht München am Dienstag aufgefordert, in seinem Urteil im NSU-Prozess auch rassistische Haltungen bei den Behörden festzustellen. Bei dem Anschlag auf der Kölner Keupstraße am 9. Juni 2004 waren 23 Menschen teils schwer verletzt worden. Der Geschädigte Mohamed A. sagte: „Wie hoch (Beate) Zschäpe und ihre Mitkämpfer verurteilt werden, ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, die Hintergründe aufzuklären.“

A. kritisierte, viele der Opfer in der Keupstraße seien von der Polizei zu Unrecht verdächtigt und unter Druck gesetzt worden. „Die Atmosphäre unter uns war so, dass ich trotz geplatzten Trommelfells nicht wagte, zu einem Arzt zu gehen, da ich dachte, der würde mich dann bei der Polizei melden.“ 

Prägend für die Stimmung sei gewesen, dass der damalige Innenminister Otto Schily (SPD) unmittelbar nach der Explosion keine Anhaltspunkte für einen terroristischen Anschlag gesehen, sondern von Anhaltspunkten für eine Straftat von gewöhnlichen Kriminellen gesprochen habe. „Da war klar, was wir zu erwarten haben.“

Arif S., der ebenfalls bei dem Anschlag verletzt wurde, erinnerte an eine seiner Vernehmungen bei der Polizei. Ein Zivilbeamter habe ihm gesagt, er wisse doch, wer die Täter waren. „Ich sagte, dass die Täter Neonazis waren.“ Da habe der Polizist seinen Finger auf die Lippen gelegt und damit gesagt, „dass ich schweigen solle“.

S. hatte zu Beginn allen Anwesenden im Gerichtssaal „Guten Morgen“ gewünscht, „außer dieser Mörderin“, womit Zschäpe gemeint war. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl ließ ihn weitersprechen, mahnte aber anschließend zu Sachlichkeit.

Nebenklage-Anwalt Stephan Kuhn bezeichnete den Anschlag in der Keupstraße als versuchten Mord in 32 Fällen. Zschäpe sei als Mittäterin zu sehen. Er sei davon überzeugt, dass auch der mitangeklagte mutmaßliche Terrorhelfer André E. vorab über den Anschlag eingeweiht gewesen sei und dass der mutmaßliche NSU-Waffenbeschaffer Ralf Wohlleben zumindest hinterher davon erfuhr.

Kuhns Kollege Berthold Fresenius sagte, die Menschen auf der Keupstraße seien zwar zufällig getroffen worden. „Es war aber kein Zufall, dass sie als Migranten Opfer wurden.“ Die Keupstraße sei ein „kulturelles und geschäftliches Zentrum einer türkischen und kurdischen Gemeinde“ gewesen. Der dann bei den Ermittlungen wirkende „institutionelle Rassismus“ habe auf die Opfer gewirkt wie „eine Bombe nach der Bombe“.

Zschäpe ist wegen Mittäterschaft an allen Verbrechen des NSU angeklagt. Dazu gehören neben insgesamt zwei Sprengstoffanschlägen zehn Morde. Neun der Mordopfer waren türkisch- oder griechischstämmige Gewerbetreibende. Unmittelbare Täter sollen immer Zschäpes beiden Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gewesen sein. Sie hatten sich nach einem gescheiterten Banküberfall im November 2011 das Leben genommen.

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