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Nico Hofmann fordert „Mehr Haltung, bitte!“

München. Die Liste von Nico Hofmanns Filmen ist beeindruckend lang, die mit den Preisen, die er dafür bekommen hat, auch. Der Ufa-Chef hat viel zu erzählen, nicht nur über die Branche, in der an ihm kein Weg vorbeiführt.

Nico Hofmann fordert „Mehr Haltung, bitte!“

Nico Hofmann ist einer der erfolgreichsten TV-Produzenten hierzulande. Foto: Britta Pedersen

Nico Hofmann steht in der ersten Reihe der deutschen Film- und Fernsehbranche und weiß das auch. Der Ufa-Geschäftsführer und Produzent gehört mit Filmen und Serien wie „Ku'damm 56/59“, „Die Flucht“, „Deutschland 83/86“, „Charité“ oder „Unsere Mütter, unsere Väter“ seit langem zu den großen Nummern im Fernsehgeschäft und hat viel zu erzählen.

Das zeigt auch sein Buch „Mehr Haltung, bitte!“. Es geht natürlich ums Filmemachen, aber auch um Hofmanns Verständnis von gesellschaftspolitischer Verantwortung. „Mehr Haltung, bitte!“ passt in keine Genre-Schublade so richtig - das macht es nur interessanter.

Nico Hofmann, 1959 geboren, ist inzwischen CEO der Ufa, also verantwortlicher Geschäftsführer. Auch diese berufliche Zäsur habe ihn dazu gebracht, das Buch zu schreiben. Aber er nennt noch einen weiteren Grund: Als Chef eines großen Medienunternehmens spüre er gerade in einer Zeit, in der in Deutschland und Europa rechtspopulistische Strömungen an Zulauf gewinnen, eine besondere Verantwortung. Hofmann plädiert dafür, Position zu beziehen gegen Geschichtsklitterung und Schlussstrichmentalität.

Deshalb versteht er sein Buch, das er zusammen mit Ufa-Chefdramaturg Thomas Laue geschrieben hat, auch nicht als Autobiografie, sondern als „bescheidenen Debattenbeitrag zur Analyse des Zustands unserer Gesellschaft“. Autobiografische Passagen gibt es dennoch viele, und die sind oft sogar ausgesprochen spannend.

Hofmann erzählt davon, wie seine Leidenschaft für Filme entstand: wie er zum elften Geburtstag eine Super-8-Kamera bekam, 1971 den Ludwigshafener Fastnachtszug mit der Kamera begleitete und bald darauf Geschichten aus dem Deutschunterricht verfilmte. Solche Projekte wurden schnell immer umfangreicher. „Der Film wurde immer mehr zu meinem Weg, mich auszudrücken“, schreibt er.

Nichts hat ihn als jungen Erwachsenen mehr beeindruckt als die US-Serie „Holocaust“, die 1979 in Deutschland gezeigt wurde: „Ich habe diese Serie nicht nur verschlungen, sie hat mir auch wirklich Welten geöffnet.“ Beim Mittagessen riss er „in höchster Erregung“ das Tischtuch herunter und brüllte die versammelte Familie an. „Für mich war es ein Moment des Verrats: Ihr habt mich angelogen! Ihr habt nicht gesagt, was mit dem jüdischen Leben hier passiert ist.“

Hofmann hat sich immer wieder mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts beschäftigt, es ist der Kern seines filmischen Schaffens. Und sein Buch erklärt sehr eindrucksvoll, wieso ihn diese Themen so umtreiben. „Viele von ihnen sind schlicht - hoffentlich gut gemachte - Fernsehunterhaltung“, sagt er über seine Filme. „Doch meine großen Herzensprojekte kreisen immer wieder um Geschichte und Zeitgeschichte.“ Schon sein Abschlussfilm an der Filmhochschule hieß „Der Krieg meines Vaters“ und war der Versuch, dessen Erlebnissen als Soldat der deutschen Wehrmacht näher zu kommen.

Für Hofmann ist Filmemachen aber weder in erster Linie Kunst noch Auseinandersetzung mit der eigenen Familie - er will Debatten anstoßen, Diskussionen ermöglichen. „Immer wieder wird mir auch heute noch berichtet, dass nach "Dresden" Menschen das erste Mal in der Lage waren, über ihre eigenen Erlebnisse im Bombenhagel der Kriegstage zu reden, oder dass nach "Unsere Mütter, unsere Väter" Söhne und Töchter begannen, ihren Eltern Fragen zu stellen“, schreibt der Ufa-Chef. Dass es beim Thema deutsche Geschichte noch einigen Gesprächsbedarf gibt, wird man ihm nicht absprechen können.

Nico Hofmann: Mehr Haltung, bitte! Wozu uns unsere Geschichte verpflichtet. C. Bertelsmann Verlag München, 339 Seiten, 20 Euro, ISBN 978-3-570-10305-0

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