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Nahrungskonzerne tragen in armen Staaten zu Diabetes bei

London (dpa) Wohlstand in den Entwicklungsländer führt nicht zwangsläufig zu typisch westlichen Ernährungskrankheiten. Auch die Verbreitung von Lebensmittelkonzernen spielt dabei eine Rolle. Das zeigen Forscher unter anderem mit einem Vergleich von Mexiko und Venezuela.

Nahrungskonzerne tragen in armen Staaten zu Diabetes bei

Hauptstadt von Vietnam, unter einer Werbung des Getränkeherstellers Coca-Cola. Die Ausbreitung großer Lebensmittelkonzerne in Entwicklungs- und Schwellenländern trägt dort offenbar stark zu chronischen Krankheiten bei. Foto: Julian Abram Wainwrihgt/Archiv

Die Ausbreitung großer Lebensmittelkonzerne in ärmeren Ländern trägt dort einer Studie zufolge stark zu Fettleibigkeit und chronischen Krankheiten bei. Der Konsum von gesüßten Erfrischungsgetränken und verarbeiteten Lebensmitteln nehme in solchen Staaten rapide zu. Damit steige auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes 2, warnen die Forscher aus Großbritannien, Indien und den USA im Online-Journal «PLoS Medicine».

Neben Tabak und Alkohol zählen verarbeitete Lebensmittel und Erfrischungsgetränke wegen ihres hohen Gehalts an Zucker, Salz oder Fett zu den wichtigsten Risikofaktoren für viele chronische Krankheiten. Lange Zeit dachten Forscher, der steigende Konsum solcher Produkte in Entwicklungs- und Schwellenländern hänge in erster Linie mit zunehmendem Wohlstand zusammen. Das Team um den Soziologen David Stuckler von der englischen Universität Cambridge überprüfte die Theorie nun mit Hilfe offizieller Verkaufsdaten. Für bis zu 80 Länder analysierte es die Entwicklung der vergangenen Jahre und Marktprognosen bis 2016.

Ergebnis: Der Konsum von verarbeiteten Lebensmitteln und Erfrischungsgetränken steigt in Entwicklungs- und Schwellenländern oft sogar schneller als früher in den Industrieländern. Ursache dieses Trends sind jedoch weniger die steigenden Einkommen in den Ländern, sondern vor allem die verstärkte Präsenz internationaler Lebensmittelkonzerne wie etwa Nestlé, Kraft, Pepsi oder Danone. Diese seien in vielen Schwellenländern inzwischen ähnlich stark vertreten wie in den Industriestaaten, schreiben die Forscher. So steige etwa der Konsum von gesüßten Erfrischungsgetränken wie Cola oder Limonade besonders rapide in Vietnam und Indien, gefolgt von Ägypten, China, Tunesien, Kamerun und Marokko.

Begünstigt werde dies durch die Liberalisierung der Wirtschaft oder Freihandelsabkommen: Dadurch können Lebensmittelkonzerne in regionale Märkte einsteigen und heimische Produzenten verdrängen.

Dass der steigende Konsum keine zwangsläufige Folge von Wohlstand ist, beschreiben die Forscher an den Beispielen von Mexiko und Venezuela. In Mexiko stieg der Konsum von Erfrischungsgetränken seit den 1990er Jahren nach einem Freihandelsabkommen mit den USA auf internationale Rekordwerte an: Mexikaner trinken davon pro Kopf durchschnittlich mehr als 300 Liter pro Jahr. Gleichzeitig hat Mexiko von allen Entwicklungsländern den höchsten Anteil übergewichtiger Kinder. In Venezuela dagegen, das kein Freihandelsabkommen mit den USA hat, blieb der Konsum solcher Getränke seit den 1990er Jahren weitgehend konstant - trotz steigenden Wirtschaftswachstums.

Um den Verzehr solcher Produkte zu bremsen, könnten Länder etwa Steuern auf ungesunde Lebensmittel erheben, schlagen die Forscher vor. Gleichzeitig betonen sie, dass viele Konzerne in Industrieländern angekündigt haben, in ihren Produkten den Gehalt von Salz, Zucker oder ungesunden Fetten zu senken. Solche Schritte würden jedoch in Entwicklungs- und Schwellenländern meist nicht angewendet.

Ein Sprecher von Nestlé sagte der Nachrichtenagentur dpa auf Anfrage, das Unternehmen trage weltweit dazu bei, die Ernährung und die Gesundheit der Menschen zu verbessern. Dazu würden Nahrungsmitteln etwa mit gesundheitsfördernden Nährstoffen wie Eisen, Vitaminen oder Mineralstoffen angereichert. Gleichzeitig habe Nestlé in den vergangenen Jahren in seinen Produkten die Konzentrationen von Salz, Zucker und Fett gesenkt.

Public Library of Science Medicine, Studie erscheint erst nach Ablauf der Sperrfrist

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