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Neonazi muss wegen brutaler Attacke ins Gefängnis

Überfall am S-Bahnhof

Erst wurde gepöbelt, dann herrschte nackte Gewalt: Nach einem brutalen „Nazi-Überfall“ am S-Bahnhof in Langendreer ist ein 24-jähriger Neonazi am Dienstag zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden – auf der Brust des Schlägers prangt ein Hakenkreuz-Tattoo.

BOCHUM

von Von Werner von Braunschweig

, 12.06.2012

Polizeiwagen auf der Straße, Besucherschlangen am Eingang, Sicherheitskräfte auf dem Flur: Über dem Gericht lag am Dienstag eine angespannte Stimmung. Über fünf Stunden wurde am Schöffengericht verhandelt, bis zuletzt war der Saal voll besetzt.

„Was guckst du so doof?“ Mit diesem Spruch hatte in der Nacht auf den 25. September 2011 alles begonnen. Eine Gruppe von vier Freunden hatte gerade den S-Bahnsteig betreten, als der 24-Jährige sich aus einer zehn Mann starken Nazi-Fraktion löste. „Kurz vor dem Eintreffen der S-Bahn wurde ich plötzlich eingekesselt und angepöbelt“, erinnerte sich das Opfer, ein sehbehinderter Mann. Dass der 26-Jährige damals an seiner Jacke einen Anti-Nazi-Sticker mit einem durchgestrichenen Hakenkreuz trug, passte dem Angeklagten nicht. „Ich habe auch eins. Aber ich trage es offen.“ Der Neonazi zeigte erst sein Hakenkreuz auf der Brust, dann floss sofort Blut: Der 24-Jährige fiel über den Mann her, brach ihm mit einem Kopfstoß die Nase. Das nahezu blinde Opfer wurde geschlagen und ins Gleisbett geschubst. Auch einer seiner Freunde wurde von den Nazis umringt und krankenhausreif geprügelt.

„Ich lag am Boden, wurde getreten, geschlagen, immer auf den Kopf“, so der Student. Die Opfer retteten sich in die S-Bahn, die Schläger flüchteten. Vor Gericht legte der Neonazi ein spätes Geständnis ab. Eine Bewährungschance kam für die Richter nicht mehr in Frage. Im Urteil hieß es: „Hier wurde aus völlig nichtigem Anlass zu massiver Gewalt gegriffen. Das schreit geradezu nach einer drastischen und fühlbaren Strafe.“ Richter Werner Pattard: „Es muss wieder möglich sein, sich angst- und sorgenfrei in solchen Bereichen aufzuhalten, ohne Opfer von Gewalt zu werden.“