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Nadelstreifen oder Outdoor-Jacke: Was Kleidung uns verrät

Hamburg (dpa/tmn) Immer elegant, immer sportlich oder immer in Schwarz: Der Spruch «Zeig mir, was Du an hast und ich sage Dir, wer Du bist» hat seine Berechtigung: Ton und Kombination bestätigen so manches Vorurteil.

Denn Stil und Farbe des Outfits teilen mit, was sich jemand morgens bei seiner Kleiderwahl gedacht hat - oder dass er sich eben keinen Kopf gemacht hat. Grundsätzlich uniformieren sich die Menschen auch im täglichen Leben - zum Beispiel, weil sie sich an eine Umgebung anpassen oder zu einer bestimmten Gruppe gehören wollen, erläutert die Image- und Farbberaterin Beatrix Isabel Lied aus Hamburg. Damit sende jeder eine vergleichsweise klare Botschaft: Der Träger des schwarzen Rollkragenpullovers ist Künstler, Intellektueller, Architekt - der Liebhaber von Outdoor-Jacke und Trekking-Sandalen ein Öko und Naturbursche.

Die französischen Autorinnen Catherine Joubert und Sarah Stern haben ein ganzes Buch über solche Typen verfasst. In ihren Analysen bedienen sie sich vor allem der Tiefenpsychologie Siegmund Freuds. Dabei müssen die vielversprechende Partybekanntschaft oder die neue Kollegin nicht gleich auf die Couch im Kopf - das Outfit spricht deutliche Sätze, wenn der Betrachter sie zu hören weiß. «Die Kleidung ist Ausdruck des Geschmacks - und der kann eben Ausdruck einer Einstellung sein», sagt Lied.

Daher ist es laut der Stilberaterin Lisa Zimmermann aus Berlin keine Oberflächlichkeit, wenn man die Menschen auch nach dem Äußeren beurteilt: «Es sind die berühmten ersten zehn Sekunden, die über den ersten Eindruck entscheiden.» Zwar machen sich erstaunlich wenige Menschen tatsächlich Gedanken über die Wirkung ihrer Kleiderfarben, sagt die studierte Psychologin. «Aber ob bewusst oder unbewusst: Sie wählen einen Ton, von dem sie glauben, dass er zu ihnen und zur Situation passt.»

Sinnvoll ist es bei der Auswahl des Outfits aber auch, die grundsätzliche Wirkung bestimmter Farben zu kennen - sonst ist man schnell ein Typ, der man vielleicht gar nicht sein will. Schwarz zum Beispiel hat einen sehr starken Effekt: «Es signalisiert Abgrenzung und Besonderheit», sagt Zimmermann. Menschen, die sich abheben wollen, wählten daher gern schwarze Klamotten. Schwarz stehe aber auch für Konzentration und Reduktion: «Schwarz ist eine Unfarbe, damit legt man sich nicht fest», sagt Prof. Gisla Gniech aus Bremen, die bis zu ihrer Emeritierung Psychologie an der Universität der Hansestadt lehrte.

Blau dagegen sei viel offener als Schwarz - die «Farbe der Macht» zeugt von Eleganz, sagt Zimmermann. Für Gniech steht sie zudem für Sachlichkeit und Intellekt. Und so lässt sich die Liste fortsetzen: Rot verweist auf einen exzentrischen, extrovertierten Träger, Gelb vermittelt Spritzigkeit, und Rosa drückt etwas Verspieltes, Romantisches aus. Vor dem Kleiderschrank kann es helfen, über diese Wirkungen Bescheid zu wissen - und sie sich immer wieder in Erinnerung zu rufen. Denn nicht alles passt zu jedem Anlass, und meist wird eher unbewusst ausgewählt.

«Es hat mehr mit Gewohnheit zu tun und mit der inneren Einstellung, ob man meint, dass etwas zu einem passt», sagt Gniech. Umgekehrt fallen Entscheidungen gegen eine Farbe oder ein Kleidungsstück ebenfalls intuitiv: «Da kann das Kleid noch so gut sitzen und die Figur positiv unterstreichen - wer sich unwohl fühlt, findet sich in den meisten Fällen im betreffenden Outfit schlichtweg nicht wieder.» Das kann dann - modisch gesehen - passende oder unpassende Ergebnisse hervorrufen. Damit allein unterscheiden sich aber noch nicht Kenner von Ignoranten.

«Wer zum falschen Ton greift, hat entweder kein Farbempfinden», sagt Zimmermann. «Es kann aber auch sein, dass er ganz klar etwas zum Ausdruck bringen will.» Das kann ein persönlicher Protest gegen eine Uniformierung oder Konvention sein. Oder es geht schlichtweg darum aufzufallen. Denn auch der Stilbruch kann ein Element des Stils sein. Zur endgültigen Urteilsbildung sollte das Vorurteil daher nicht dienen - auch nicht in der Mode.

Literatur: Catherine Joubert und Sarah Stern: «Zieh mich aus! Was Kleidung über uns verrät.» Deutsche Verlags-Anstalt, ISBN: 9-783-42104-209-5, 14,90 Euro

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