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Autoschieber muss fast vier Jahre ins Gefängnis

BMW gestohlen

Autos im Wert von fast 1,3 Millionen Euro sollen Autodiebe aus Litauen in Deutschland entwendet haben - unter anderem auch in Selm und Nordkirchen. Einer der Täter wurde jetzt zu einer Haftstrafe verurteilt. Ihm wurden DNA-Spuren an einem Kissen und ein Blitzer-Foto zum Verhängnis.

SELM/NORDKIRCHEN

von Ulrich Pfaff

, 10.10.2016

Mit einer dreisten Masche haben Autodiebe aus Litauen unter anderem in Selm hochwertige Autos gestohlen: Sie griffen die Funksignale der schlüssellosen Schließsysteme ab und fuhren mit den Autos davon. Ein Mitglied der Bande ist gestern vom Landgericht Detmold zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Moderne Technik macht Autoschlüssel überflüssig und es Autofahrern bequem: Mittels Funkcodes können moderne Fahrzeuge geöffnet, die Wegfahrsperre ausgeschaltet und dann per Knopfdruck der Motor gestartet werden. Das hat sich auch eine Bande hochprofessionell agierender Autoschieber aus Litauen zunutze gemacht: Mittels eines sogenannten Repeaters wurden die Signale von einem Täter an der Haustür von Autobesitzern aufgegriffen und weitergeleitet, so dass ein weiterer Täter das Auto öffnen und starten konnte. Dann ging es ab nach Osten.

DNA-Spuren an einem Kissen

Auf diese Weise verschwand in Selm in der Nacht zum 21. März ein BMW X5 im Wert von 80.000 Euro, in der gleichen Nacht ein BMW 320d für 40.000 Euro in Nordkirchen – wobei die Bande ausgerechnet in diesem Fall von ihrem üblichen Muster abwich und beim Einbruch in ein Wohnhaus den Autoschlüssel und als „kleine Dreingabe“ noch einen Kaffeevollautomaten stahl. In der Nähe fand die Polizei einen abgestellten Ford Galaxy – und darin ein Nackenkissen, an dem DNA-Spuren sichergestellt wurden.

Diese konnten erst später dem 28-Jährigen zugeordnet werden, der gestern auf der Anklagebank im Landgericht Detmold saß. Der Litauer mit Hochschulabschluss war am 12. April an der deutsch-polnischen Grenze als Fahrer eines in der Nähe von Wetzlar geklauten Volvo festgenommen worden. In der Tasche hatte er ein Blackberry-Handy, dessen Auswertung die Polizei zu einer ganzen Reihe von Fahrzeugdiebstählen von Anfang Februar bis April führte, die in Nordrhein-Westfalen und Hessen begangen worden waren.

Sechs von 21 Fällen gestanden

Von den 21 angeklagten Fällen – Gesamtwert der überwiegend spurlos verschwundenen Oberklasse-Fahrzeuge fast 1,3 Millionen Euro – gab der Angeklagte nach einem Deal zwischen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Strafkammer seine Beteiligung an zunächst vier Fällen zu: An denen in Selm und Nordkirchen sowie an zwei in der Nacht vor seiner Festnahme, wobei es nicht nur um den 50.000-Euro-Volvo, sondern auch noch um einen BMW X6 für satte 125.000 Euro ging, der ebenfalls im Raum Wetzlar gestohlen worden war.

Nachdem ein Zeuge aus Bielefeld noch ein „Knöllchen“ präsentieren konnte, das mit ziemlicher Sicherheit den Angeklagten am Steuer seines zuvor geklauten 5er BMWs zeigte, räumte der Litauer auch die Beteiligung an zwei Fahrzeugdiebstählen in Bielefeld in der Nacht zum 23. Februar ein. Die Strafkammer blieb trotz der weiteren Taten bei ihrer Zusage beim Strafmaß und verurteilte den 28-Jährigen wegen schweren Bandendiebstahls zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Allerdings soll er nach Verbüßung der Strafe nach Litauen abgeschoben werden – wo die deutsche Justiz keine weitere Strafvollstreckung fordern wird. Die Mittäter des Litauers – und mutmaßlichen Besitzer zweier weiterer an den Tatorten ermittelten Handys – sind weiterhin unbekannt. 

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