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Mit dem Fahrrad zum Dienst

Neuer Kölner Erzbischof gilt als bodenständiger Pragmatiker

KÖLN/BERLIN Weltoffen im Umgang, in der katholischen Lehre konservativ: Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki hat sich an der Spree Anerkennung verschafft. Jetzt rückt er an die Spitze des gewichtigen Erzbistums Köln.

Neuer Kölner Erzbischof gilt als bodenständiger Pragmatiker

In Köln wird der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki das Amt des Erzbischofs übernehmen.

Prunk und Polemik liegen ihm fern: Zum Dienst fuhr der bisherige Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki (57) häufig mit dem Fahrrad. Statt ins bischöfliche Palais zog er in eine Dachgeschosswohnung im Berliner Arbeiterstadtteil Wedding. Als Oberhirte sieht er es vor allem als seinen Auftrag, nah bei den Menschen zu sein. Seit 2011 war Woelki in der Hauptstadt, nun rückt er an die Spitze des ungleich wichtigeren Erzbistums Köln. In der Domstadt wurde er 1957 geboren.  Dialogbereit im Umgang, katholisch-konservativ in der Lehre - der Kardinal ist in den vergangenen Jahren zu einem Hoffnungsträger in der katholischen Kirche herangereift. Natürlich werde Woelki „stramm konservativ“ bleiben, „der Ton wird aber ein anderer werden“, erwartet der Kirchenexperte Klaus Müller vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ in Münster. Viele Kölner Katholiken hoffen, dass der Pragmatiker von der Spree sowohl die konservativen Meisner-Anhänger als auch die reformorientierten Gläubigen erreicht. 

Auch die evangelischen Kirchen an Rhein und Ruhr hoffen nun auf neue Impulse für das Miteinander von Katholiken und Protestanten. Der rheinische Präses Manfred Rekowski äußerte die Hoffnung, „dass wir in ökumenischer Verbundenheit das Ziel, zu einer Einheit in Verschiedenheit zu gelangen, in der verbleibende Unterschiede miteinander versöhnt würden“, fest im Blick behalten. Auch die westfälische Präses Annette Kurschus freut sich auf die „Weggemeinschaft in der nordrhein-westfälischen Ökumene“, in die Woelki nun eintrete.  Als Woelki, damals Kölner Weihbischof, vor drei Jahren nach Berlin wechselte, war der zurückhaltende Theologe ein unbeschriebenes Blatt. Der lange als Meisners Ziehsohn geltende Woelki hat laut Kirchenexperten „erstaunliche Wandlungen“ durchgemacht. Promoviert wurde der Theologe an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz, die dem erzkonservativen Opus Dei zugerechnet wird. 

Noch als Regens des Kölner Priesterseminars galt Woelki als ausgesprochen konservativ. In Berlin habe er offenkundig eine hohe soziale Sensibilität und Kompetenz erworben, sagt Müller im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zu seinem Amtsantritt in Berlin hatte der Geistliche bereits erklärt, anstatt bestimmte Lebensweisen zu verurteilen und sich gegen etwas zu stellen, wolle er lieber für den Glauben und eine christliche Lebensweise werben.   Erfolgreich hat sich Woelki in der deutschen Hauptstadt als volksnaher und bescheidener Gottesmann gezeigt, der in seinem Weddinger Kiez auch mal seine Currywurst an der Bude um die Ecke genießt. Die anfangs aufgebrachte schwul-lesbische Szene konnte der Erzbischof so besänftigen, dass sie ihn am Ende für seine Dialogbereitschaft sogar ihren „Respekt“-Preis verleihen wollte. Doch Woelki lehnte ab: Er wolle sich nicht für etwas Selbstverständliches auszeichnen lassen.

Beim innerkatholischen Reformprozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ und teils auch bei der anstehenden Sanierung der Hedwigskathedrale, der Hauptkirche der Berliner Katholiken, blies ihm der Wind mitunter aus den eigenen Gemeinden ins Gesicht. Der Reformprozess sieht unter anderem vor, die Gemeinden zu 30 Großpfarreien zusammenzufassen.  Der aus einfachen Verhältnissen entstammende Kirchenmann versteht sich in erster Linie als Priester und Seelsorger. Eigentlich wollte er „ganz normaler Pastor“ werden und mit Jugendlichen arbeiten, wie er einmal verriet. Geboren wurde Woelki am 18. August 1956 in Köln als ältestes von drei Kindern ostpreußischer Heimatvertriebener. Nach dem Abitur leistete er seinen Wehrdienst bei der Panzerartillerie. Er studierte Theologie und Philosophie in Bonn und Freiburg und wurde 1985 zum Priester geweiht. Nach mehreren Jahren als Kaplan und Militärseelsorger berief ihn Meisner dann 1990 zu seinem Geheimsekretär.

Sieben Jahre gehörte Woelki damit dem inneren Zirkel des Kölner Generalvikariats an, danach wurde er mit der Leitung des erzbischöflichen Priesterseminars in Bonn betraut. Kirchenexperten sehen Woelki in der katholischen Kirche auf einem steilen Weg nach oben. Als Berliner Erzbischof wurde er im Jahr 2012 ins Kardinalskollegium aufgenommen. Im vergangenen Jahr nahm Woelki als einer der jüngsten Kardinäle an der Wahl von Papst Franziskus teil. Franziskus berief ihn vor kurzem in die vatikanische Kleruskongregation. Von epd

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