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Nachdem ich ihm begegnet bin

Berlin. Unverhoffte Begegnungen können das ganze Leben verändern. Davon erzählt eine britische TV-Serie, die jetzt auf Arte zu sehen ist.

Nachdem ich ihm begegnet bin

Yvonne (Emily Watson) wird wegen Beihilfe zu einem Mord angeklagt. Foto: Nick Briggs/Arte France/BBC

Eben lief das Leben noch brav in geordneten Bahnen, und schon im nächsten Moment ist nichts mehr, wie es war.

Um ein schicksalhaftes Zusammentreffen geht es in der Serie „Nachdem ich ihm begegnet bin“ (Originaltitel: „Apple Tree Yard“), die an diesem Donnerstag ab 20.15 Uhr auf Arte als Vierteiler zu sehen ist.

„Bevor ich dir begegnet bin, war ich eine zivilisierte Frau“ - das sagt Yvonne zu Beginn der Serie zu sich und zum Zuschauer. Dann gibt es einen Rückblick, der neun Monate zurück führt: Die Genforscherin Yvonne Carmichael (Emily Watson) stellt bei einer Konferenz in London ihre neuesten Forschungsergebnisse vor. Danach wird sie am Getränkestand von einem Mann angesprochen, der ihr zu ihrem verständlichen Vortrag gratuliert und zur Besichtigung in die Krypta von Westminster führt, wo es in einem kleinen Raum (einer früheren Besenkammer) zu einem One-Night-Stand kommt. Scheinbar zufällig trifft sie den ebenfalls verheirateten Mark (dubios: Ben Chaplin) wieder. Sie stürzen sich in eine leidenschaftliche Affäre mit viel (ungeschütztem) Sex, den sie zumeist in der Öffentlichkeit - zum Beispiel in einer kleinen Gasse namens Apple Tree Yard - ausleben.

Das gab es so ähnlich schon unzählige Male zu sehen. Auch diese Serie erzählt von menschlichen Abgründen, von Lüge und Selbsttäuschung - und von Kontrollverlust und der Bedeutung der Worte. Es geht um geplatzte Lebensträume und darum, dass eine Partnerschaft nicht nur aus Kochen, Müll wegbringen, Kindererziehung und Großeltern werden besteht. Doch hier geht es drastischer und geheimnisvoller zu, was insbesondere in den klugen Dialogen und später in einem sehr harten Gerichtsverfahren zum Ausdruck kommt. Immerhin hält ihre Familie zusammen.

Es ist faszinierend zu sehen, wie sich diese Frau um die 50 weiter öffnet und verändert: Erst wird sie immer attraktiver, bekommt Komplimente, bis sie von einem Kollegen erst vergewaltigt und später gestalkt wird. Alles das kann sie ihrem liebevollen und völlig unwissenden Mann Gary (gut: Mark Bonnar), der selbst mit einer möglichen Affäre ringt, und ihren beiden Kindern nicht sagen. Im Grunde weiß sie von ihrem Mann fast genauso wenig wie von ihrem geheimnisvollen Liebhaber. Doch auf eine gewisse Weise benutzt sie beide.

Die Regisseurin Jessica Hobbs („Broadchurch“) hat ihre vierstündige Miniserie nach dem Roman von Louise Doughty (54, „Dunkle Wasser“) gedreht. Ihre Hauptfigur wird großartig und vielschichtig gespielt von Emily Watson (51), deren neuer Kinofilm „The Happy Prince“ demnächst ins Kino kommt.

Sie gibt Yvonne als zunächst scheue und dann zunehmend gebrochene Frau, die alles zu haben scheint und doch ziemlich viel aufs Spiel setzt. Irgendwann weiß sie nicht mehr, was das vermeintlich zivilisierte Leben überhaupt bedeutet und ist der Ansicht, dass wir alle nur angstgesteuerte Tiere sind. Sex mag ein animalisches Vergnügen sein, aber der Ehebruch - und um den geht es hier schon auch - ist ein menschliches. Das sagt die selbstreflektierte Yvonne ebenfalls - aber da ist bereits alles zu spät.

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