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Nato-Luftangriff empört Karsai

Kabul (dpa) Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat scharfe Kritik an der Nato wegen eines Luftangriff mit nach seinen Angaben 18 toten Zivilisten geübt. Wegen der Gewalt in seinem Land kündigte Karsai am Donnerstag an, seine China-Reise abzubrechen.

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Afghanistans Präsident Karsai ist tief verärgert über einen Nato-Angriff, bei dem auch viele Zivilisten starben. Foto: Mark Ralston

US-Verteidigungsminister Leon Panetta und sein afghanischer Amtskollege Abdul Rahim Wardak. Foto: S. Sabawoon

Bei einem Blitzbesuch in Kabul forderte US-Verteidigungsminister Leon Panetta Pakistan eindringlich dazu auf, gegen Rückzugsräume von Terroristen im Grenzgebiet zu Afghanistan vorzugehen. Dort hatte eine US-Drohne am Montag die «Nummer zwei» des Terrornetzes Al-Kaida getötet. Panetta warnte Islamabad, dass die USA nur «begrenzte Geduld» hätten.

Karsai rügte die Nato. «Nato-Operationen, die Zivilisten körperlichen und materiellen Schaden zufügen, können in keiner Weise gerechtfertigt, akzeptiert oder toleriert werden», sagte er. Die Nato-geführte Schutztruppe Isaf teilte mit, sie untersuche die Vorwürfe über zivile Opfer am Mittwoch in der ostafghanischen Provinz Logar. Die Isaf hat zugegeben, dass es in der Gegend in der fraglichen Zeit einen Luftangriff gab. Nach Angaben des Provinzrates starben dabei neben sechs Taliban-Kämpfern auch 18 Zivilisten, darunter viele Kinder.

Am Mittwoch hatten in der südafghanischen Stadt Kandahar außerdem zwei Selbstmordattentäter der Taliban 23 Menschen mit in den Tod gerissen. Trotz der andauernden Gewalt sagte Panetta: «Wir sind dem Erreichen unserer Ziele hier in Afghanistan näher gekommen.» Die Taliban seien geschwächt worden. Es sei aber «extrem wichtig», dass Pakistan Terroristen Rückzugsräume verwehre. Sonst sei es schwierig, Sicherheit in Afghanistan zu schaffen.

Bei einem US-Drohnenangriff im Stammesgebiet Nord-Waziristan war am Montag nach Angaben aus pakistanischen Geheimdienstkreisen der Topterrorist Abu Jahja al-Libi getötet worden. Panetta erwähnte Al-Libi am Donnerstag nicht ausdrücklich. Der Ministerbesuch war aus Angst vor Anschlägen nicht angekündigt worden. Panetta reiste zum vierten Mal seit seinem Dienstantritt als Verteidigungsminister vor knapp einem Jahr nach Afghanistan.

Aus dem Präsidialbüro verlautete, Karsai verkürze wegen der Gewalt in Afghanistan seinen Aufenthalt in China und werde «sehr bald» zurückkehren. Karsai besuchte in Peking den Gipfel der Shanghaier Kooperationsorganisation (SCO). Nach Angaben seines Büros versicherte er in einer Rede, das strategische Abkommen mit den USA werde das Verhältnis seines Landes zu China nicht beeinträchtigen. Auch China und Afghanistan planen ein strategisches Abkommen.

Panetta war vor seinem Afghanistan-Besuch in Indien gewesen. Im Rahmen einer Asienreise hatte er zuvor Singapur und Vietnam besucht. In Singapur hatte er angekündigt, dass bis 2020 etwa 60 Prozent der US-Kriegsmarine im Pazifik stationiert sein sollen. Bisher sind es 50 Prozent. Kritiker sehen die Aufstockung als Reaktion auf die wachsende Militärmacht Chinas.

China bemüht sich in Afghanistan um den Abbau von Rohstoffen. Die Regierung in Peking beteiligt sich nicht am internationalen Militäreinsatz am Hindukusch.

Bei einem Bombenanschlag auf eine Koranschule in der südwestpakistanischen Provinzhauptstadt Quetta wurden am Donnerstag mindestens sieben Menschen getötet. Der private Sender Geo TV berichtete, unter den Toten seien zwei Kinder, die an der Madrasa gelernt hätten. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat.

Pentagon zu Panettas bisheriger Asien-Reise

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