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"Noch mal richtig ranklotzen"

Esther Cremer und Maral Feizbakhsh im Ruhr Nachrichten-Interview

Olympische Spiele 2012 in London - die Qualifikation dafür ist der Traum eines jeden Athleten. Für Esther Cremer und Maral Feizbakhsh vom TV Wattenscheid 01 ist er wahr geworden. Sie treten am 10. August mit der 4x400-m-Staffel für Deutschland an. Es sind ersten Olympischen Spiele für die 24- und und die 22-Jährige, die sich trotzdem in einer Trainingspause recht entspannt zum Gespräch mit den Ruhr Nachrichten trafen.

von Von Nathalie Arendt

, 27.07.2012
"Noch mal richtig ranklotzen"

Maral Feizbakhsh und Esther Cremer (v.l.) möchten in London zusammen in der 4x400-m-Staffel starten.

Es sind nur noch wenige Tage, bis Sie nach London fliegen. Wie groß ist die Aufregung? Esther Cremer: Ich bin eigentlich noch nicht aufgeregt. Für einen selbst ist es erstmal nur ein Wettkampf. Da fühlt man sich nicht anders.Maral Feizbakhsh: Ich habe das ehrlich gesagt noch gar nicht richtig realisiert und kann mir das noch nicht vorstellen. Ich denke mir: das kann ja nicht wahr sein. Ich wohne dann vielleicht neben Usain Bolt (schnellste Läufer der Welt, die Red.). Das kapiere ich wohl erst, wenn ich wieder zurück bin.Wie verbringen Sie die Zeit bis zur Abreise?Feizbakhsh: Nach dem Wettkampf vom Freitag geht es ins Trainingslager nach Kienbaum und von dort weiter nach London.Cremer: Wir haben ja nicht mehr so viel Zeit. Wir trainieren, müssen Wäsche waschen und ganz viel packen.Was packen Sie denn auf jeden Fall ein? Was muss mit nach London?Feizbakhsh:Ich nehme zwei Kuscheltiere mit. Ein Reh, weil mein Name "Reh" bedeutet. Deswegen lauf ich auch so (lacht). Einen Teddy von meinem Freund und als Glücksbringer habe ich immer meine Kette, meine Ohrringe und ein Armband von einer Freundin, mit der ich die Leichtathletik begonnen habe.Cremer: Ich habe keinen Glücksbringer.Feizbakhsh: Was ist mit Deinen Ohrringen? Die trägst Du doch auch immer!Cremer: Aber nicht, damit sie Glück bringen, sondern damit ich hübsch aussehe (lacht). Ich habe auf Mallorca mal mitten auf der Straße einen Engel gefunden. Den nehme ich mit.Wie sieht es mit der Kleidung aus? Sie tragen gerade schon den Olympiadress... Cremer: Wir wurden komplett ausgerüstet mit allem, was man sich nur vorstellen kann.Feizbakhsh: Das Einkleiden war in einer Kaserne und total lustig und verrückt. Wir standen wie in einer Mensa an einer Theke und konnten dann sagen: "Ich nehme das und das..." Das dauerte über zwei Stunden.Cremer: Wir hatten jeder einen ganzen Einkaufswagen voll, der ist komplett übergequollen. Da war alles dabei, Klamotten, die von einer Schneiderin sogar abgeändert werden konnten, Kosmetik und sogar zwei Duschköpfe (grinst). Damit wir uns immer wie zu Hause fühlen.Wie hat Ihre Familie reagiert, als Sie sich für London qualifiziert haben? Cremer:Die sind aufgeregter als wir selbst und erzählen es überall rum. Wenn ich dann mal zu einer Feier gehe, heißt es von fremden Leuten direkt: Bist du die, die nach London fährt?Feizbakhsh: Ich habe Familie in London wohnen. Sie wollen Plakate für mich basteln.Wenn Sie schon mal in London sind: Bleibt überhaupt Zeit, um sich die Stadt anzuschauen? Cremer: Wir wollen am letzten Tag schon um fünf Uhr morgens aufstehen und richtig Power machen. Am wichtigsten ist aber ein Foto unter dem olympischen Feuer. Das will ich auf jeden Fall haben.Sie haben hier vor sich eine Menge Autogrammanfragen liegen... Cremer: Viele Anfragen sind von Sammlern, aber es sind manchmal auch ein paar richtig schöne dabei. Einmal habe ich einen richtigen schönen Brief von einem Mann und seinen zwei Söhnen bekommen. Er hatte den ganzen TV-Kommentar während meines Laufs bei einem Wettkampf mitgeschrieben.Feizbakhsh: Wir freuen uns immer über Unterstützung. Und bei den olympischen Spielen natürlich erst recht.Fühlen Sie sich denn gut vorbereitet auf Olympia?Cremer: Wir trainieren bis dahin bestimmt noch 10 bis 15 Mal. Im Trainingslager in Kienbaum werden wir noch mal richtig ranklotzen.Feizbakhsh: Aber wir waren auch im letzten Trainingslager beim Abschlusstraining richtig gut, deswegen fühlen wir uns schon gut vorbereitet. Und unser Trainer Slawomir Filipowski fährt ja schließlich auch mit.Sie sind noch jung. Wann haben Sie ihre ersten Olympischen Spiele gesehen? Feizbakhsh:Bewusst erinnern kann ich mich an die Sommerspiele in Sydney 2000. Ich weiß noch, dass ich gesehen habe, wie eine Judoka Gold gewonnen hat. Sie stand dann auf dem Siegertreppchen und hat krampfhaft versucht, die Tränen zu unterdrücken. Da habe ich echt gedacht: Ich würde weinen.Ist Olympa seitdem ein Traum für Sie? Feizbakhsh: Ja, auf jeden Fall (lächelt).In London herrschen im Moment hohe Sicherheitsstandards: Raketen auf den Dächern, Jagdflugzeuge in der Luft. Haben Sie eigentlich Angst vor einem Anschlag? Feizbakhsh:Nur, wenn man genau darüber nachdenkt, kriegt man schon Angst. Ich habe schon gehört, dass dort fast mehr Soldaten als in Afghanistan da sein sollen...Cremer: Aber man sollte sich nicht verrückt machen. Es könnte theoretisch bei jedem Großereignis etwas passieren. Angst habe ich nicht.