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Nach Echo-Eklat: BMG legt Zusammenarbeit mit Rappern auf Eis

Berlin. Der Ärger nach der Echo-Verleihung setzt auch die Plattenfirma des umstrittenen Rap-Albums unter Druck. Jetzt will die Bertelsmann-Tochter handeln - und zieht Konsequenzen. Auch Rekordpreisträgerin Helene Fischer meldet sich zum Echo zu Wort.

Nach Echo-Eklat: BMG legt Zusammenarbeit mit Rappern auf Eis

Kollegah (l) und Farid Bang bei der Echo-Verleihung. Foto: Jörg Carstensen

Nach dem Eklat um die Echo-Auszeichnung für ein als judenfeindlich kritisiertes Rap-Album zieht die Plattenfirma Bertelsmann Music Group (BMG) Konsequenzen.

Nach Angaben eines Sprecher des Mutterkonzerns Bertelsmann soll die Zusammenarbeit mit den Musikern Farid Bang und Kollegah auf Eis gelegt werden.

„Wir hatten den Vertrag über ein Album. Jetzt lassen wir die Aktivitäten ruhen, um die Haltung beider Parteien zu besprechen“, sagte BMG-Chef Hartwig Masuch der Online-Ausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Bereits zuvor die Plattenfirma angekündigt, eine Kampagne gegen Antisemitismus starten zu wollen.

Dazu will das Unternehmen mit Sitz in Berlin ein Projekt mit 100.000 Euro unterstützen. „Gemeinsam mit sachverständigen Organisationen sollen Projekte zur Bekämpfung der besorgniserregenden Entwicklung an Schulen ausgesucht werden“, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Schwerpunkt soll in Berlin liegen.

Die BMG hatte in Kooperation mit den Musik-Labels der beiden Rapper, Banger Musik und Alpha Music Empire, das umstrittene Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ veröffentlicht. Die Musiker waren vorige Woche für das Werk mit dem Musikpreis Echo ausgezeichnet worden. Textzeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ hatten heftige Kritik und eine Debatte um Antisemitismus ausgelöst.

Schlagersängerin und Rekordpreisträgerin Helene Fischer schrieb am Donnerstag bei Facebook, sie habe den Auftritt der Rapper bei der Echo-Verleihung „unangemessen und beschämend“ gefunden. Dieser Musikpreis sei jahrelang ein Publikumspreis gewesen, auf den man stolz sein konnte.

Sie habe sich über jeden einzelnen sehr gefreut, schrieb die 17-fache Preisträgerin: „Trotzdem finde ich, hätte man vorher überlegen sollen, ob man Gewalt, Hass und Wut eine solch große Präsenz im Fernsehen geben muss. Ich nehme an, dass ihr mir zustimmt, wenn ich hier sage: Nein.“

„Den Echo zu gewinnen ist vielleicht das eine, die beiden dort auch noch auftreten und ihre Show machen zu lassen, fand ich persönlich bedrückend“, schrieb Fischer. Es sei schade, dass die Provokation der Rapper so viel Promotion entstehen lasse. „Nicht nur, dass man ihren gewaltverherrlichenden, antisemitischen, homophoben und frauenverachtenden Texten ein Podium geboten hat... auch die Bedeutung des Echo ist somit komplett in den Hintergrund geraten...“ Sie hoffe, „dass alle Verantwortlichen die Umsetzung des Echo überdenken“. Für sie sei in diesem Jahr „eine ethische Grenze klar überschritten“ worden, schrieb Fischer.

BMG hatte sich in einer Stellungnahme am Mittwoch noch hinter Farid Bang und Kollegah gestellt. „Wir nehmen Künstler und künstlerische Freiheit ernst, und wir sagen unseren Künstlern nicht, was ihre Texte enthalten sollten und was nicht“, teilte die Bertelsmann-Tochter auf Anfrage in Berlin mit. Und weiter: „Zweifellos haben einige Songtexte auf JBG3 viele Menschen zutiefst verletzt. Andererseits waren viele Menschen ganz klar nicht so sehr verletzt, insofern, dass es zu einem der meistverkauften Alben des vergangenen Jahres in Deutschland wurde.“

Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz Komitee warf den Verantwortlichen der Plattenfirma in einer Mitteilung „Zynismus“ vor. Dieser beschreibe „genau das Dilemma unserer Gesellschaft, in der ein rohes Wegrutschen junger Menschen aufgrund einer sinn- und werteentleerten Unternehmenspolitik und einer ausschließlich am Gewinnstreben orientierten Publikationsstrategie immer möglicher erscheint.“ Dies alles mit dem Anspruch zu verknüpfen, die künstlerische Freiheit zu verteidigen, sei „pure Heuchelei“.

Zu internen Diskussionen bei der BMG-Mutter Bertelsmann oder zu Reaktionen der Besitzerfamilie Mohn wollte sich ein Sprecher nicht äußern. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur hieß es dazu: „Bertelsmann behandelt das Thema auf allen Ebenen sehr ernsthaft.“

Und weiter: „Bertelsmann distanziert sich von jeder Form von Antisemitismus und Diskriminierung. Die Unternehmensgrundwerte sind eindeutig: Bertelsmann fördert die künstlerische und geistige Freiheit, den Schutz von Demokratien und Menschenrechten, den Respekt vor Traditionen und kulturellen Werten; deshalb spiegeln unsere Inhalte eine Vielfalt von Einstellungen und Meinungen wider.“

Die israelische Pianistin und fünffache Echo-Preisträgerin Yaara Tal will ihre Trophäen - im Gegensatz zu anderen Musikern - nicht zurückgeben. Sie finde dies wohlfeil und heuchlerisch, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“. „Damit wird nichts besser, es trifft nicht die gesellschaftliche Problematik, mit der wir alle umgehen müssen.“

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