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Nokia schließt Bochumer Nachfolgewerk in Rumänien

Wut und Trauer

Plötzlich waren sie wieder total präsent: Die Bilder von völlig verzweifelten Nokianern, die Angst um ihre Zukunft hatten. Wie ein Lauffeuer hatte sich am Donnerstag die Nachricht in Bochum verbreitet, dass der finnische Mobilfunkproduzent sein erst 2008 eröffnete Werk in Rumänien schließen will.

BOCHUM

von Von Thomas Aschwer

, 29.09.2011

Nokia schließt das Werk in Rumänien - die Bilder aus Bochum sind wieder da: Von tief traurigen Menschen, die sich immer für ihren Arbeitgeber eingesetzt hatten und nun vor vollendeten Tatsachen gestellt wurden. Von Mahnwachen, Protestzügen und Aktionen, die retten sollten was am Ende nicht zu retten war. 

Für die Bochumer IG Metall-Bevollmächtigte Ulrike Kleinebrahm war nur der Zeitpunkt überraschend. Nicht die Tatsache an sich. Sie erinnerte gestern an die damalige Aussage des Nokia-Chefs, dass sich der Konzern in den nächsten Jahr mehr und mehr aus der Handy-Produktion zurückziehen werde. Beim Standort im kleinen rumänischen Dorf Jucu nahe der Universitätsstadt Cluj hatte Ulrike Kleinebrahm von Anfang an Bedenken, dass das ein längerfristig angelegte Projekt werden könnte. Der Markt für die dort produzierten Telefone werde immer kleiner. Und die immer mehr Marktanteile gewinnenden Smartphones seien halt nicht hier vom Band gelaufen. Die Rumänen hingegen hatten bei der Eröffnung noch von einem neuen Silicon Valley geträumt. Aus und vorbei.

Die IG Metall-Bevollmächtigte kann nur zu gut einschätzen, wie sehr die Mitarbeiter unter der Entscheidung leiden. „Große Solidarität und großes Mitgefühl“ seien deshalb jetzt angesagt. Auf gar keinen Fall Schadenfreude. Das gelte natürlich auch uneingeschränkt für die ebenfalls auf der Kippe stehenden Werke in Finnland, Ungarn und Mexiko. Über ihre Zukunft soll in den nächsten Monaten entschieden werden. Was eine Schließung für Folgen hat, erfährt Ulrike Kleinebrahm auch Jahre nach der Bochumer Schließung immer wieder. „Es gibt nach wie vor Verlierer.“ Tief berührt spricht die IG Metall-Chefin von den damals bei Nokia angelernten Kräften. Für sie habe es nie Ersatzarbeitsplätze gegeben. Die IG Metall versucht denen oft in Hartz IV abgerutschten Menschen nach Kräften zu helfen.

Abgeschlossen ist das Thema für die frühere Betriebsratsvorsitzende Gisela Achenbach. Eigentlich. Aber gestern im Gespräch mit ihr seien die Erinnerungen wieder hoch gekommen, berichtet Ulrike Kleinebrahm. „Es können noch so viele Jahre vergehen. Ein so einschneidendes Erlebnis vergisst man ein Leben lang nicht“, sagt die Gewerkschafterin. Alle, die damals hautnah dabei waren, Tage und Nächte am Tor standen, werden ihr zustimmen. Ausnahmslos.