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Neue OP-Technik verbessert Leben von verstümmelten Frauen

Paris (dpa) Die Jahrtausende alte Tradition, die Geschlechtsteile von Mädchen zu verstümmeln, hat das Leben von Millionen junger Frauen zerstört.

Neue OP-Technik verbessert Leben von verstümmelten Frauen

Ein beschnittenes Mädchen in Mogadischu (Somalia): Die Tradition, Mädchen die Geschlechtsteile zu verstümmeln, hat das Leben von Millionen junger Frauen zerstört. Foto: Ulrike Koltermann

Die Ergebnisse einer Studie macht einigen nun Hoffnung: Ihre Behandlungstechnik könne die Schmerzen von genital verstümmelten Frauen lindern und ihnen sexuelles Lustempfinden zurückgeben, berichtet ein Forscherteam um den Franzosen Pierre Foldès in der jüngsten Ausgabe des britischen Fachmagazins «The Lancet».

Für die Untersuchung hatten die Wissenschaftler 841 Frauen befragt, die sich in Frankreich 2008 und 2009 einer Klitoris-Operation unterzogen hatten. Sie gaben ein Jahr nach dem Eingriff Auskunft über ihr Schmerz- und Lustempfinden. Das Ergebnis: 35 Prozent der Frauen, die zuvor niemals einen Orgasmus hatten, erlebten danach regelmäßig oder zumindest eingeschränkt Höhepunkte. Die Hälfte der Behandelte die vorher nur eingeschränkt Orgasmen hatte, hatte danach regelmäßige. Eine Verschlechterung trat nur bei sehr wenigen Patientinnen auf. Ein Großteil berichtete zudem über eine Verringerung von Schmerzen.

«Unsere Erkenntnisse zeigen, dass sich die Klitoris nach einer Genitalverstümmelung chirurgisch wiederherstellen lässt», kommentiert der OP-Erfinder Foldès. Er macht sich zunutze, dass die Klitoris zum größten Teil versteckt innerhalb des weiblichen Körpers liegt und bei einer Beschneidung in der Regel nur die äußerste Spitze verstümmelt wird. Bei der Operationstechnik wird ein Teil der im Unterleib versteckten Klitoris wieder herausgeholt.

Wesentlich komplizierter ist der Weg auf den OP-Tisch. Die Opfer, die meist in ärmeren Ländern leben, hätten kaum Zugang zur wiederherstellenden Chirurgie, räumen die Forscher ein. Eingriffe, die das Leben der Frauen verbessern könnten, seien in Entwicklungsländern weiterhin nahezu unerschwinglich. In einigen Ländern klassifizieren Krankenkassen den Eingriff nicht einmal als medizinisch notwendig, sondern als Schönheitsoperation. Zudem wird darauf hingewiesen, dass viele Frauen überhaupt nichts von möglichen Therapien wissen.

Ob aus religiösen, oder kulturellen Gründen: Weltweit werden die Geschlechtsteile von Mädchen oft ohne Betäubung und unter unhygienischen Bedingungen verstümmelt. In gravierenden Fällen werden ihnen zudem die Schamlippen zugenäht und nur eine kleine Öffnung gelassen. Nach Angaben der Kinderschutzorganisation Unicef sind weltweit insgesamt 70 bis 140 Millionen Frauen betroffen. Viele Opfer leiden ihr ganzes Leben lang unter den psychischen und körperlichen Folgen der Beschneidungen, die nicht selten mit Glasscherben, stumpfen Rasierklingen oder Teilen von Blechdosen vorgenommen werden.

Vor allem in afrikanischen Ländern ist das blutige Ritual weit verbreitet. Darüber hinaus sind einige Fälle von Genitalverstümmelung in Asien, im Mittleren Osten sowie in Einwandererfamilien in Europa oder Nordamerika dokumentiert. Nach Angaben der Hilfsorganisation Target wird der rund 5000 Jahre alte Brauch noch in rund 35 Ländern praktiziert.

Unicef-Studie

Hilfsorganisation Target zu Verstümmelungen

Bundesärztekammer zur Genitalverstümmelung

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