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Gelsenkirchens Eisbär-Baby auf Entdeckertour

Nanook ist der neue Publikumsliebling in der Zoom

Gelsenkirchen Der erste Ansturm ist vorbei, doch das Interesse ist geblieben: Eisbärmädchen Nanook ist der Publikumsmagnet in der Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen. Ein kleiner Eisbär – das ist eine kleine Sensation, denn viele Eisbären überleben die ersten Wochen nicht. Doch Nanook ist wohlauf - und voller Tatendrang.

Nanook ist der neue Publikumsliebling in der Zoom

Lara ist eine fürsorgliche Eisbärmutter – die auch Grenzen zieht. Sie begleitet ihre Tochter auf Schritt und Tritt und war natürlich auch bei Nanooks erstem Bad dabei. Foto: Schütze

Vorsichtig blickt Nanook sich um. Lugt zwischen den Beinen der Eisbärdame Lara hervor. Berührt mit ihren weißen Pfötchen das Gras im Außengehege. Alles ist fremd und neu und aufregend an diesem Frühlingstag, an dem das Eisbärmädchen zum ersten Mal nach draußen tapst. Nanook ist vorsichtig – und dann ganz schön mutig. Sogar ins Wasser traut sie sich. Dass Mutter Lara sie nicht zurückhält, überrascht manchen, der sie gut kennt.

Nanook, die am 4. Dezember 2017 in der Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen zur Welt gekommen ist, war anfangs so groß wie ein Meerschweinchen. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt Mitte April reicht das Eisbärchen seiner Tierärztin schon bis zum Knie, wiegt 22 Kilo. Dr. Pia Krahwinkel trägt an diesem Tag einen Eisbär-Pulli und einen Eisbär-Schal. Auf Zehenspitzen stehend versucht sie, die Erkundungstour ihres Schützlings zu beobachten, doch beim Gedränge an der Glasscheibe ist das kaum möglich.

Erster Tag draußen - und ab ins Wasser

Zum Glück gibt’s einen Bildschirm, der das Geschehen auf der Außenanlage zeigt. Wasser kennt Nanook schon, weil die Pfleger sie regelmäßig mit einem Schlauch abspritzen. „Denn es wälzt sich ja so herrlich in Bärenkot“, sagt Dr. Krahwinkel und schmunzelt. „Dass die Kleine das Becken spannend findet, habe ich nicht bezweifelt – aber ich hätte niemals gedacht, dass Lara direkt mit ihr schwimmen geht.“ Die Kameras klicken und klicken.

Nanook ist der neue Publikumsliebling in der Zoom

Dr. Pia Krahwinkel ist die Tierärztin des kleinen Nanook. Foto: Stephan Schuetze

Der kleine Eisbär wirkt noch etwas tollpatschig

Ihre erste Schwimmstunde meistert Nanook mit Bravour, nur beim Verlassen des Beckens wirkt sie noch ein wenig tollpatschig. Es braucht ein paar Anläufe, bis sie wieder im Trockenen ist. Einmal kräftig geschüttelt und weiter geht die Erkundungstour.

„Nanook ist ein sehr selbstbewusstes Eisbärmädchen, das gerne spielt, vor allem mit Lara“, sagt Dr. Krahwinkel. „Und die ist eine geduldige Mutter, die viel mit sich machen lässt – aber Nanook auch Grenzen aufzeigt. Wenn die Kleine zu rabiat wird und ihrer Mama in die Ohren beißt, gibt Lara einen Warnlaut ab und signalisiert: Bis hierher und nicht weiter. Das kann nämlich weh tun.“

Vater Bill ruft oft nach Mutter Lara

Eisbärenvater Bill ist an der Erziehung nicht beteiligt. Er dreht im Nachbargehege seine Runden, oft unruhig, „weil er Lara vermisst“ – so formuliert es Tierpflegerin Caroline, die in der Alaska-Erlebniswelt arbeitet. „Wir kämpfen dagegen an, unsere Tiere zu vermenschlichen – aber es klappt nicht immer. Bill wollte Lara gar nicht mehr hergeben, nachdem sie schon einmal getrennt und dann wiedervereint waren. Er ruft jetzt wieder oft nach ihr.“

Eltern von Nanook im Oktber getrennt

Mutter und Vater wurden Ende Oktober 2017 getrennt, als Lara (13) ihren Bill (10) nicht mehr um sich haben wollte. „Sie meckerte und schickte ihn immer fort, wenn er sie liebevoll anschaute und ihre Nähe suchte“, so Caroline. „Das entspricht dem Verhalten einer trächtigen Eisbärin in der Natur“, erklärt Dr. Krahwinkel. „Der Vater wird als Bedrohung für den Nachwuchs angesehen.“

Lara zog sich schließlich ganz in ihre Wurfbox zurück, die wie die Höhle einer freilebenden Eisbärin Schutz spendete. Zwei Kameras zeichneten jede ihre Bewegungen auf, rund um die Uhr. Das Material wurde ausgewertet und half nach Nanooks Geburt, den Gesundheitszustand des kleinen Eisbärchens einzuschätzen. Erst einmal durfte sich nämlich kein Mensch nähern, weil das Zoom-Team Mutter und Tochter auf gar keinen Fall beunruhigen wollte.

Das erste und das letzte am Tag, was Dr. Krahwinkel in den Wochen nach Nanooks Geburt gemacht hat: Auf ihr Tablet schauen und sehen, ob es der Kleinen gut geht. „Und wehe, unser Stream ist mal ausgefallen – dann habe ich sofort im Zoo angerufen und gefragt, ob alles in Ordnung ist.“ Und die Tierärztin war nicht die einzige, die die Kamerabilder im Blick hatte. „Wenn ich mal frei hatte, war der Computer den ganzen Tag an“, erinnert sich Tierpflegerin Caroline. „Es lief Lara-TV von morgens bis abends.

Einige Freunde haben mich ausgelacht. Sie fragten: ‚Guckst du wieder dem schlafenden Bären zu?‘ Aber ich habe mir einfach viele Sorgen gemacht. Wenn Nanook sich mal nicht bewegt hat, war ich schon in Alarmbereitschaft.“ Zwei Geschwister von Nanook starben kurz nach der Geburt, die Sterblichkeitsrate bei Eisbärennachwuchs ist hoch, auch in der Natur.

Nanook ist der neue Publikumsliebling in der Zoom

Nanook – der Name lässt sich mit „Eisbär“ aus der Sprache der Inuit übersetzen – ist ein sehr selbstbewusstes kleines Eisbärchen, das auch mal frech sein kann. Foto: Stephan Schuetze

Ein Eisbär wird blind und taub geboren

„Wir sind alle sehr froh darüber, dass es Nanook gut geht“, sagt Dr. Krahwinkel. „Es ist faszinierend, die Entwicklung von Anfang an mitzuerleben, wenn auch lange nur auf dem Bildschirm. So ein Eisbär wird ja blind und taub geboren und kann erst einmal nichts, außer instinktiv die Milchdrüsen der Mutter finden. Er ist total hilflos. Nach drei Wochen – bei Nanook war es Weihnachten – öffnen sich dann die Augen, und wenig später folgen die ersten tapsigen Schritte. Dann will ein Eisbärchen, so wie ein Menschenkind, die Welt entdecken.“

Lara und ihre Tochter waren anfangs unzertrennlich. „Nanook hielt mindestens Kontakt zu einer mütterlichen Pfote, einer Schulter oder ihrem Bauch“, erinnert sich Dr. Krahwinkel. „Entfernte sie sich nur ein kleines Stück, holte Lara sie sofort wieder vorsichtig mit ihrer Tatze zurück. Dass die beiden Eisbären ohne Berührung Nase an Nase schliefen, hat sechs Wochen gedauert.“

Nannok bekam zunächst nur vegetarisches Essen

Die 2x3 Meter große Wurfbox wurde Anfang Februar zu klein für Nanooks großen Entdeckerdrang. Das Eisbärchen wollte jetzt raus in den Stall, neue Ecken und Winkel kennenlernen. Natürlich immer unter den wachsamen Augen seiner Mutter. Nun konnte Lara, die nach der Geburt – wie eine wild lebende Eisbärin – von angefressenen Reserven gezerrt hatte, auch wieder gefüttert werden.

In der Natur, erklärt Dr. Krahwinkel, stünden nach einer Eisbärengeburt Flechten und Moose auf dem Speiseplan. Entsprechend gab es für Lara zunächst vegetarische Kost wie Salat, dann erst langsam wieder Fleisch – und Nanook probierte alles. „Ganz besonders heiß ist sie auf Hühnchen“, sagt Tierpflegerin Caroline, „wobei die großen Stücke am interessantesten sind, weil man damit spielen kann. Und hinter Äpfeln rennt sie genauso gerne wie hinter ihrem roten Ball her.“

Ein bisschen Glück

Die Zoobesucher brauchen ein bisschen Glück, wenn sie Nanook beim Spielen zuschauen möchten: Wenn ihr der Trubel vorm Gehege zu viel wird, wenn sie keine plattgedrückten Menschennasen mehr sehen mag, zieht sie sich zurück in den Stall.

In zwei Jahren etwa, so Dr. Krahwinkel, wird die Eisbärin Gelsenkirchen verlassen müssen – aus Zuchtgründen. Wohin sie dann kommt, steht noch nicht fest. Ans Loslassenmüssen mag die Tierärztin mit dem Eisbär-Schal jetzt aber noch nicht denken. Lieber genießt sie jeden Augenblick mit Nanook. „Mein Leben – auch mein Privatleben – dreht sich fast nur noch um den kleinen Eisbär.“ Um den tapsigen Star, der so manches Herz zum Schmelzen bringt.

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