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Neues und Altes: Neil Young emsig wie nie

Berlin. Nicht jeder Schuss war in den vergangenen Jahren auch ein Treffer - doch vor dem Fleiß und der Querköpfigkeit von Neil Young muss man in jedem Fall den Hut ziehen. Nun kommen von ihm gleich zwei neue, sehr unterschiedliche Alben heraus.

Neues und Altes: Neil Young emsig wie nie

Neil Young macht, was er will. Foto: Hans Klaus Techt/APA

Typisch Neil Young: Während andere Rockveteranen wie Bob Dylan (76) oder Van Morrison (72) mit ihrem derzeitigen Output ins Rentenalter einzubiegen scheinen, ist der Kanadier rastlos mit neuen Projekten und recht eigenwilliger Archivpflege beschäftigt.

Im April hat der 72-Jährige gleich zwei Alben herausgebracht - nach einer Fülle von Veröffentlichungen, die mal mehr Sinn ergaben („Psychedelic Pill“ von 2012, „The Visitor“ von 2017), aber auch mal weniger („A Letter Home“ und „Storytone“ von 2014).

Beide Werke stehen gleichermaßen für die kauzige, querköpfige Individualität des großen Singer-Songwriters Young und seine Selbstbestimmtheit jenseits aller kommerzieller Erwägungen. Denn in ein geschlossenes Spätwerk, wie es andere Künstler in ihren reifen Jahren anstreben, ordnen sich diese beiden Projekte eher nicht ein.

Da wäre einerseits „Paradox“ (Reprise/Warner) - ein Film mit dazugehörigem Soundtrack von Neil Young und seiner neuen Buddy-Band Promise Of The Real um die Söhne des alten Country-Kumpans Willie Nelson. Der „Rolling Stone“ schreibt über den von Youngs Lebensgefährtin Daryl Hannah inszenierten, bei Netflix abrufbaren Streifen, er sei „ein wüster Mix aus Spätwestern, Experimental-, Musik und Naturfilm“.

Neil Young spielt mit seiner Begleit-Combo nicht nur in dem etwas bizarren Film mit, er hat neben einigen Coverversionen auch eigene alte und neue Songs zur musikalischen Begleitung von „Paradox“ aufgenommen. „Pocahontas“ und „Cowgirl In The Sand“ werden dabei ebenso in den Soundtrack integriert wie das aktuellere „Peace Trail“.

Das auch optisch attraktiv gestaltete Soundtrack-Album ist für echte Neil-Young Fans natürlich Pflicht, zum Einstieg in das Oeuvre des großen Musikers eignet es sich aber wohl nicht. Das gilt auch für „Roxy: Tonight's The Night Live“ (Reprise/Warner), einen Konzertmitschnitt mit Songs, die am 20. und 22. September 1973 bei einem Gig in dem damals neu eröffneten, heute legendären Club „Roxy“ in Los Angeles aufgezeichnet wurden.

Das Live-Album - eines von vielen, die Young jetzt nach und nach aus den Archiven holt - enthält überwiegend Tracks des 1975er Albums „Tonight's The Night“, für viele Kritiker einer der besten Platten in der langen Karriere des Kanadiers. Der Sänger präsentierte Lieder wie „Mellow My Mind“, „World On A String“, „Roll Another Number (For The Road)“, „Tired Eyes“ und natürlich den berühmten Titelsong also deutlich vor der offiziellen Veröffentlichung.

Mit einer Band aus lauter guten Bekannten, die sich The Santa Monica Flyers nannten - Ben Keith, Nils Lofgren sowie Billy Talbot und Ralph Molina von der treuen Truppe Crazy Horse - bot Young im „Roxy“ herrlich zerschossene, mit schon damals typischer Kojotenstimme gekrähte Songversionen. Ein rockhistorisches Dokument.

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