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Neues Labor kann schnell waffenfähiges Uran nachweisen

Karlsruhe (dpa) Die Atomkontrolleure rüsten nach: In einem neuen Labor in Karlsruhe können sie selbst aus Wischproben kleinste Spuren von Uran aufspüren. Dabei leitet sie eine Frage: Will da einer die Bombe bauen?

Neues Labor kann schnell waffenfähiges Uran nachweisen

Das neue Instrument weist in Minuten kleinste Uranpartikel nach. Foto: Uli Deck

Das europäische Institut für Transurane (ITU) nahm am Freitag ein Labor in Betrieb, das kleinste Uranpartikel innerhalb von Minuten auf ihre Bombentauglichkeit prüfen kann. Bei der Inspektion von umstrittenen Atomanlagen in aller Welt reichen jetzt Wischproben aus, um zu erkennen, ob dort waffenfähiges Material hergestellt wird. Zudem könne jetzt auch leichter nachgewiesen werden, woher illegal gelagertes oder gehandeltes Uranmaterial stammt, sagte Institutsdirektor Thomas Fanghänel.

Die verwendete Methode der «hochaufgelösten Sekundärionen Massenspektronomie» (SIMS) ist keineswegs neu; sie wird seit Jahrzehnten in den Geowissenschaften verwendet. Jetzt haben sie die Atomkontrolleure für sich entdeckt und verfeinert. Das technische Meisterwerk im Wert von 3,5 Millionen Euro findet in einem rund 40 Quadratmeter großen Raum Platz. Er wurde für rund 500 000 Euro gebaut - vibrationsfest, staubfrei, penibel überwacht.

Das Gerät ist 15 Tonnen schwer und erinnert ein wenig an ein Minimodell eines Teilchenbeschleunigers: eine Ansammlung glänzender Rohre, gelagert auf einem rot lackierten Metallgerüst. «Das Wunderwerk ist innen versteckt», erläuterte der Schwede Magnus Hedberg, der als Vater der Maschine gilt und das Labor leitet. «Darin sind eine Unmenge von Linsen und Spiegeln und Messinstrumenten, die aus Millionen von Staubteilchen schnell die radioaktiven Partikel aufspüren.»

Fast noch wichtiger ist allerdings die Software, die Hedberg extra entwickelt hat. «Dieses Gesamtpaket ist nicht nur eine Weiterentwicklung, es ist ein Quantensprung», sagte er. Jetzt könnten die Forscher bereits innerhalb von wenigen Minuten oder Stunden Ergebnisse vorlegen, auf die Auftraggeber früher Wochen oder gar Monate warten mussten.

Solche Methoden gewinnen immer mehr an Bedeutung, um die Atomprogramme der Staaten zu kontrollieren, erklärte Olli Heinonen, der für die Internationale Atomenergieorganisation (IAEA) unter anderem Anlagen in Nordkorea untersucht hat. «Dort passte das Plutonium nicht mit dem Plutoniumabfall zusammen, der uns präsentiert wurde», erinnerte er sich. «Es musste also noch irgendwo anders Plutonium und auch Plutoniumabfall geben.» Dass Nordkorea die Täuschung nicht gelang, führte zu den bekannten Verwicklungen.

Mit der neuen Technik könnten solche Ergebnisse noch schneller und präziser erlangt werden, sagte Heinonen. Und Fanghänel kündigte an: «Wir werden jetzt auch einige unserer alten Proben nochmals unter die Lupe nehmen.»

Neben der SIMS in Karlsruhe gibt es drei weitere solcher Anlagen: eine bei der IAEA in der Nähe von Wien, eine in Russland und eine in Australien. «Angesichts der Tatsache, dass jede unserer Proben in zwei Labors geprüft werden müssen, ist das eine eher kleine Zahl», sagte Gabriele Voigt, Direktorin der IAEA-Laboratorien.

Bislang erhält das ITU jährlich etwa 50 bis 100 Proben, die von Inspektoren anonym zur Analyse eingeschickt werden. Aber das ist nur eine Seite. Die Anlage soll auch genutzt werden, um gefundene oder sichergestellte radioaktive Stoffe zu untersuchen. «Dieses Material hat eine innere Uhr und damit können wir meist sehr schnell nachvollziehen, wo es entstanden sein muss», erklärte Fanghänel. Mit der SIMS könne jetzt ein präziserer «Fingerabdruck» erstellt werden.

Aufgaben des Instituts für Transurane

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