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Anschlag in Istanbul 2016

Noch kein Urteil für Attentäter, weil Autos fehlten

Istanbul Im Prozess gegen fünf Attentäter, die im Januar 2016 in Istanbul zwölf deutsche Touristen getötet haben, wird in diesem Jahr kein Urteil mehr fallen. Der Grund: Zu dem Gerichtstermin am Montag konnten die Angeklagten nicht erscheinen, weil es Probleme mit dem Transport gab.

Im Prozess gegen mutmaßliche Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wegen eines tödlichen Anschlags auf eine deutsche Reisegruppe in Istanbul fällt in diesem Jahr kein Urteil mehr. Der Richter vertagte die Verhandlung am Montag auf den 8. Januar.

Der Grund dafür: Nach Angaben von Verteidigern konnten die inhaftierten Angeklagten am Montag nicht vom Gefängnis zum Gericht gebracht werden, da dafür kein Fahrzeug zur Verfügung gestanden habe. Nach Angaben der Verteidiger kommen solche logistischen Schwierigkeiten hin und wieder vor.

Ein Angeklagter kommt bis zum Urteil frei

Vier Verdächtige, für die die Staatsanwaltschaft langjährige Haftstrafen fordert, bleiben wegen dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft, wie das Gericht entschied. Ein fünfter inhaftierter Angeklagter wird bis zu einem Urteil auf freien Fuß gesetzt. Das Gericht bekräftigte zudem seine Forderung, dass vier der Angeklagten, die noch flüchtig seien, gefasst werden müssten.

Bei dem Selbstmordanschlag am 12. Januar 2016 in der Istanbuler Altstadt hatte ein Attentäter zwölf deutsche Touristen mit in den Tod gerissen, 16 Menschen waren verletzt worden. Insgesamt sind 26 Verdächtige angeklagt, die meisten davon Syrer. Ursprünglich hatten Anwälte am Montag mit einem Urteil gerechnet.

Staatsanwaltschaft fordert 13 mal lebenslange Haft

Für die drei syrischen Hauptverdächtigen fordert die Staatsanwaltschaft Medienberichten zufolge jeweils 13 mal lebenslange Haft. Ihnen wird neben der Tötung von zwölf Deutschen vorgeworfen, sie hätten die verfassungsmäßige Ordnung umstürzen wollen. Einem Iraker drohen wegen des Vorwurfs der Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bis zu 15 Jahre Haft. Für die restlichen Angeklagten werden Freisprüche erwartet.

Die türkischen Behörden identifizierten den 1988 in Saudi-Arabien geborenen Syrer Nabil Fadli als Attentäter bei dem Anschlag vom Januar 2016. Fadli war laut Gerichtsunterlagen IS-Anhänger und ließ sich rund einen Monat vor dem Attentat von Syrien aus in die Türkei schmuggeln. Die vier Hauptangeklagten werden beschuldigt, dem späteren Selbstmordattentäter geholfen zu haben.

IS hat sich nie zu der Tat bekannt

Halil D. etwa soll Fadli und einen Begleiter an der Grenze in Empfang genommen haben. Die Tasche mit der 15 Kilogramm schweren Bombe habe D. außerdem eine Zeit lang aufbewahrt und dann einem Mittelsmann übergeben, so die Staatsanwaltschaft. D.‘s Verteidiger sagte am Montag jedoch, sein Mandant sei ein Schmuggler gewesen, der nicht gewusst habe, was sich in der Tasche befinde. Er stellte zudem in Frage, ob sich überhaupt Sprengstoff darin befunden habe. Das habe nie nachgewiesen werden können.

Der spätere Attentäter Fadli und sein Begleiter hätten seinem Mandanten zudem gesagt, sie handelten mit Autoteilen, so der Anwalt. Da Fadli sich vor dem Grenzübertritt rasiert habe und auch sonst nichts Äußerliches auf seine Verbindungen zum IS hingedeutet habe, habe D. die Gesinnung seines Gegenübers nicht erkenne können, so die Verteidigung.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein IS-Anhänger mit dem Code-Namen Omar-Ebu Abid, der sich mutmaßlich im Irak aufhält, das Attentat in Auftrag gegeben hatte. Der IS bekannte sich jedoch nie zu der Tat. Das Gerichtsverfahren hatte im Juni 2016 begonnen.

dpa

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