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Erste Ausschusssitzung in einfacher Sprache

Inklusive Gemeinde

Die Gemeinde Nordkirchen hat einen neuen Schritt in Sachen Inklusion getan. Durch eine Ausschusssitzung in besonderer Form. Zum ersten Mal fand sie in einfacher Sprache statt.

Nordkirchen

, 28.06.2018
Erste Ausschusssitzung in einfacher Sprache

Sofie Eichner (stehend) moderierte zwischen Politikern , Verwaltung und Gästen. © Arndt Brede

Das war eine echte Premiere (Verzeihung Erstaufführung): Der Ausschuss für Familie, Schule, Sport und Kultur ist am Dienstag dem Wunsch von Jugendlichen aus der Kinderheilstätte nachgekommen, mal an einer Rats- oder Ausschusssitzung teilnehmen zu dürfen. Grund: Sie wollten verstehen, wie Politik funktioniert und was politische Gremien so tun.

„Wir möchten das an einem Beispiel zeigen“, erklärte Bürgermeister Dietmar Bergmann. Das Beispiel, das ist der geplante Generationen-Platz vor dem Bürgerhaus.

„Wer sitzt hier eigentlich?“

Bevor die Politiker aber in die Tagesordnung einstiegen, hatten Jugendliche aus der Kinderheilstätte und Mitarbeiter der Caritas-Behindertenwerkstätten die Chance, von Politikern zu erfahren, warum sie Politiker sind und wie Politik läuft. Zwischen den Besuchern und den Kommunalpolitikern moderierte Sofie Eichner vom Quartiersmanagement „Miteinander in Nordkirchen“ (MiNo).

Sie stellte Fragen wie „Wer sitzt hier eigentlich?“ Vertreter der Verwaltung und der Ausschussvorsitzende Joachim Seidel sowie Schriftführerin Klara Döbbelin-Südfeld saßen vorn am Podium. Sie stellten vor, was sie tun. „Ich bin der Chef der Verwaltung“, sagte zum Beispiel der Bürgermeister.

Politiker gelöchert

Dann löcherte Sofie Eichner die Politiker, die gegenüber dem Podium sitzen. Uta Spräner (Bündnis 90/Die Grünen) machte den Anfang: „Ich sitze hier, weil hier Dinge entschieden werden, die mir wichtig sind.“ Sie wohne mit ihren Kindern auch in Nordkirchen. Deshalb betreffen sie und ihre Familie Entscheidungen, wie zum Beispiel Spielplatzbau, ganz persönlich und direkt.

Maria Wellmann (CDU) antwortete unter anderem so: „Ich wünsche mir Politik von Menschen, die hier sitzen, für Menschen und mit Menschen.“

Die Politiker bemühten sich, das, was sie zu sagen hatten, einfach und klar auszudrücken. Wo das nicht so klappte, hakte Sofie Eichner nach: „Was ist denn eigentlich eine Fraktion?“, „Was darf so ein Ausschuss entscheiden?“ Fragen, die die Politiker den Gästen gern beantworteten.

Mit diesem Vorwissen, was Politiker eigentlich so machen und wie Lokalpolitik funktioniert, verfolgten die Jugendlichen dann die eigentliche Ausschusssitzung äußerst interessiert. Sofie Eichner hatte die Sitzungsvorlage zur zukünftigen Gestaltung des Generationenplatzes in leichte Sprache übersetzt (siehe Grafik oben). Die Gestaltungselemente wie den Fühlweg (wir berichteten) kommentierten sie so: „Toll“, „Oh wie schön“.

Offenbar fühlten sie sich richtig ernst genommen.

Echte Experten

Was noch bei der Sitzung herauskam? Die Gäste sind echte Experten, wenn es um ihre Belange geht. Als Bürgermeister Bergmann vorstellte, dass ein Sandtisch auf dem Generationenplatz gut für die Motorik sei, warf Sofie Eichner ein: „Was ist denn Motorik?“ Diese Frage hätte sie gar nicht zu stellen brauchen. Maurice, Schüler der Maximilian-Kolbe-Schule, erklärte nach der Sitzung nämlich: „Das Wort Motorik ist für uns gar kein Fremdwort. Damit haben wir jeden Tag zu tun. Da geht es um Fühlen, Riechen, Schmecken.“

Unabhängig davon: Der Ablauf der Sitzung kam bei den Jugendlichen jedenfalls gut an: „Es wäre schön, wenn das mal wieder klappen könnte“, sagte Maurice.

Diesen Wunsch nahm Ausschussvorsitzender Joachim Seidel sofort auf: „Ohne Absprache mit dem Bürgermeister lade ich euch zur nächsten Sitzung des Ausschusses für Familie, Schule, Sport und Kultur am 13. September wieder ein.“ Vorschlag von Sofie Eichner: „Dann können ja andere Jugendliche mitkommen.“

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