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Neufassung von «Jud Süß» für Worms geplant

Worms (dpa) Eine bei den Nibelungen-Festspielen geplante Neufassung von «Jud Süß» soll den Stoff in ein neues Licht rücken.

Noch immer sei die Vorstellung verbreitet, Juden müssten «besser sein als alle anderen», sagte der israelische Dramatiker Joshua Sobol bei den Wormser «Theaterbegegnungen» im Gespräch mit Nibelungen-Intendant Dieter Wedel. Die Romanfigur Joseph Süß-Oppenheimer verkörpere für ihn den «Prototyp des Freidenkers», sagte Sobol. Eine Aufführung des «Jud Süß»-Stoffes ist in Worms frühestens 2010 geplant.

Die Wormser Festspiele eigneten sich besonders gut für eine Neuinszenierung, da es sich sowohl bei den Nibelungen als auch bei «Jud Süß» um Stoffe handele, die von den Nazis für ihre eigenen Zwecke umgedeutet wurden, sagte Wedel. Der von Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels in Auftrag gegebene gleichnamige antisemitische Film von Veit Harlan aus dem Jahr 1940 sei heute bekannter als der «Jud Süß»-Roman von Lion Feuchtwanger. Ihn reizten an dem Thema vor allem die Parallelen zur Gegenwart, sagte Wedel. «Süß-Oppenheimer wurde von den Politikern seiner Zeit als Goliath wahrgenommen, obwohl er der David war», sagte Wedel.

Vor Beifall aus der rechten Szene haben Wedel und Sobol keine Angst. «Kunst soll riskieren», betonte Sobol. Auch das Aufführungsverbot für den Veit Harlan-Film hält Wedel für falsch. «Man sollte den Film zeigen und sich damit auseinandersetzen», sagte der Intendant. Er sei gegen eine Bevormundung des Publikums, zumal der Film seiner Ansicht nach heute «keine verheerende Wirkung» mehr entfalten könne. Wedel hatte seinen Vertrag als Intendant der Nibelungen-Festspiele kürzlich bis 2011 verlängert.

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